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05.07.2013

20:34 Uhr

Bonität

S&P droht Portugal mit Abstufung

Wegen der politischen Unsicherheit in Portugal, droht Standard & Poor's mit einer Herabstufung der Bonität. Die Note befindet sich derzeit im Ramschbereich. Der Finanz- und Außenminister Portugals waren zurückgetreten.

Am Freitag erklärte Regierungschef Pedro Passos Coelho das Ende der Regierungskrise ap

Am Freitag erklärte Regierungschef Pedro Passos Coelho das Ende der Regierungskrise

LondonDie Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) droht Portugal wegen der zuletzt gestiegenen politischen Unsicherheit mit einer Herabstufung der Bonität. Der Ausblick für das Rating wurde von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt, wie S&P am Freitag in London mitteilte. Die Kreditwürdigkeit des Landes wird jedoch weiter mit der Note „BB“ bewertet.

Die Note befindet sich damit weiter im Ramschbereich und ist zwei Stufen vom sogenannten Investmentstatus entfernt. Erst am 7. März hatte S&P den Ausblick auf stabil angehoben. Die Wahrscheinlichkeit für eine Herabstufung in den nächsten zwölf Monaten beziffert S&P auf eins zu drei.

Die Ratingagentur begründete ihre Drohung mit der Regierungskrise in Portugal. Die wachsende politische Unsicherheit könne die vollständige Rückkehr an die Kapitalmärkte erschweren und damit auch auch den Ausstieg aus dem Hilfsprogramm der Geldgeber-Troika. Es könne zu einer Herabstufung kommen, falls die Haushaltskonsolidierung sich verlangsame und die finanzielle Unterstützung durch die Eurozone und den Internationalen Währungsfonds (IWF) gefährdet werde.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

In den vergangenen Tagen war zunächst Finanzminister Vítor Gaspar, der Architekt der harten Sparpolitik, zurückgetreten. Gaspar begründete seine Entscheidung mit der abnehmenden Unterstützung auch innerhalb der Regierung. Nach Gaspar stellte auch Außenminister Paulo Portas sein Amt zur Verfügung.

Am Freitag erklärte Regierungschef Pedro Passos Coelho jedoch das Ende der Regierungskrise. Passos versicherte, das mit den Geldgebern vereinbarte Spar- und Reformprogramm werde fortgesetzt.

S&P sieht jedoch die Gefahr, dass Reformen, die den Geldgebern versprochen wurden nicht mehr im Parlament beschlossen oder zumindest verzögert werden könnten. Zudem erwartet S&P, dass die portugiesische Wirtschaft, dass dritte Jahr in Folge schrumpfen wird.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Ludwig500

06.07.2013, 00:44 Uhr

Wen interessiert denn noch die Bonität? Portugal ist systemrelevantes Euro-Mitgliedsland. Selbst wenn deren Staatsanleihen kein Mensch mehr kaufen will, Draghi nimmt alles, direkt oder indirekt, garantiert.

Natürlich ist das keine Staatsfinanzierung, das wäre ja nicht erlaubt. lol

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