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20.03.2006

13:30 Uhr

Bonds

Investoren verlangen Schutz

VonAndrea Cünnen

Unternehmen und Investmentbanken als Konsortialführer neuer Firmenbonds müssen umdenken. Investoren wie Fonds und Versicherer pochen bei neuen Bonds verstärkt auf Schutzklauseln. Mit Erfolg: Immer mehr Unternehmen legen bei neuen Anleihen fest, dass Investoren vorzeitig den Nennwert von 100 Prozent zurückbekommen, wenn die Firma übernommen wird und die Ratings deshalb in den Junkbereich abrutschen. Solche Ratingherabstufungen lassen die Bondkurse meist einbrechen.

FRANKFURT. In dieser Woche wird der Schweizer Spezialchemiekonzern Clariant eine Anleihe mit Rückgaberecht begeben. Ähnliche Bonds gab es in diesem Jahr unter anderem vom Telekomkonzern KPN, dem Satellitenbetreiber SES Global, dem Nutzfahrzeughersteller Scania, dem Papierhersteller Svenska Cellulosa und dem Chiphersteller ST Microelectronics. „Viele Investoren fragen in jüngster Zeit nach den so genannten Change-of-Control-Klauseln“, sagt Geert Vinken, Leiter des Anleihesyndikats bei Barclays Capital in London. Gerade Firmen, die als Kandidaten für eine Akquisition oder eine kreditfinanzierte Übernahme (Leveraged Buy-out, LBO) gelten, kämen ohne Anlegerschutz kaum noch aus.

„Solche Risiken können wir als Investoren unmöglich vorab abschätzen, deshalb ist die Absicherung für uns wichtig“, betont Peter Walburg, der bei der DWS das globale Anleihe-Research leitet. „Deshalb müssen wir als Bondinvestoren unsere Macht nutzen und Schutzklauseln verlangen“, sagt auch Patrick Hendrikx vom britischen Asset Manager F&C.

Eindrucksvoll demonstrierten Anleger ihre Macht beim britischen Flughafenbetreiber BAA. Der hatte Anfang Februar große Anleihen in Euro und Pfund Sterling platziert. Eine Woche später machte der spanische Baukonzern Ferrovial ein feindliches Übernahmeangebot für BAA. Ferrovial hat im Gegensatz zu BAA kein Rating. Nach harten Verhandlungen mit den Investoren fügte BAA nachträglich eine Rückkaufklausel ein. „BAA hat erkannt, dass das nötig ist, um auch künftig genügend Investoren für neue Anleihen zu finden“, erklärt Hendrikx.

Den ersten kollektiven Ruf der Investoren nach mehr Schutz gab es schon im Herbst 2003. Damals gründete sich die „Group of 26“ – ein loser Zusammenschluss von 26 Fondshäusern. Daraus hat sich eine intensive Zusammenarbeit unter diversen Investoren-Dachverbänden ergeben, die regelmäßig mit Unternehmen und Investmentbanken diskutieren. „Viele Emittenten verstehen, dass es ihnen bei der langfristigen Refinanzierung hilft, mehr auf die Bondanleger einzugehen“, sagt Walburg.

Doch es gibt auch Ausnahmen. Vergangene Woche platzierte die britische Supermarktkette Tesco Anleihen in Pfund und Euro. Die Euro-Tranche hat keine Schutzklausel, weil sie wesentlich früher als die Pfund-Tranchen fällig wird. Die Emission war zwar überzeichnet, aber die Ungleichbehandlung ärgerte viele Investoren. Investmentbanker Vinken ist dennoch nicht sicher, ob sich die Investoren mit ihren Forderungen dauerhaft durchsetzen können. „Es wird wohl stets Anleger geben, die Bonds auch ohne Schutzklausel kaufen, und es können wieder Zeiten kommen, in denen das Thema nicht mehr so stark im Fokus steht.“

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