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03.07.2013

11:04 Uhr

Bonds

Versicherer jagen Unternehmensanleihen

Seitdem die Europäische Zentralbank den Leitzins auf ein Rekordtief von 0,5 Prozent gesenkt hat, lechzen die Versicherer nach profitablen Anlagen. Die meisten stillen ihren Renditehunger mit Unternehmensanleihen.

Im Strudel des sinkenden Leitzinses geraten Versicherer immer mehr in Bedrängnis. Sie suchen bei Unternehmen nach renditeträchtigen Anlagen. dapd

Im Strudel des sinkenden Leitzinses geraten Versicherer immer mehr in Bedrängnis. Sie suchen bei Unternehmen nach renditeträchtigen Anlagen.

Angesichts rekordniedriger Zinsen in Europa setzen Versicherer und Rückversicherer immer stärker auf Unternehmensanleihen und Infrastrukturkredite. Laut Bloomberg-Daten haben die drei größten französischen Lebensversicherer Axa, CNP Assurances und Credit Agricole im vergangenen Jahr rund 25 Milliarden Euro in Unternehmensanleihen außerhalb des Finanzsektors umgeschichtet. Auf der Suche nach Rendite stecken auch die beiden weltgrößten Rückversicherer Munich Re und Swiss Re immer mehr Geld in solche Investments.

„Dieser Trend nimmt zu“, sagt Eric Vanpoucke von Financiere Meeschaert in Paris, die Anteile von Axa, Allianz und Swiss Re halten. Die Solvabilitätsvorschriften für Versicherer bevorzugten Anleihen gegenüber Aktien, so der Fondsmanager.

Versicherer, die Prämieneinnahmen investieren, um Versicherungsansprüche erfüllen zu können, sind traditionell große Käufer von Staatsanleihen. Da deren Renditen auf Allzeittiefs abgestürzt sind, lenken die Institute immer größere Summen in Unternehmensanleihen und Infrastrukturkredite.

Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen erreichte im Mai ein Rekordtief von 1,659 Prozent, die entsprechender deutscher Papiere stürzte auf 1,165 Prozent, nahe dem Juli-Rekordtief von 1,127 Prozent. Auch wenn die Renditen seitdem wieder angezogen haben, liegen sie noch immer bei weniger als der Hälfte ihrer Höchststände, seit es den Euro gibt. Im Mai senkte die Europäische Zentralbank ihren Leitzins auf ein Allzeittief von 0,5 Prozent.

Die umstrittenen Staatsanleihen-Kaufprogramme der EZB

10. Mai 2010

Als die Schuldenkrise zum ersten Mal in Griechenland eskaliert, beschließt der EZB-Rat den Kauf von Staatsanleihen überschuldeter Euro-Länder. Damit wirft die EZB erstmals in ihrer Geschichte de facto die Notenpresse an, um Krisenländern zu helfen und das politische Projekt der Gemeinschaftswährung nicht zu gefährden. In der Folge kauft sie für mehr als 200 Milliarden Euro Papiere von Griechenland, Irland und Portugal.

8. August 2011

Die EZB dehnt unter dem Druck der sich verschärfenden Schuldenkrise ihre Staatsanleihen-Käufe auf Spanien und Italien aus. Zudem wird bekannt, dass der damalige Notenbankchef Jean-Claude Trichet Briefe an die Regierungschefs dieser Länder, Silvio Berlusconi und Jose Luis Zapatero, geschrieben hat, in denen er ihnen Ratschläge für eine nachhaltige Finanzpolitik und Haushaltsführung erteilt. Der Brief an Berlusconi, den auch Trichets designierter Nachfolger - Italiens Notenbankchef Mario Draghi - unterzeichnet, wird zum Politikum.

2. August 2012

Draghi, mittlerweile EZB-Präsident, kündigt angesichts der immer weiter eskalierenden Krise ein neues Anleihen-Kaufprogramm an. Wenige Tage zuvor hatte er in London völlig überraschend erklärt, die EZB werde alles tun, um den Euro zu retten. Heftiger Widerspruch kommt von Bundesbank-Chef Jens Weidmann.

6. September 2012

Der EZB-Rat beschließt das von Draghi einen Monat zuvor angekündigte Anleihe-Kaufprogramm OMT (Outright Monetary Transactions). Es ist an Bedingungen geknüpft, etwa dass ein Land, um in den Genuss der Hilfe durch die Notenpresse zu kommen, unter den permanenten Euro-Rettungsschirm ESM schlüpfen muss. Im Gegenzug erklärt sich die EZB bereit, theoretisch unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen. Begründet wird das Programm, das im EZB-Rat gegen den Widerstand Weidmanns durchgesetzt wurde, mit einer Störung der Geldpolitik in den 17 Euro-Ländern.

12. September 2012

Das Bundesverfassungsgericht gibt in einem Eilverfahren grünes Licht für den ESM. Das Gericht kündigt zudem an, bei der Hauptverhandlung auch die Rettungspolitik der EZB unter die Lupe zu nehmen - und damit vor allem das Anleihe-Kaufpogramm OMT.

Niedrige Zinsen sind für Versicherer das größte Risiko, danach folgt die Verschuldung von Staaten und Finanzinstituten, meldete die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung EIOPA am 12. Juni.

Die meisten Versicherungsmärkte zeigen ein „zunehmendes Rendite-Such-Verhalten”, heißt es in dem Finanzstabilitätsbericht der EIOPA zur Jahresmitte. „Es ist klar, dass angesichts des sich verschlechternden makroökonomischen Umfelds die Wahrscheinlichkeit einer verlängerten Periode niedriger Zinsen zunimmt.”

Munich Re erklärte bei der Vorstellung ihres Jahresabschlusses im März, dass sinkende Zinsen Auswirkungen auf die Rendite von Reinvestitionen hätten. Um diesem Trend entgegenzuwirken, wende sich das Institut Unternehmensanleihen und strukturierten Kreditprodukten zu.

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