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26.02.2014

12:37 Uhr

Börsenweisheit

Gefährliche Schnäppchenjagd

VonJessica Schwarzer

Die Schnäppchenjagd an der Börse hat ihre Tücken. Vermögensverwalter Gottfried Heller zieht gar den Vergleich zu einem Stück Sahnetorte, das mit gesunder Ernährung schließlich auch wenig zu tun hat.

Ungesunde Ernährung: Was Sahnetorten und Schnäppchen an der Börsen gemeinsam haben. Getty Images

Ungesunde Ernährung: Was Sahnetorten und Schnäppchen an der Börsen gemeinsam haben.

DüsseldorfGute Aktien günstig zu kaufen, ist der Traum jedes Börsianers. Zu Tiefstkursen einzusteigen und am besten auch noch zum Höchstpreis zu verkaufen, das wäre die perfekte Börsenwelt. Gelingen tut das in den wenigsten Fällen und schon gar nicht dauerhaft. Die Schnäppchenjagd an der Börse kann ein teures Abenteuer sein, vor allem wenn sich vermeintliche Super-Geschäfte als Rohrkrepierer erweisen oder – schlimmer noch – die betreffende Aktie weiter fällt. Dann macht der Börsianer Bekanntschaft mit dem sprichwörtlichen „fallenden Messer“, in das Anleger nicht greifen sollten. Zu erkennen, wann das Messer am Boden liegt, der Tiefstpreis erreicht ist und ein echtes Schnäppchen lockt, ist schwierig.

Und selbst wenn es nicht um gefallene Börsenstars geht sondern schlichtweg um unterbewertete und damit verlockend günstige Papiere, ist der Kursgewinn keinesfalls programmiert. Im Gegenteil: Die Jagd nach günstigen Angeboten kann leicht schiefgehen. Vermögensverwalter Gottfried Heller warnt: „Ein Schnäppchen mit Aktien verhält sich zur Geldanlage wie ein Stück Sahnetorte zur gesunden Ernährung.“

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Experten können der Börsenweisheit viel abgewinnen. Sie stimme grundsätzlich, meint beispielsweise Matthias Kelm vom Luxemburger Vermögensverwalter Tareno. Der Anlage-Experte  ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Aber das Tortenstückchen schmeckt zumindest immer gut, das Aktienschnäppchen dagegen nur, wenn man recht hatte und mit Gewinn verkaufen kann. Sonst kann der Nachgeschmack ziemlich bitter werden.“

Was sich nach einem lustigen Sprüchlein anhört, beschreibt den Kern der Vermögensverwaltung, die bekanntlich Hellers Geschäft ist. Es geht um Diversifikation, also die Risikostreuung über viele Anlageklassen und Einzelanlagen, und um die Ausgewogenheit eines Portfolios. Und das beschreibt die Börsenweisheit trefflich: „Einer Hausfrau würde es nicht in den Sinn kommen, ihrer Familie Tag für Tag nur Kuchen und Sahnetorten zu servieren“, sagt Heller. „Sie weiß, dass zu einer gesunden Ernährung eine ausgewogene und vielseitige Kost gehört, die den Körper mit ausreichend Kalorien, Vitaminen und Ballaststoffen versorgt.“

Das Gleiche gilt auch für die finanzielle Gesundheit. „Dazu gehören nicht nur Geldwerte, wie Sparbuch, Festgeld und Festverzinsliche, sondern auch Sachwerte in Form von Aktien und Immobilien“, ergänzt der langjährige Partner von André Kostolany. Doch die Mehrzahl der Deutschen würden bei ihren Geldanlagen finanziell ungesund leben, weil sie sich einseitig mit Magerkost in Form von Zinsanlagen versorgen würde. Diejenigen, die doch auf Aktien setzen, jagen nur all zu oft vermeintlichen Schnäppchen hinterher – und das ist oft noch ungesünder.

Kommentare (6)

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Deutschland_Land_der_Verbrecher

26.02.2014, 12:48 Uhr

Wo war die "BAFIN"? Warum wird so eine AG nicht aus dem Handel genommen? In Deutschland werden 1000 sende von Aktien gehandelt um dass Geld der Kleinanleger abzuschöpfen und dann gepflegt in die Insolvenz zu gehen.
Das deutsche Recht lässt dass zu. Gesetze von Verbrechern für Verbrecher. Wann hört dass wohl auf? Nie, denn vom Betrug profitieren ganze Wirtschaftszweige wie Lebensversicherungen, Altersvorsorge, etc. Prokon, AWD, Postbank mit Schiffsfonds usw. usw. lässt grüßen.

Das Geld der Kleinanleger ist nicht weg, es befindet sich in den Händen der Verbrecher und die fahren Porsche, Daimler, Ferrari, etc..

Die Politik und die Justiz ist gekauft, wenn man sieht was hier für Strafen verhängt werden.

Die Täter haben einen guten Anwalt, bekommen warmes Essen und ein Dach überm Kopf. Die Kleinanleger sind ruiniert und nehmen sich häufig das Leben.

Danke Deutschland für die Verbrechen die Du begehst.

Deutschland_Land_der_Verbrecher

26.02.2014, 13:11 Uhr

Ich sag nur IVG

Beobachter

26.02.2014, 13:25 Uhr

Wenn man so blöd ist !!!!

Deppen sollten RTL gucken aber nicht an der Börse handeln bzw. sich Investoren "anvertrauen".

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