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24.01.2017

13:31 Uhr

Britische Währung

Pfund Sterling fällt nach Brexit-Urteil

Das Urteil des britischen Supreme Court zum EU-Austritt hat den Pfund unter die Marke von 1,25-Dollar fallen lassen. Die Richter hatten geurteilt, dass das Parlament über den Beginn des Austrittsprozesses abstimmen muss.

Der Wert des britischen Pfundes sank nach dem Urteil zum EU-Austritt um 0,3 Prozent. dpa

Pfund Sterling

Der Wert des britischen Pfundes sank nach dem Urteil zum EU-Austritt um 0,3 Prozent.

FrankfurtDas Pfund Sterling hat am Dienstag mit Verlusten auf die Entscheidung des britischen Supreme Court zum Mitspracherecht des Parlaments beim EU-Austritt des Landes reagiert. Die britische Währung rutschte wieder unter die 1,25-Dollar-Marke und lag mit 1,2493 Dollar etwa 0,3 Prozent niedriger als am Vorabend. Kurz vor Urteilsverkündung hatte das Pfund noch über 1,25 Dollar notiert. „Das Urteil löst wieder etwas Unsicherheit über den Brexit aus, vor allem hinsichtlich des Zeitpunktes“, sagte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. Allerdings werde sich das Parlament kaum gegen den Volkswillen stellen. „Aber es könnte jetzt alles etwas länger dauern.“

Die britische Regierung muss den Richtern zufolge nun das Parlament über den Beginn des Austrittsprozesses abstimmen lassen. Premierministerin Theresa May will bis Ende März die Scheidung von der EU gemäß Artikel 50 im Lissaboner EU-Vertrag beantragen. Ob der Zeitplan eingehalten werden kann, hängt davon ab, ob das Parlament die Planungen Mays durchwinkt oder eventuell Änderungen verlangt.

Großbritanniens Optionen nach dem Brexit

Zollunion

Großbritannien könnte es machen wie die Türkei und der Zollunion beitreten. Dadurch würden die Zölle wegfallen und die Handelsabkommen mit der EU behielten bestand. Andererseits wäre London aber dabei eingeschränkt, eine eigene Handelspolitik zu betreiben, da man sich an den gemeinsamen Zolltarif halten müsste. Ob dies den Briten gefallen würde, bleibt fraglich. Immerhin folgt die Brexit-Entscheidung dem Ruf nach völliger nationaler Souveränität.

Europäischer Wirtschaftsraum (EWR)

Der Europäische Wirtschaftsraum (EWR) umfasst derzeit 31 Länder. Die teilnehmenden Staaten haben gemeinsame Aufsichtsbehörden, Gerichte und Regeln. Zudem gelten die vier Binnenmarktfreiheiten beim Waren-, Personen-, Dienstleistungen- und Kapitalverkehr. Allerdings will die britische Regierung weder der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes unterliegen noch die Kontrolle über die Immigration abgeben.

Der „Schweizer Weg“

Am liebsten wäre der englischen Regierung wohl ein Modell wie der „Schweizer Weg“. So könnten für die einzelnen Wirtschaftsbereiche maßgeschneiderte Abkommen ausgehandelt werden. Die EU hat allerdings schon durchblicken lassen, eine derartige Lösung abzulehnen.

Freihandelsabkommen

Die wahrscheinlichste Option ist für die Briten wohl ein gesondert ausgehandeltes Freihandelsabkommen, wie es zwischen der Europäischen Union und Kanada (Ceta) vereinbart wurde. Damit würden die Briten ihre durch den Brexit forcierte Unabhängigkeit behalten und könnten spezielle, aber umfassende Handelsbedingungen im Gespräch mit der EU festlegen.

In der Hoffnung, dass die Bedingungen für den Austritt nun etwas milder ausfallen könnten, stiegen einige Anleger am Londoner Aktienmarkt ein: Der „Footsie“ legte in der Spitze 0,5 Prozent auf 7190 Punkte zu. Auch der Dax weitete seine Gewinne aus und lag mit 11.579 Punkten 0,3 Prozent höher. Die Anleger waren auch erleichtert, dass das Urteil in etwa wie erwartet ausgefallen war, sagte ein Händler.

Von

rtr

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