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12.03.2012

17:16 Uhr

Bond-Emissionen

Mittelständler drücken neue Anleihen in den Markt

VonLaura de la Motte

Investoren reißen sich um Anleihen von Mittelständlern. Nach den erfolgreichen Anleihe-Emissionen von Seidensticker und Scholz drängen weitere Unternehmen an den Markt.

Hemden von Seidensticker: Der Hemdenhersteller begab im Februar 2012 eine eigene Anleihe. Pressefoto Seidensticker

Hemden von Seidensticker: Der Hemdenhersteller begab im Februar 2012 eine eigene Anleihe.

FrankfurtEs war ein fulminanter Start, der weiteren Mittelständlern Mut macht. Sowohl der Recycling-Spezialist Scholz als auch der Hemdenhersteller Seidensticker haben im Februar erstmals eigene Anleihen begeben. Beide Emissionen waren innerhalb eines Tages überzeichnet. Bereits im Vorfeld hatten Börsenbetreiber und Emissionsbegleiter gehofft, dass eine erfolgreiche Platzierung wichtige Impulse setzen würde. Sie hofften auf einen „Eisbrechereffekt“ für weitere Unternehmen, nachdem es in dem noch jungen Marktsegment seit Anfang November keine neuen Emissionen mehr gegeben hatte.

Nun scheint dieser positive Effekt tatsächlich einzutreten: Vier Unternehmen haben für die kommenden Wochen eigene Anleihen angekündigt. Mit Ausnahme des TecDax-Konzerns Singulus sind es nun allerdings eher unbekannte Namen. An ihnen wird sich zeigen, ob das Interesse der Investoren an Mittelstandsanleihen tatsächlich zurückgekehrt ist. „Wenn der Markt so aufnahmebereit ist wie vor der Krise, könnten wir in diesem Jahr 20 Emissionen sehen“, sagt Kommunikationsberater Wolfgang Blättchen.

Singulus produziert Anlagen für CDs, DVDs und Blu-Ray-Discs. dpa

Singulus produziert Anlagen für CDs, DVDs und Blu-Ray-Discs.

>>Singulus

Am 12. März hat die Zeichnungsfrist für Singulus über die Börse Frankfurt begonnen. Investoren reißen sich um die Anleihe des Spezialmaschinenbauers. Wegen des großen Andrangs seien die Bücher am Nachmittag geschlossen worden, teilte das Unternehmen. Singulus treibt damit 60 Millionen Euro auf und bezahlt dafür für fünf Jahre 7,75 Prozent Zinsen. Singulus-Chef Stefan Rinck hatte sich dafür entschieden, seine Firma über eine Anleihe zu finanzieren, weil ihm die Bankkonditionen zu unattraktiv erschienen.

Da Singulus im Prime Standard notiert ist, verlangt die Börse Frankfurt kein Rating. „Durch seine Börsenpräsenz hat Singulus bereits ein hohes Maß an Transparenz“, sagt Roger Peeters von Close Brothers Seydler, die die Emission begleiten. Im Gegensatz zu Mittelständlern, die sich erstmals an den Kapitalmarkt wagen, liegen für Singulus Quartalsberichte der vergangenen 14 Jahre vor.

Singulus stellt Produktionsanlagen für CDs, DVDs und Blu-Ray-Discs her und ist dort neben Sony der zweite große Spieler im Markt. Ein Drittel des Umsatzes wird zudem mit Solaranlagen erzielt, eine Branche, die zuletzt stark unter Druck kam. Die Anleihe soll Investitionen und Akquisitionen im Bereich Solar ermöglichen, außerdem sollen die Blu-Ray-Anlagen weiterentwickelt werden.

Singulus hat umfassende Restrukturierungsmaßnahmen hinter sich. Die Eigenkapitalquote liegt bei sehr guten 70 Prozent, der Zinsdeckungsgrad bei hohen 5,4 und die Verschuldungsrelation bei sehr niedrigen 1,5.

Die Emission ist bereits die dritte in Deutschland in Folge, bei der Anleger den Emittenten regelrecht mit Geld überschütten. Der Baumaschinenhersteller Wacker Neuson und der Stahlzulieferer SKW Metallurgie hatten die Rahmen ihrer Schuldscheindarlehen wegen der hohen Nachfrage zuletzt aufgestockt. Weitere Emissionen stehen bereits in den Startlöchern.

Kommentare (1)

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13.03.2012, 08:50 Uhr

70% EK-Quote, gute Zahlen und 7,75% erscheinen ihm attraktiver als die Bankkonditionen?

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