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06.10.2013

15:39 Uhr

Börsengesetze

Die Wahrheit hinter den Börsen-Mythen

VonJessica Schwarzer

Anleihen sind sicherer als Aktien. Das weiß jeder, der sich mit Geldanlage beschäftigt. Und hohe Dividenden sind ein sicheres Einkommen. Falsch! Das sind einige der Mythen, die Vermögensverwalter Ken Fisher enthüllt. 

Ken Fisher, ein Mann mit dem richtigen Riecher für die Anlage. JÜRGEN FRANK

Ken Fisher, ein Mann mit dem richtigen Riecher für die Anlage.

DüsseldorfVon wegen Stoppkurse stoppen Verluste. Von wegen Anleihen sind sicherer als Aktien. Und: Von wegen hohe Dividenden sind ein sicheres Einkommen. Diese und viele andere vermeintliche Wahrheiten kennt jeder Anleger. Aber stimmen sie deshalb auch? Der renommierte Vermögensverwalter Ken Fisher räumt in seinem neuen Buch „Börsen-Mythen enthüllt für Anleger“ auf mit falschen Wahrheiten.

Einer der wohl gängigsten Mythen: Anleihen sind sicherer als Aktien. Der Börsencrash nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers ist vielen Anlegern noch schmerzhaft in Erinnerung. Aktien rauschten weltweit in den Keller, einzelne Papiere verloren 50 Prozent und mehr. Das tat weh. Dass die folgenden Jahre aber äußerst gute Jahre für Aktieninvestoren waren, wiegt in unserer Erinnerung nicht so viel wie die hohen Verluste aus der Zeit zuvor. Anleger mögen keine hohen Schwankungen und schon gar keine Minuszeichen, und genau deshalb greifen viele nach schlechten Erfahrungen mit Dividendentiteln lieber zu den vermeintlich sicheren Anleihen.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Aber stimmt das überhaupt? Sind Anleihen die bessere Wahl? „Die Frage, ob Anleihen sicherer sind oder nicht, hängt davon ab, was man mit ‚sicher‘ meint“, schreibt Ken Fisher. Er bestreitet nicht, dass Anleihen normalerweise nicht so volatil, also schwankungsanfällig sind wie Aktien. Allerdings macht er die ihm sehr wichtige Einschränkung „über kürzere Zeiträume“. Denn er beweist, dass über lange Zeiträume hinweg die Volatilität der Aktien enorm abnimmt, über 30 Jahre hinweg ist sie sogar nur noch halb so hoch wie bei Festverzinslichen. Die Rendite aber ist deutlich höher.

Wer also die kurzfristigen höheren Schwankungen von Aktien in Kauf nimmt, wird langfristig belohnt. Ken Fisher belegt das anhand von Daten aus den vergangenen 90 Jahren: Historisch gesehen entwickeln sich Aktien in 62 Prozent der Kalendermonate positiv. Rollierende Zwölf-Monats-Zeiträume sind in 73,2 Prozent der Fälle positiv. Anleger sollten also mehr Angst haben, dass sie die Anstiege des Marktes verpassen, so Fisher, als das sie einen Crash miterleben. Und auch wenn Anleihen weniger stark schwanken, sicher ist, dass Anleger mit ihnen langfristig geringere Renditen einfahren.

Kommentare (6)

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06.10.2013, 16:56 Uhr

Werbung?

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06.10.2013, 17:07 Uhr

Für mich ein guter Artikel, denn genau so, wie es eben nicht sinnvoll ist, verhalten sich extrem viele Bürger.

Account gelöscht!

06.10.2013, 18:18 Uhr

Die einzige Wahrheit ist, dass Börsenkurse manipuliert werden.

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