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31.01.2014

12:10 Uhr

Börsenpsychologie

Vorsicht Gier!

VonJessica Schwarzer

1,4 Milliarden Euro deutscher Anlegen sind derzeit bei Prokon in Gefahr. Wurde den Investoren ihre Sucht nach Rendite zum Verhängnis? Wann sind sie zu gierig, wann nicht gierig genug? Wie viel Rendite-Hunger ist gut?

Gier kann an der Börse tödlich sein! Getty Images

Gier kann an der Börse tödlich sein!

DüsseldorfWenn sogenannte Börsenbriefe Kursgewinne von hundert und mehr Prozent versprechen, greifen manche Anleger beherzt zu. Was für eine Chance! Da muss man dabei sein. Oft reichen sogar schon Renditeaussichten von sechs oder acht Prozent, damit der gesunde Menschenverstand aussetzt.

Wie sonst ist zu erklären, dass Anleger ihr sauer verdientes Geld in nachrangige Genussrechte des Windparkbetreibers Prokon investierten. Aktuelle Geschäftsberichte? Fehlanzeige. Solides Geschäftsmodell? Wohl kaum. Und die Finanzierung? Brach zusammen, als zu viele Anleger ihre Genussrechte kündigten. Diejenigen, die noch investiert sind, haben nun das Nachsehen. Prokon hat Insolvenz angemeldet – Ausgang ungewiss. Auch für die Anleger.

Der Fall Prokon ist nur einer von vielen. Immer wieder tappen Anleger in dieselbe Falle. Sie verfallen der Gier. „Die Verlockung ist groß, das Motto ‚Gier schlägt Hirn‘ schlägt zu“, sagt Patrick Hussy vom Analysehaus Sentix.  Der Experte für Börsenpsychologie ergänzt: „Es fehlt häufig an finanzieller Bildung des Einzelnen und damit fehlt häufig auch das Grundverständnis für die Einflussfaktoren.“

Echte Anleger sind...

...gelassen

"Sie wissen, dass Aktienkurse von allen möglichen unvernünftigen Kräften beeinflusst werden, dass sie ebenso fallen wie steigen können und dass das auch für Aktien gilt, die sie selbst besitzen. Wenn das passiert, reagieren sie darauf mit Gleichmut. Sie wissen, dass der Preis wieder zurückkommt, solange das Unternehmen die Eigenschaften behält, die sie als Anleger zunächst angezogen hatten."

...geduldig

"Anstatt sich von der Begeisterung der Menge mitreißen zu lassen, warten echte Anleger die richtige Gelegenheit ab. Sie sagen öfter Nein als Ja."

...rational

"Sie gehen auf der Basis klaren Denkens an den Markt und die Welt heran. Sie sind weder übermäßig pessimistisch noch irrational optimistisch; sie sind vielmehr logisch und rational."

Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.

In Zeiten, in denen Zinsen praktisch abgeschafft sind, muss es einen Grund, ja sogar einen Haken geben, wenn manche Unternehmen deutlich höhere Zinsen zahlen als andere. Doch von diesem Haken wollen gierige Anleger nichts wissen. Für sie zählt einzig die Rendite, und die soll möglichst hoch sein.

Das erklärt wohl auch, warum Privatanleger in Mittelstandsanleihen mit bis zu zweistelligen Kupons investieren, ohne zu hinterfragen, warum die Firmen derart hohe Zinsen zahlen. Ein optisch hoher Zins sorgt traditionell für eine hohe Aufmerksamkeit, gerade in Zeiten niedrigster Notenbankzinsen. Während Staatsanleihen mit guter Bonität und Unternehmensbonds solider Firmen nur noch Minirenditen bringen, locken die Mittelstandsanleihen mit saftigen Zinszahlungen.

Bei den seit 2010 begebenen 150 Papieren reicht das Spektrum von 4,0 bis immerhin 11,25 Prozent. Über alle Mittelstandsanleihen ergibt sich laut Ratingagentur Scope eine durchschnittliche Kuponhöhe von 7,2 Prozent.

Aus reiner Nächstenliebe zahlen die Mittelständler diese Kupons wohl kaum. Dass bei einigen Emittenten einiges im Argen lag, wurde den Anleihekäufern im vergangenen Jahr schmerzhaft bewusst: Insgesamt zehn Anleihen mit einem platzierten Volumen von 380 Millionen Euro sind nach Angaben der Ratingagentur Scope im Jahr 2013 ausgefallen.  

Und wieder sind es die Kleinanleger, die es trifft. „Es sind aber nicht immer die Selben, die die gleichen Fehler machen“, sagt Niels Nauhauser,  Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Die Anleger lernen dazu und verbrennen sich in der Regel nur ein Mal die Finger.“

Kommentare (22)

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yoski

31.01.2014, 12:21 Uhr

Ponzi-Scheme
Merke, wenn man denn unbedingt in ein Ponzi Scheme investieren muss gilt frueh einsteigen, frueh aussteigen und die Letzten beissen die Hunde.
Aber wieso sollte man aus Fehler anderer (Madoff, Stanford, ...) lernen wenn man selbst ordentlich Lehrgeld zahlen kann?

Account gelöscht!

31.01.2014, 12:23 Uhr

Zitat: "Gier fängt schon dann an, wenn man sicher mehr als zwei Prozent Rendite erzielen möchte“, sagt Martin Weber, Professor an der Universität Mannheim und Experte für Behavioral Finance"

Also "Gier" fängt beim Wunsch nach Inflationsausschleich und Kapitalerhalt an. Schade, bisher hielt ich Prof.Weber für sehr fähig.

dsasd

31.01.2014, 12:25 Uhr

Sorry leute aber ich kann diesen Beitrag nicht verstehen. Ich selbst habe im Moment mit Banken zu tun. Als Unternehmer kommt man aus meiner Sicht locker an 7 bis 10% Zwangszins ran... Ein Beispiel: Um bei den Banken etwas besser da zu stehen werden die Zahlen etwas geschöhnt. Das Kostet Geld. Um die Unterlagen vorzubereiten und immer wieder erneute Berichte vorzulegen muss ich ne Menge Zeit investieren und auch Leute beauftragen. Das kostet auch Geld. Der Kredit bei der L Bank kostet mich 2% dazu kommen noch Abwicklungskosten die bei 1% liegen. Wenn ich das alles mal zusammen rechnen würde, und dann noch die Förderungen rein nehme "die ich abgestaubt habe" als Kosten dann bin ich sicher bei 7% wenn nicht mehr. Der Vorteil ist halt der dass wenn man das schonmal gemacht hat weiss man wie es geht und kann viel alleine machen, aber meine Zeit muss ich mir dann doch bezahlten und die optimiertere Darstellung der Bilanz kostet auch.

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