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24.11.2011

15:38 Uhr

Bondmarkt

DWS warnt vor Niedergang des Anleihesektors

Ein führender Anlagestratege der Deutsche Bank-Tochter sieht die misslungene Kreditaufnahme Deutschlands als Beleg einer Systemkrise. Ohne eine Lösung der Schuldenkrise bekämen die Staaten massive Finanzierungsprobleme.

Das Firmengebäude von DWS Investments. PR

Das Firmengebäude von DWS Investments.

FrankfurtDie Fondsgesellschaft DWS warnt in der europäischen Schuldenkrise eindringlich vor einem Zusammenbruch des Staatsanleihen-Marktes. „Seit dieser Woche wissen wir: Das System kann sich nicht mehr selbst stabilisieren“, sagte der Chef-Anlagestratege (CIO) der Deutsche-Bank-Tochter, Asoka Wöhrmann, am Donnerstag in Frankfurt. Er nahm damit Bezug auf die überraschend schwache Nachfrage nach neuen zehnjährigen Bundesanleihen am Vortag, um die sich die Anleger in den vergangenen Monaten wegen des Bonitätssiegels „AAA“ noch gerissen hatten. Dass viele Investoren zum Jahresende ihre Bücher zumachten, sei keine Entschuldigung für die verpatzte Emission. Vielmehr erhöhe der Markt den Druck auf die Politik, eine nachhaltige Lösung für die Schuldenkrise zu finden, warnte Wöhrmann.

„Die Dynamik überholt uns. Wenn wir länger warten, gibt es nicht nur einen Jahresend-Shutdown bei Staatsanleihen, sondern einen Shutdown für die kommenden Monate.“ Nach Wöhrmanns Worten müssen sich die Staaten ernsthaft fragen, von wem sie künftig noch Geld bekommen. Nicht nur die Banken gingen in einen Käuferstreik über, auch Vermögensverwalter und Versicherer zögen sich mehr und mehr zurück. Die Anlageklasse sei einfach nicht mehr risikofrei: „Selbst Italien ist ja schon toxisch“, betonte Wöhrmann, der auch Mitglied der DWS-Geschäftsführung ist.

Die DWS selbst hat Bundesanleihen in ihren Portfolios zwar immer noch übergewichtet, wie Fondsmanager Stefan Kreuzkamp sagte, der das Europageschäft mit festverzinslichen Anleihen verantwortet. Das geschehe allerdings eher aus Mangel an Alternativen. „Es muss jetzt schnell eine Lösung her, jeden Tag nimmt der Stress im System zu.“ Erst wenn sich ein tragfähiger Ausweg aus der Schuldenmisere abzeichne, werde er wieder in die Peripheriestaaten umschichten. Das könne dann aber sehr schnell gehen, um Renditen mitzunehmen.

Mit einem verwalteten Vermögen von 130 Milliarden Euro allein in Deutschland ist die DWS Marktführerin im Publikumsfondsgeschäft hierzulande, in Europa zählt sie mit zu den größten Spielern. Der europäischen Politik rät CIO Wöhrmann, die Europäische Zentralbank (EZB) nicht als dauerhaften Risikomanager zu missbrauchen, sondern - wie von Deutschland propagiert - eine Fiskalunion mit strikter Haushaltsdisziplin anzustreben. Die EZB könne mit ihren Staatsanleihe-Käufen eine „Brückenfunktion“ übernehmen, aber mehr nicht. „Man muss wissen, wo man hinläuft.“ Euro-Bonds zum jetzigen Zeitpunkt seien das falsche Mittel, denn sie „verkleisterten“ die Probleme in den Schuldenstaaten.

Von

rtr

Kommentare (4)

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www.steuerembargo.co.de

24.11.2011, 16:46 Uhr

„Die Dynamik überholt uns. Wenn wir länger warten, gibt es nicht nur einen Jahresend-Shutdown bei Staatsanleihen, sondern einen Shutdown für die kommenden Monate.“

Na, ist das nicht die erste positive Nachricht seit Monaten?

Mazi

24.11.2011, 17:22 Uhr

Der Markt spekuliert bereits darauf, dass Frau Merkel (und das scheint ja die alleinige Bundesregierung zu sein) Eurobonds zustimmt und in naher Zukunft Deutschland bereit ist deutlich höhere Zinsen zu zahlen.

Die andere Variante ist, dass die Anleger nicht mehr bereit sind, Staatsanleihen in ihre Bücher zu nehmen. Dann wird es auch für Deutschland noch kritischer.

Wie es auch ist, die inkompetente Handlungsweise hat Deutschlands Refinanzierung offensichtlich sehr geschadet. Es geht nicht mehr darum, was unternommen wird sondern wer etwas unternimmt. Und das bedeutet, dass kurzfristig auch in Deutschland hohe Köpfe "rollen" müssen. Da Frau Merkel die Bundesregierung alleinig repräsentiert, ist die Frage nach der Verantwortung bereits beantwortet.

Diesen Zirkus hält eine Bundesregierung nicht lange durch. Es dauert zwar in der Regel länger als man glaubt, aber Weihnachten und Jahreswechsel sind markante Daten, die sich anbieten.

Observer

24.11.2011, 17:58 Uhr

Ich empfehle dazu mal die aktuellen Highlights auf folgender Seite zu lesen; http://steuerembargo.co.de

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