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18.10.2011

16:39 Uhr

Bonität gefährdet

Investoren setzen Frankreich unter Druck

Nach der negativen Einschätzung der Ratingagentur Moody's reagieren die Märkte: Die Risikoaufschläge für französische Staatsanleihen steigen auf den höchsten Wert seit 16 Jahren. Der Euro gibt nach.

Der Eiffelturm in Paris: Frankreichs Bonität wackelt. dpa

Der Eiffelturm in Paris: Frankreichs Bonität wackelt.

Frankreichs Spitzenbonität wackelt - und die Anleger zittern mit. Am Rentenmarkt waren die Auswirkungen der Warnung von Moody's deutlich zu spüren. Die Rendite französischer Staatsanleihen kletterte in der Spitze auf 3,185 Prozent nach 3,059 Prozent am Montag.

Vergleichbare deutsche Papiere fielen in der Spitze unter zwei Prozent. Damit weitete sich der Rendite-Abstand zu deutschen Papieren weitete sich auf mehr als 100 Basispunkte aus - der höchste Risikoaufschlag seit 16 Jahren.

Auch die Kosten für die Kreditausfallversicherung zogen an: Fünfjährige Swaps zur Versicherung von zehn Millionen Euro an französischen Staatsanleihen verteuerten sich um 80.000 auf 192.000 Euro.

Sowohl wirtschaftliche als auch fiskalische Reformen seien entscheidend, damit Frankreichs Bestnote „AAA“ auch weiterhin mit einem stabilen Ausblick versehen werden könne, warnte Moody's. Sollten die Belastungen etwa durch Hilfen für die heimischen Banken oder andere Euro-Zonen-Länder die Staatsfinanzen zu stark belasten, werde der Ausblick binnen drei Monaten auf „negativ“ gesetzt, kündigte die Ratinagentur an.

„Solche Nachrichten sind Nadelstiche, die bei den krisengeplagten Anlegern für zusätzliches Unwohlsein sorgen“, sagte Sebastian Sachs, Analyst bei der Metzler Bank. „Sollte Frankreich sein Triple-A-Rating tatsächlich verlieren, wäre das ein Riesenschock für die Märkte.“

Eine schlechtere Bonität Frankreichs könnte Experten zufolge auch den Beitrag des Landes zum neuen EU-Rettungsschirm EFSF in Gefahr bringen. Die Frage wäre, wie es dann mit dem Rettungsschirm weitergehe und ob Deutschland letztlich womöglich als Alleinzahler da stehe, sagte Sachs. Deutschland und Frankreich sind das Rückgrat des 440 Milliarden Euro schweren EFSF-Rettungstopfes und arbeiten derzeit mit Hochdruck an Schritten zur Krisenlösung.

Kommentare (21)

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Klaus

18.10.2011, 17:06 Uhr

Erst werden Griechenland, Portugal, Irland, Spanien, Italien herabgestuft und die anderen Euroländer aufgefordert, zu helfen.
Mit der Hilfe sind Bürgschaften und Kredite verbunden.

Dann kommen die Banken, die die herabgestuften Länder (mit-)finanziert haben. Auch sie werden herabgestuft oder auf negativ gestellt.

Dann kommen die Länder, die den Banken helfen (müssen).
Das führt natürlich zu neuen Schulden in den Ländern.

Dann werden die rettenden Länder herabgestuft, mit der Folge, daß auch ihre Kredite teurer und die Schulden höher werden.

Das führt natürlich bei den Banken ...... ach ja, das hatten wir schon mal, siehe oben.

Irgendwann hat dann Euroland den Status CCC und alle fragen sich, wie das denn passieren konnte.

Es gibt doch kein Perpetuum mobile oder doch ???

Ach ja, und dann fällt mir noch ein, daß Deutschland ja von einem Herrn, namens Geithner, seines Zeichens oberster Schuldenherr der USA aufgefordert wurde, mehr Geld in die Hand zu nehmen.

Das führt natürlich zu noch mehr Schulden.....

Mir wird schwindelig....

Wem nutzt das tolle Verhalten der Ratingagenturen?
Bestimmt nicht dem Dollar oder doch ?

Stefan

18.10.2011, 17:37 Uhr

Es ist nicht mehr zu übersehen, dass die in den USA sitzenden Ratingagenturen gezielt gegen die Eurozone und den Euro Politik machen. Diese Agenturen sind nicht unabhängig, sondern gehören privaten Großinvestoren. Und auch die Politik mischt mit.

Die USA haben eine Verschuldung von 100 % des BIP, eine Neuverschuldung von ca. 11 % und schieben einen Reformstau vor sich her, weil sich Demokraten und Republikaner aus wahltaktischen Gründen seit Monaten blockieren. Obama kann sich so nicht durchsetzen.
Wäre ein Land in der Eurozone in dieser Situation wie die USA, dann kämen die Ratingagenturen aus Abstufungen garnicht mehr heraus.
Die Eurozone hat übrigens eine Verschuldung von ca. 85 % und eine Neuverschuldung von nur 4,5 %.

S & P hatte, als es eigentlich garnicht mehr anders ging, zumindest den Mut, die USA von ihrem AAA wenigstens eine Stufe abzuwerten. Kurze Zeit später musste der Chef von
S & P seinen Hut nehmen, was angeblich nichts mit dieser Herabstufung der USA zu tun hat. Selten so gelacht!

Den reformwilligen Ländern der Eurozone werfen die Ratingagenturen immer dann Knüppel zwischen die Beine, wenn sie Reformen auf den Weg bringen. Sie honorieren Reformen also nicht, sondern erschweren sie, wie man an den Beispielen Portugal und Spanien sehen konnte.
Es war absehbar, dass als nächstes Frankreich dran ist.

Das alles ist doch ein abgekartetes und durchschaubares Spiel. Einige Experten in Deutschland haben das längst durchschaut, aber bei weitem noch nicht alle.

marinero

18.10.2011, 17:39 Uhr

So fällt ein Dominostein nach dem anderen......

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