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17.01.2009

12:00 Uhr

Buchrezension

Der Crashkurs des „Mister Dax“

VonThorsten Giersch

Dirk Müller ist "Mister Dax". Der Händler auf dem Parkett der Frankfurter Börse gibt Deutschlands Aktienwesen ein Gesicht. Nun hat Dirk Müller ein Buch geschrieben. Der Titel "Crashkurs" verrät, dass hier kein Optimismus gepredigt wird.

Dirk Müller gibt der Dax-Kurve ein Gesicht: Foto: dpa dpa

Dirk Müller gibt der Dax-Kurve ein Gesicht: Foto: dpa

DÜSSELDORF. An Dirk Müllers Gesichtszügen spiegelt sich seit vielen Jahren die Gefühlslage der Börse. Mal gibt er sich nachdenklich, mal nervös, mal jubelt er, mal schlägt er die Hände über dem Kopf zusammen. Die Dax-Tafel im Frankfurter Handelssaal ist Kult - keine andere Börse weltweit kann den Stand seines wichtigsten Index so deutlich machen. Aber ohne ein menschliches Gesicht davor wäre sie nur die Hälfte wert.

Dirk Müller ist dieses Gesicht. Eine kanadische Zeitung nannte ihn "Mister Dax". Der Skontro-Führer gibt gern Interviews, meistens mit dem Nachrichtensender n-tv, inzwischen aber auch vor dem Massenpublikum bei den Öffentlich-Rechtlichen. Seine Aussagen sind deutlich, gehen allerdings nicht allzu weit ins Detail.

Aber Müller hat einen großen Vorteil: Auch Börsenlaien verstehen, was er sagen will. Und das ist auch der große Vorteil seines ersten Buches "Crashkurs". Die Sprache ist verständlich und doch präzise. Der Leser kann auch die manchmal komplizierten Hintergründe des Börsengeschehens nachvollziehen. Es gelingt Müller anschaulich zu erklären, wie es zu dieser Krise gekommen ist. Das gilt besonders für die Darstellung der Geschehnisse in den USA. An den Institutionen in Übersee lässt er ohnehin kein gutes Haar.

Müller warnt den Leser vor "Nebelkerzen". Das bedeutet: Die Menschen werden von all den Institutionen, die etwas mit dem Kapitalmarkt zu tun haben, hinters Licht geführt. Die Inflationsrate sei nicht real, Indikatoren wir der Ifo-Index würden in die Irre führen, Analysteneinschätzungen dürfe man nicht trauen, die Arbeitsmarktstatistik sei geschönt und die Finanzwelt erzeuge eine überflüssige Zahlenflut. Einiges davon ist zweifellos wahr, anderes übertrieben oder einseitig dargestellt.

Streitbar sind auch so manche Verschwörungstheorien. Die Rolle der US-Börsenaufsicht SEC, die Abhängigkeiten der Ratingagenturen und eine "Machthydra". Manches davon scheint nachvollziehbar, anderes weit hergeholt und vieles wird nur gestreift anstatt näher belegt.

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