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15.12.2013

09:25 Uhr

Börsenweisheit

Die Börse ist (k)eine Einbahnstraße

VonJessica Schwarzer

Manche Börsenweisheit ist zu einer unumstößlichen Regel geworden. Dass die Börse keine Einbahnstraße ist, gehört zu diesen klugen Sprüchen. Eigentlich. Denn langfristig sieht die Aktienwelt ganz anders aus.

Die Börse eine Einbahnstraße? Die Börsenweisheit wird heißt diskutiert. dpa

Die Börse eine Einbahnstraße? Die Börsenweisheit wird heißt diskutiert.

DüsseldorfWer im Spätsommer 2011 an der Börse investiert war, der weiß, wie extrem Kursrücksetzer an den Finanzmärkten sein können. Binnen weniger Wochen stürzte der Dax von mehr als 7000 Punkten auf 5000 Punkte ab. Zuvor war es zwei Jahre lang mehr oder weniger kontinuierlich aufwärts gegangen, doch dann kam der Crash.

Es war nicht das erste Mal, dass es die Anteilseigner deutscher Papiere derart hart getroffen hat. Wer bereits zu Zeiten des Neuen Marktes Aktionär war, kann sich noch gut erinnern, wie in kürzester Zeit die Luft aus einer gigantischen Spekulationsblase wich. Die Verluste waren immens. Nicht nur der Wachstumswerteindex Nemax ging in die Knie, auch der Dax stürzte ab. Der Schock sitzt bei vielen immer noch so tief, dass sie nicht mehr an die Märkte zurückgekehrt sind.

Echte Anleger sind...

...gelassen

"Sie wissen, dass Aktienkurse von allen möglichen unvernünftigen Kräften beeinflusst werden, dass sie ebenso fallen wie steigen können und dass das auch für Aktien gilt, die sie selbst besitzen. Wenn das passiert, reagieren sie darauf mit Gleichmut. Sie wissen, dass der Preis wieder zurückkommt, solange das Unternehmen die Eigenschaften behält, die sie als Anleger zunächst angezogen hatten."

...geduldig

"Anstatt sich von der Begeisterung der Menge mitreißen zu lassen, warten echte Anleger die richtige Gelegenheit ab. Sie sagen öfter Nein als Ja."

...rational

"Sie gehen auf der Basis klaren Denkens an den Markt und die Welt heran. Sie sind weder übermäßig pessimistisch noch irrational optimistisch; sie sind vielmehr logisch und rational."

Quelle: Robert G. Hagstrom, "Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.", Börsenbuchverlag 2011.

Aber vor allem in Zeiten der Finanz- und Schuldenkrise sind die Ausschläge an den Börsen immer heftiger geworden. Ein klarer Beweis dafür, dass die Börse keine Einbahnstraße ist, wie es die Börsenweisheit besagt? Das sieht Max Otte, Bestsellerautor und eigentlich als Crash-Prophet bekannt, ganz anders. „Langfristig gibt es für die Börse nur einen Weg: nach oben“, sagt der Experte. Als Beleg führt er Studien an, etwa die des bekannten amerikanischen Professors Jeremy Siegel. „Also ist die Sache mit der Einbahnstraße nur bedingt richtig“, so Otte.

Die Börse ist also eine Einbahnstraße? Eine gewagte These, könnte man mit Blick auf die Börsenentwicklung der vergangenen Jahre meinen. Doch genau da liegt das Problem. Anleger denken zu kurzfristig. Wer langfristiger anlegt, macht – das ist historisch belegt – in der Regel Gewinne. „Meistens reichen Anlagezeiträume von zwei bis drei Jahren, wenn man nicht wirklich zu teuer einsteigt“, sagt Otte. „Allerdings kann es in Einzelfällen auch schon einmal zehn Jahre und mehr dauern, bis man seinen Einsatz wieder hat.“

