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01.02.2013

09:44 Uhr

Bondkönig

Bill Gross warnt vor „Supernova-Kreditexplosion“

Der Manager des weltgrößten Anleihefonds rechnet mit Inflation. Bill Gross, Spitzname „Bondkönig“, rät Anlegern, sich darauf vorzubereiten - und gibt konkrete Tipps.

Pimco-Chef Bill Gross in seiner Firma in Newport Beach. action press

Pimco-Chef Bill Gross in seiner Firma in Newport Beach.

Bill Gross, Manager des weltgrößten Anleihefonds, warnt vor zunehmenden Risiken auf den Kreditmärkten. „Der Countdown beginnt, wenn die investierbaren Anlagen zu viel Risiko für zu wenig Rendite darstellen“, schrieb Gross, Spitzname „Bondkönig“, in seinem monatlichen Investmentausblick, der am Donnerstag auf der Website von Pacific Investment Management (Pimco) veröffentlicht wurde.

Mit inflationsgeschützten US-Staatsanleihen sollten sich Investoren gegen mögliche Inflation wappnen, denn „die Endphase einer Supernova-Kreditexplosion“ werde wahrscheinlich mehr Inflation als Wachstum hervorbringen, so Gross. Er wiederholte seine Einschätzung, dass Australien, Brasilien, Mexiko und Kanada attraktive Märkte seien.

Triebfedern für die Inflation

Die Inflation kommt

„Das Inflationsgespenst kehrt zurück“, schreibt Gottfried Heller in seinem Buch „Der einfache Weg zum Wohlstand“ und nennt sechs Triebfedern, die die Inflation verstärken.

1. Geldflut der Notenbanken

Seit mehr als einem halben Jahrzehnt sorgen die Notenbanken der USA, der Euro-Zone, Großbritannien und Japan im Kampf gegen die Banken- und Schuldenkrise für sehr hohe Liquidität.

2. Nebenwirkung der Überdosis Geld

Sobald die Konjunktur anzieht, zeigt sich eine Nebenwirkung der Geldflut: Rohstoffe wie Kupfer, Öl, Weizen und Mais werden teurer. Das lässt auch die Lebenshaltungskosten steigen.

3. Staatsverschuldung der Industrieländer

Inflation hilft den Regierungen beim Tilgen ihrer Schulden. Bei der Entschuldung profitiert der Staat also von der Inflation.

4. Preissteigerungen in den Schwellenländern

Längerfristig ist es unausweichlich, dass die Preise in den Schwellenländern, insbesondere China und Indien, steigen. Durch Importe aus diesen Ländern steigt auch die Teuerungsrate in den Industriestaaten.

5. Der Euro

Die Wachstums- und Kostentrends in den Süd- und Nordländern des Währungsraums sind sehr unterschiedlich. Das steigert die Inflation.

6. Höhere Löhne

Steigt die Inflationsrate, verlangen auch die Gewerkschaften höhere Löhne. Das führt zu zusätzlicher Verteuerung.

Als Risiko für die Preisstabilität betrachtet der Manager der Allianz-Tochter die Geld- und Fiskalpolitik, insbesondere in Amerika. Die US-Notenbank Fed hat mehrere Programme zur Ausweitung der Geldmenge aufgelegt, die sogenannte quantitative geldpolitische Lockerung (QE). „Schlussendlich werden staatliche Finanzierungs-Systeme wie das heutige QE (…) schlecht enden”, schrieb der Manager.

Was aus 1.000 Euro in zehn Jahren wurde

Deutscher Aktienindex (Dax)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren: +88,8 Prozent (ohne Dividenden)

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.888 Euro

Dow Jones

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +52,7 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.527 Euro

EuroStoxx 50

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +31,3 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.313 Euro

Nikkei

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,1 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1101 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai B-Index)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,3 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.103 Euro

MSCI Emerging Markets

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +228 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.285 Euro

Gold

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +314 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 4.142 Euro

Silber

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +428 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 5.275 Euro

Öl

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +221 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.205 Euro

Weizen

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +92 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.916 Euro

Kaffee

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +151 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 2.509 Euro

Staatsanleihen (Rexp)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +67 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.666 Euro

Unternehmensanleihen (Citigroup World BIG Corporate Index)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +56 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.559 Euro

Sparbuch

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.095,90 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 0,92 Prozent (Spareckzins)

Tagesgeld

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.209 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 1,92 Prozent

Festgeld

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.266 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 2,39 Prozent

Die Ausweitung der Bilanz bei den sechs größten Zentralbanken der Welt seit Anfang 2009 „zeigt sich in der Form von Inflation und der Entwertung von Währungen - entweder in Relation zueinander oder zu Rohstoffen” wie Öl oder Gold, erklärte der Anleihen-Experte.

Investoren sollten länger laufende Anleihen vermeiden und stattdessen zu kurz- bis mittelfristigen Papieren greifen, die von den Zentralbank-Aktionen eher profitieren dürften.

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Kommentare (10)

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Leser

01.02.2013, 10:30 Uhr

Nicht gegen Herrn Bill Gross, gute Analysen und fundierte Meinungen (auch wenn man sie nicht teilt). Aber langsam geht einem die Panikmache des Herrn auf den Geist - bekommt er zu wenig Aufmerksamkeit?

Der_Knall_kommt

01.02.2013, 10:58 Uhr

Zitat aus Deutsche Wirtschaftsnachrichten vom 01.02.2013:

Deutsche Bank, Monte dei Paschi und Santander melden Milliarden-Verluste: Noch sind es nur einstellige Milliarden-Beträge, die zu beklagen sind. Tatsächlich sehen wir hier die ersten Explosionen im Umfeld einer gigantischen Derivaten-Bombe, die das Weltfinanz-System bedroht. Und heute auch noch Credit Agricole mit Rekordverlust in ihrer Bilanz.
Wen interessiern da schon die heute anstehenden US-Wirtschaftsdaten, es geht um viel größeres!

Andreas

01.02.2013, 11:09 Uhr

Wo ist hier das Problem? Wenn die Crédit Agricole zig Milliarden Verluste macht, überweist Mutti einfach die dreifache Summe deutscher Steuergelder nach Paris, und das Thema ist erledigt.

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