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28.01.2011

10:45 Uhr

Börsenkandidaten

Investorensuche lohnt in London oder New York

VonChristian Schnell

Zwei Unternehmen gehen in rund einer Woche an die Deutsche Börse – endlich wieder! Börsenkandidaten wie diese können kaum auf Privatanleger setzen. Auch Großinvestoren spielen nur noch eine Nebenrolle. Anders sind die Bedingungen am britischen und amerikanischen Finanzmarkt.

Derby Cycle: Das Unternehmen zieht es an die Deutsche Börse. DAPD

Derby Cycle: Das Unternehmen zieht es an die Deutsche Börse.

FRANKFURT. Immerhin, es gibt sie wieder! In rund einer Woche gehen mit dem Fahrradhersteller Derby Cycle und dem Spezialsoftwarehaus RIB endlich wieder zwei Unternehmen an die Deutsche Börse. Das Geschäftsmodell ist bei beiden solide, Zukunftschancen gibt es reichlich, und das Management macht einen sehr guten Eindruck. Interesse von Investoren müsste eigentlich vorhanden sein.

Doch wer sind diese Investoren eigentlich, die die neuen Aktien kaufen sollen? Privatanleger gehören sicher nicht dazu. Deren Anteil ist je nach Verständlichkeit des Geschäftsmodells mal mehr, mal weniger niedrig. In der Regel liegt er im einstelligen Prozentbereich.

Dabei gilt: Die Fahrräder von Derby Cycle versteht der Privatanleger wohl besser als die Bausoftware von RIB, die auch Bauzeit und -kosten darstellt. Deswegen wird es nicht überraschen, wenn sich mehr Privatanleger für die Aktie von Derby Cycle entscheiden werden.

Das ist jedoch für den Gesamterfolg einer Emission völlig unerheblich. Kurioserweise spielen auch Großinvestoren in diesem Prozess mittlerweile nur noch eine Nebenrolle, zumindest wenn sie aus Deutschland stammen. Mit der DWS, der Deka, Union Investment und AGI gibt es nur noch vier bedeutende Adressen, bei denen Börsenkandidaten für ihre Aktien werben können. Aus der zweiten Reihe kommen etwa acht weitere Namen hinzu.

Zum Vergleich: Putzt das Management in London bei den ganz großen Adressen die Klinken, besteht etwa 75-mal die Gelegenheit dazu. Eine Klasse tiefer finden sich etwa 100 weitere Häuser, bei denen sich Interesse an größeren Aktienpaketen vermuten lässt.

Gleiches gilt für die USA. Wer nach New York oder Chicago geht, der kommt auf ähnliche Zahlen. Für kleine Gesellschaften reicht jedoch der Trip an die Themse, erst ab einer mittleren Größe lohnt auch der Flug über den großen Teich.

Das Muster ist seit Jahren gleich

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen dabei stets ein ähnliches Muster. Bei den kleinen Kandidaten gehen jeweils rund 40 Prozent der Aktien nach Deutschland und nach Großbritannien. Die restlichen 20 Prozent verteilen sich auf den Rest von Europa. Bei den mittleren und großen Emissionen ist der deutsche Anteil oft nur noch im einstelligen Prozentbereich. 40 Prozent kommen auch hier aus Großbritannien, 30 Prozent aus den USA. Der Rest bleibt im näheren europäischen Ausland.

Wer als Börsenkandidat somit nur auf heimische Investoren setzt, der hat von vornherein verloren. Wer hier Geschäfte machen will, der braucht zuallererst gute Englischkenntnisse. Je größer die Emission ist, desto besser sollten die sein.

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