Auch Niels Nauhauser sieht die Börsenregel kritisch. „Diese Weisheit wird immer gerne zitiert, wenn die Aktienmärkte eine Weile gut gelaufen sind“, sagt der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Die historischen Daten belegen klar eine Überrendite von Aktien gegenüber Renten.“ Diese Überrendite sei wohl auch die Prämie, die Anleger erhalten, weil die Aktien auf kurze Sicht eben keine Einbahnstraße seien. Denn kurzfristig können die Aktienmärkte natürlich kräftig schwanken. Rückschläge sind nie ausgeschlossen.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

15.12.2013, 13:42 Uhr

In einer digitalisierten Welt ist alles Information, auch Wertpapiere. Das, was wir Wert und Risiko nennen, ist kurzfristig durch Handelssysteme gemessene Information. Finanzmarkt: It from Bit. Information ist elementarer als der Finanzmarkt selbst - und rechenbar. Wer von Informationseffizienz redet, sollte erst mal für sich herausfinden, was Information ist. 97% der Anleger glauben nämlich immer noch, dass jeden Abend ein Geldtransporter vorfährt, und "seine" Überweisung tätigt.

NJoyTheRide

15.12.2013, 15:36 Uhr

Die Boerse, aka die Wertentwicklung der Unternehmen die sich in einem breiten marktkapitalisierungsgewichteten Aktienindex befinden und somit von ihm widergespiegelt wird, ist langfristig, nominal wie real, eine Einbahnstrasse- solange der Kapitalismus nicht aufhoert zu existieren.
Dieses Resultat ist die Folge einer Grundbedingung des Kapitalismus (Eigenkapitalrendite) und stellt insgesamt gesehen z.B. den sog. Investment Return im Bogle Modell dar.
Die meisten Menschen, vor allem Deutsche, verstehen das nicht bzw. wollen das einfach nicht verstehen, oder meinen sie wuessten es besser.
Diese Strasse ist allerdings unendlich, hat viele Kehren und Schlagloecher und gleicht in ihrem Profil dem Timmelsjoch von Soelden aus befahren- ebenso bei Klima und Wetter.
Das haelt natuerlich viele davon ab die Strasse ueberhaupt zu befahren und laesst die meisten die es trotzdem tun halt auch mal in den Graben abkommen oder laengere ungemuetliche Pausen mit kaputten Reifen oder gar Felgen einlegen.
Die meisten Menschen versuchen jedoch diese Strasse erst mit Sommerreifen im Spaetherbst anzugehen, manchmal sogar in einem getunten Auto (Kredit)- sie erfrieren dann oft, drehen aber meist doch einfach um und schliddern dann mit heftig verbeultem Auto wieder runter- sie entscheiden sich dann fuer immer in der Pension in Soelden zu bleiben (LV, Sparbuch&co).
Die gut ausgeruesteten Experten dagegen versuchen idR Abkuerzungen fuer den Weg nach oben zu nehmen- sie muessen aber dann meist doch wieder auf die Hauptstrasse zurueck und kommen so halt viel langsamer voran als wenn sie gleich auf ihr geblieben waeren. Diesen Experten ist das jedoch egal, da sie ihre auf hoechst angenehmen Niveau stattfindende Expedition gesponsort bekommen. Fuer sie ist der Weg das Ziel denn Fahrtzeit, Spritgeld, Kost incl. Chateau Petrus und 5 Sterne Logis in Obergurgl mit Wellness und reichlich Taschengeld kriegen sie ja von ihren (einfaeltigen) Passagieren bezahlt!

Johannes_Kraut

15.12.2013, 16:26 Uhr

Sehr richtig, NJoyTheRide! Dem ist noch hinzuzufügen: Wer sich ein paar Gedanken gemacht hat und regelmäßig etwas Geld übrig hat (es muss gar nicht viel sein) und außerdem einen langen Atem hat (nicht ständig seine Strategie ändert), der kann sich auch mit einem Kleinwagen, notfalls sogar mit dem Fahrrad oder zu Fuß, auf diese Straße wagen und für eine lange Zeit einfach immer nur weiter fahren oder laufen – es wird sich mehr lohnen als alles andere… Literaturtipp: Thomas Claer - Auf eigene Faust. Aktiensparen für Kleinanleger (Books on Demand 2012, 10 Euro)

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