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29.05.2012

12:47 Uhr

Bonds

Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf Rekordtief

Die Schuldenkrise macht Anleger weiterhin nervös. Rendite ist ihnen offenbar egal, Hauptsache das Geld ist sicher. Die Kurse von zehnjährigen Bundesanleihen sind zeitweise auf ein Rekordtief gefallen.

Großer Andrang: Bundesanleihen sind, wie immer in Krisenzeiten, sehr gefragt. dpa

Großer Andrang: Bundesanleihen sind, wie immer in Krisenzeiten, sehr gefragt.

FrankfurtEtwas höher tendierten am Dienstag die Kurse von US-Treasuries und Bundesanleihen. Zehnjährige US- Bonds rentierten bei 1,72 Prozent zwei Basispunkte niedriger. Die Rendite von Bundesanleihen gleicher Laufzeit fiel zeitweise auf das Rekordtief von 1,347 Prozent. Am Terminmarkt erreichte der Bund-Future ein Rekordhoch von 144,56 Prozent.

Rückenwind erhielten die Kurse der Bundesanleihen durch die Besorgnis um eine Verschärfung der Schuldenkrise im Euroraum. Am Markt wurde spekuliert, dass spanische Banken Hilfsgelder benötigen werden.

Das Augenmerk des Marktes richtet sich auf im Tagesverlauf anstehende Inflationsdaten aus Deutschland. Die harmonisierte Teuerungsrate belief sich den Schätzungen von Ökonomen zufolge auf annualisiert 2,2 Prozent und wäre damit unverändert zum April.

Am Primärmarkt nahm Italien 8,5 Mrd. Euro über Schatzwechsel mit 183 Tagen Laufzeit auf, das angestrebte Maximalvolumen. Jedoch musste das Land höhere Fremdkapitalkosten hinnehmen. Die Emissionsrendite stieg auf 2,104 Prozent, verglichen mit 1,772 Prozent bei der letzten Auktion von Papieren in dieser Laufzeit. Die Rendite von zehnjährigen italienischen Anleihen war bei 5,71 Prozent kaum verändert.

Frankreich kommt im Tagesverlauf mit drei Papieren mit Laufzeiten von 91 bis 364 Tagen im Gesamtvolumen von acht Mrd. Euro an den Markt.

Folgen einer Staatspleite für Gläubiger

Wie hoch waren die Verluste privater Gläubiger bei Staatspleiten?

Die Rating-Agentur Moody's hat 13 staatliche Zahlungsausfälle zwischen 1998 und 2008 untersucht. Danach mussten die Gläubiger 30 Tage nach dem Zahlungsverzug einen durchschnittlichen Abschlag von rund 50 Prozent hinnehmen.

Der Zahlungsausfall schwankte in den einzelnen Ländern aber stark. Gläubiger der Dominikanischen Republik kamen mit einem Minus von fünf Prozent noch glimpflich davon. Für Zeichner russischer Anleihen lag der Verlust mit 82 Prozent um ein Vielfaches höher.

Wurden ausländische Gläubiger benachteiligt?

Grundsätzlich werden ausländische Investoren nicht schlechter behandelt als einheimische Gläubiger. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Allerdings gibt es auch hier keine Regeln ohne Ausnahmen: Sowohl die Ukraine als auch Russland räumten den einheimischen Investoren „deutlich bessere Deals“ ein.

Wie schnell erholen sich Länder von einer Staatspleite?

„Sowohl die russische als auch die argentinische Wirtschaft konnten die Krise relativ schnell überwinden, profitierten dabei aber von außergewöhnlich günstigen Rahmenbedingungen“, heißt es in einer Commerzbank-Studie. In Russland brach die Wirtschaftsleistung im Krisenjahr 1998 um rund 5,5 Prozent ein, ehe sie in den Folgejahren wegen des Rohstoffbooms um durchschnittlich etwa sieben Prozent wuchs.

Auch Argentinien erholte sich dank der steigenden Rohstoffnachfrage rasch. „Anleger sollten diese Erfolge daher nicht bedenkenlos auf andere Länder übertragen“, warnen die Experten der Commerzbank.

Sind Hilfen des IWF eine Garantie gegen Staatspleiten?

Neben den Euro-Ländern hilft auch der IWF mit Geldern aus: Sowohl in Griechenland als auch in Irland ist der erfahrende Krisenhelfer mit im Boot. Aber auch IWF-Hilfen waren in der Vergangenheit keine Garantie gegen Staatspleiten, wie das Beispiel Russland zeigt.

IWF und Weltbank sagten dem vor dem finanziellen Kollaps stehenden Land im Krisenjahr 1998 Hilfen von 22,6 Milliarden Dollar zu. Dennoch bediente der Staat ab August 1998 seine Schulden nicht mehr.

Was passiert, wenn IWF-Auflagen missachtet werden?

Bedingung für IWF-Hilfen sind strenge Auflagen, die aber nicht immer eingehalten werden. Der IWF schnürte 2000/2001 mehrere Hilfspakete für Argentinien - er erhöhte die Kreditlinien, organisierte Kreditzusagen der Weltbank und der spanischen Regierung.

Die Regierung aber sparte nicht wie vereinbart, sondern fuhr ihre Ausgaben im Kampf gegen die Wirtschaftskrise sogar hoch. Argentinien verfehlte damit die mit dem IWF vereinbarten Haushaltsziele.

Der Fonds setzte deshalb im Dezember 2001 die Zahlungen aus. Am 3. Januar 2002 konnte Argentinien seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen.

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