Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.09.2014

15:19 Uhr

Börsenweisheit

Ruhiger schlafen dank Anleihen? Von wegen!

VonJessica Schwarzer

Droht ein Crash am Anleihemarkt? Die Deutsche Bank sieht zumindest Anzeichen für eine Blase – und nicht nur sie. Anleger, die sich am Bondmarkt in Sicherheit wähnen, dürften bald nicht mehr ganz so gut schlafen.

Der Traum vieler Altersvorsorge-Sparer: Mischfonds-Manager erledigen die Anlage, die Sparer können sich ausruhen. Getty Images

Der Traum vieler Altersvorsorge-Sparer: Mischfonds-Manager erledigen die Anlage, die Sparer können sich ausruhen.

DüsseldorfVor nichts fürchten sich Börsianer mehr als vor einer Blase. Denn wenn sie platzt, gibt es einen schrecklichen Crash. So geschehen 2007/2008, als die Immobilienblase in den USA platzte und die Welt in die Finanzkrise schlidderte. Oder Anfang des Jahrtausends, als die Internetblase platzte und die Börsen in die Tiefe stürzten. Doch aktuell sind es nicht die Aktienmärkte, die heiß gelaufen sind. Die größte Gefahr sehen Experten derzeit am Anleihemarkt.

Blasen gehören zum Finanzmarkt wie Hausse und Baisse, wie Rekordstände und Seitwärtsbewegungen.  „Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten beobachten können, dass in der Weltwirtschaft eine Blase auf die nächste folgte, die Exzesse aber nie völlig aufgelöst wurden“, schreibt Jim Reid von der Deutschen Bank in einer aktuellen Studie.  Schuld ist die Politik, die die Überhitzung einzelner Anlageklassen begünstigt, ja sogar befeuert. Die jüngste Blase macht Reid an den Anleihemärkten aus. Allerdings erwartet der Experte nicht, dass sie zeitnah platzt.

Verhalten und Präferenzen deutscher Aktionäre

Entwicklung der Zahl der direkten Aktionäre in Deutschland

2013: 4.855 Millionen

2012: 4.534 Millionen

2011: 3.891 Millionen

Quelle: Deutsche Post DHL/Deutsches Aktieninstitut

Anlageziele der Aktionäre

Welche Bedeutung haben Anlageziele bei Aktionären?

Für 81 Prozent hat der langfristige Vermögensaufbau eine hohe Bedeutung.

67 Prozent stellen den Schutz vor Inflation in den Vordergrund.

Bei der Frage, welche Bedeutung das regelmäßige Einkommen aus Dividenden und Verkauf haben, gaben 44 Prozent an, dass es für sie sehr wichtig sei.

Lediglich 12 Prozent setzen ihre Priorität auf kurzfristige Gewinne.

Anteil des in Aktien investierten Vermögens

Wie viel Prozent des Vermögens legen Investoren in Aktien an (Durchschnittswert)?

2013: 26,8 Prozent

2008: 25,2 Prozent

2004: 23,9 Prozent

Bedeutung von Dividende und Aktienrückkauf

Wie beurteilen Anleger die Ausschüttungen durch Aktienrückkäufe im Verhältnis zu Dividendenzahlungen?

Gleich: 37 Prozent

Eher schlechter: 34 Prozent

Eher besser: 20 Prozent

Viel schlechter: sechs Prozent

Viel besser: drei Prozent

Bedeutung von Dividende und Kurssteigerungen

Würde die Rendite sich aus Kurssteigerungen und Dividendenzahlungen zusammensetzen, dann würden...

... 43 Prozent eine mittlere Dividende und mittlere Kurssteigerung bevorzugen;

... 33 Prozent eine hohe Dividende und eine geringe Kurssteigerung wählen;

... 13 Prozent eine geringe Dividende und eine hohe Kurssteigerung sich aussuchen.

Orientierung an fundamentalen bzw. technischen Daten

Woran orientieren sich Anleger beim Ankauf oder Verkauf von Aktien?

Sowohl an der wirtschaftlichen Entwicklung als auch an der Kursentwicklung: 60 Prozent

Eher an der Kursentwicklung: 16 Prozent

Eher an der wirtschaftlichen Tätigkeit: 14 Prozent

Ich treffe meine Entscheidungen nicht selbst, vertraue jemand anderem. Acht Prozent

Vertrauenswürdigkeit von Informationsquellen für Privatanleger

Anteil der Anleger, die auf Zeitungen, Zeitschriften und Wirtschaftssendungen vertrauen.

2013: 69 Prozent

2008: 65 Prozent

2004: 65 Prozent

Anteil der Anleger, die Beratern der Bank, Sparkasse oder Broker Vertrauen schenken.

2013: 39 Prozent

2008: 49 Prozent

200446 Prozent

Aber natürlich müssen sich Anleger mit den hohen Preisen und niedrigen Renditen der Papiere auseinandersetzen. In Zeiten, in denen Zinsen mehr oder weniger abgeschafft sind, und die Notenbanken rund um den Globus die Märkte mit billigem Geld fluten, ist es an der Zeit umzudenken. Risiko muss neu definiert werden.  Viele Regeln, die über Jahrzehnte gültig waren, müssen zumindest überdacht werden. Manche sind auch schlichtweg überholt.

Wie etwa die alte Börsenweisheit: „Besitzer von Zinspapieren schlafen gut. Aktionäre hingegen leben gut.“ Sie spielt auf die planbaren Erträge der Anleihen und höheren Chancen von Aktien – allerdings bei stärkeren Kursschwankungen – an. Experten sind sich allerdings einig, dass die Welt so einfach nicht mehr ist.  „Die Börsenregel ist ein Relikt aus 30 Jahren tendenziell fallender Zinsen“, sagt Anja Welz, Vorstand von Laureus Privat Finanz, der Vermögensverwaltung der genossenschaftlichen Sparda Bank West. „Inzwischen ist das Kurspotenzial am Anleihemarkt deutlich begrenzt und mögliche Kursverluste werden auch nicht mehr durch hohe Kupons abgefedert wie in der Vergangenheit.“

Früher habe diese Regel gestimmt, doch heute ist ihre Gültigkeit äußerst fragwürdig, meint auch Christoph Bruns, Mitinhaber der Fondsgesellschaft Loys. Die Aktienmärkten würden funktionieren wie eh und je, doch die Zinsmärkte würden seit Jahren von den Notenbanken manipuliert. „Damit ist die Funktionsweise der Anleihemärkte eingeschränkt, gehorchen sie doch den politischen Absichten der Zentralbanken“, sagt der Fondsmanager. Die Anleihemärkte seien überteuert, die Politik der Notenbanken „heiß gelaufen“. „Platzen kann die sichtlich spekulative Blase an den Anleihemärkten wohl erst dann, wenn die Zentralbanken ihre Nullzinspolitik aufgeben“, sagt er.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Frau Helga Trauen

12.09.2014, 16:12 Uhr

Ich kann nur sagen: schön weiter Papier kaufen! Einer muss schließlich die Party bezahlen...

Herr Peter Spiegel

12.09.2014, 16:27 Uhr

Auf dem Bild ist doch der Schlafmichel.

Herr Rainer Feiden

12.09.2014, 17:17 Uhr

Was war doch noch mal ein MARKT?
Das war doch so eine Veranstaltung, zu Zeiten des Kapitalismus, bevor wir in den Genuss des Wohlstandes auf Knopfdruck kamen, oder?

http://de.wikipedia.org/wiki/Markt#Marktbegriff_in_der_Wirtschaft

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×