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25.12.2013

13:04 Uhr

Börsenweisheit

„Der Anleger ist sein eigener schlimmster Feind“

VonJessica Schwarzer

Mit der Aktienkultur ist es in Deutschland nicht weit her. Und wenn Privatanleger die Aktie für sich entdecken, dann lassen sie sich von Gier und Angst leiten. Ein Fehler, wusste schon Benjamin Graham.

Manche Kursentwicklung bringt den noch so ruhigen Anleger bisweilen in Rage. Getty Images

Manche Kursentwicklung bringt den noch so ruhigen Anleger bisweilen in Rage.

DüsseldorfDie Deutschen und die Aktie, das ist ein schwieriges Verhältnis. Zwar sind die Bundesbürger stolz auf ihre robuste Wirtschaft und auf das weltweit geschätzte „Made in Germany“, doch direkt beteiligen wollen sie sich lieber nicht an den Unternehmen. So kommt es, dass der Dax von Rekord zu Rekord eilt, doch die wenigsten Privatanleger dabei sind. Sie meiden Aktien aus Angst vor Schwankungen oder gar Verlusten. Langfristige Chancen ignorieren sie.

Gerade einmal 4,9 Millionen Menschen in Deutschland halten direkt Aktien. Das sind nur 7,5 Prozent der Gesamtbevölkerung, wie Zahlen des Deutschen Aktieninstituts zeigen. Die Bundesbürger scheuen das Risiko und horten ihre Milliarden lieber auf Sparbüchern, Tages- und Festgeldkonten oder in anderen festverzinslichen Sparformen, die unter dem Strich – also nach Abzug von Inflation, Kosten und Steuern – keine oder sogar eine negative Rendite bringen. Damit verlieren sie Geld. Doch das verdrängen die Sparer.

Echte Anleger sind...

...gelassen

"Sie wissen, dass Aktienkurse von allen möglichen unvernünftigen Kräften beeinflusst werden, dass sie ebenso fallen wie steigen können und dass das auch für Aktien gilt, die sie selbst besitzen. Wenn das passiert, reagieren sie darauf mit Gleichmut. Sie wissen, dass der Preis wieder zurückkommt, solange das Unternehmen die Eigenschaften behält, die sie als Anleger zunächst angezogen hatten."

...geduldig

"Anstatt sich von der Begeisterung der Menge mitreißen zu lassen, warten echte Anleger die richtige Gelegenheit ab. Sie sagen öfter Nein als Ja."

...rational

"Sie gehen auf der Basis klaren Denkens an den Markt und die Welt heran. Sie sind weder übermäßig pessimistisch noch irrational optimistisch; sie sind vielmehr logisch und rational."

Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.

Dabei gäbe es Alternativen. Einer, der unermüdlich für die Aktie trommelt, ist Christoph Bruns. „Das ist eine echte Sisyphusarbeit, an der ich mich seit zwei Jahrzehnten abarbeite“, sagt der Chef der Fondsgesellschaft Loys im Interview mit Handelsblatt Online. „Die Deutschen haben einfach keine Aktienkultur. Es fehlt ihnen die Einsicht, dass Aktien eine gute Anlageform sind und es ohne Aktien auch gar nicht mehr geht.“

Doch die Argumente für Aktieninvestments stoßen bei vielen Deutschen auf taube Ohren. Dass viele Dividendenpapiere heute höhere Ausschüttungsquoten haben als vergleichbare Unternehmensanleihen, lassen sie nicht gelten. Die Chance auf zusätzliche Kursgewinne tun sie mit dem Verweis auf mögliche Verluste ab.

Den einen war das Treiben an den Finanzmärkten schon immer suspekt, sie haben Angst vor den Kursschwankungen und greifen lieber zu Anlageformen, die ihnen bis zum Tag x eine vorher festgelegte Rendite bringen. Die anderen haben schlechte Erfahrungen gemacht. Ihnen steckt der Schock nach dem Platzen der Internetblase zu Beginn des Jahrtausends und nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers auf dem Höhepunkt der Finanzkrise noch in den Knochen.

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