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09.08.2011

14:59 Uhr

Börsenpsychologe Joachim Goldberg

„Kollektiver Kontrollverlust“

VonKirsten Krumrey

Was ist an den Börsen los? Rationale Erklärungen versagen, es sieht nach "kollektivem Kontrollverlust" aus. Börsenpsychologe Joachim Goldberg erklärt, wie dieser Herdentrieb entsteht und was jetzt zu tun ist.

Anleger sollten nicht einfach drauf los handeln, sagt Joachim Goldberg, Chef von Cognitrend, Börsenpsychologe und Autor des Blogs "www.blognition.de". Quelle: Pressefoto Cognitrend

Anleger sollten nicht einfach drauf los handeln, sagt Joachim Goldberg, Chef von Cognitrend, Börsenpsychologe und Autor des Blogs "www.blognition.de".

Handelsblatt: Kursverluste ohne Ende, weltweit. Was ist da los an den Märkten?

Joachim Goldberg: Viele Anleger verlieren die Nerven. Dass die Abwärtsbewegung sich in solchem Maße verstärkt, ist nicht mehr verständlich.

Kann man schon von einer Panik sprechen?

Es ist erstaunlich, wie lange sich der Dax während der vergangenen Monate über 7.000 Punkten gehalten hatte. Mit der derzeitigen Bewegung wird einiges nachgeholt, was in den vergangenen Monaten in Europa und den USA passiert ist. Bis Montagmittag wusste man, was am Markt passiert. Auch wenn die Entwicklung rasant war. Seitdem herrschen eine gewisse Kopflosigkeit und auch Panik.

Welche Gründe gibt es für die massiven Verluste?

Eine richtige Erklärung gibt es dafür nicht mehr. Wir sehen einen kollektiven Kontrollverlust. Das Problem sind derzeit nicht Short-Seller oder Spekulanten - es werden Long-Positionen abgebaut, mitunter also langfristiges Kapital abgezogen. Der Minimalkonsens zum amerikanischen Schuldendeckel hat einigen großen Marktteilnehmern wohl nicht gefallen. Meine Vermutung ist, dass ein paar von ihnen ihre Aktienquote deutlich reduziert haben. Da der US-Kompromiss nur Ausgabenkürzungen aber keine Steuererhöhungen enthält, kommt aus den USA vorerst kein positiver Impuls. Trotzdem: Die Stärke des Einbruchs, vor allem seit Montagnacht, überrascht auch mich. 

Stichwort Herdentrieb?

Bis vor acht Tagen schien doch alles relativ sicher, erst danach kamen die Rückgänge. Jetzt wo es brennt, wollen alle durch die gleiche Türe raus. Es geht derart schnell abwärts. Viele verlieren jetzt die Nerven – zu Recht.

Das klingt mehr emotional als rational.

Psychologie spielt hier eine sehr wichtige Rolle. Denn so schlechte Fundamentaldaten aus Amerika gab es in den vergangenen zwei Wochen nun auch wieder nicht. Die Verluste der vergangenen Tage liegen eher an einem Umdenken. Es wurde ein Punkt überschritten – die wenigsten glauben noch, dass die USA bald auf den Wachstumspfad zurückkehren.

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