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18.01.2007

06:43 Uhr

Bulle + Bär

Kreuzfahrttourismus wächst

VonC. Kirchner

Wenn es um die Profiteure der demographischen Entwicklung geht, nennen viele Experten geradezu reflexartig die Betreiber von Kreuzfahrtschiffen. Das klingt überzeugend, denn die Popularität von Kreuzfahrten unter älteren Menschen ist ungebrochen. Zugleich begeistern sich auch immer mehr jüngere Urlauber für Seereisen.

DÜSSELDORF. Für die laufende Saison prognostiziert die World Tourism Organisation (UNWTO) weltweit ein Wachstum des Tourismusmarktes von etwa vier Prozent. Der Kreuzfahrttourismus wächst hingegen mit acht Prozent glatt doppelt so schnell. Weltmarktführer im Kreuzfahrtgeschäft ist mit 81 Schiffen die an den Börsen New York und London notierte Carnival Corporation. Das in Miami ansässige Unternehmen besitzt die Aida-Flotte und Prestigeschiffe wie die Queen Mary 2 oder die am Montag vom Stapel gelaufene Queen Victoria.

Für Investoren war die Kursentwicklung von Carnival in den letzten Jahren aber – Marktwachstum hin, Marktführerschaft her – eine Enttäuschung. Wie viele andere Wachstumswerte büßt Carnival für die Exzesse der neunziger Jahre bis heute: Zwischen 1990 und 1999 hatte sich der Kurs glatt verelffacht. Heute notiert er mit 51 US-Dollar auf dem gleichen Niveau wie schon einmal in den Jahren 1999 und 2004.

Wirbelstürme in der Karibik und der hohe Ölpreis machten dem Konzern in den letzten beiden Jahren zu schaffen, und zu allem Überfluss legte im vergangenen Jahr ein Brand eines der Schiffe über Monate lahm. Unter dem Strich beendete Carnival das Jahr 2006 nach vier Gewinnwarnungen mit einem Kursminus von 16 Prozent.

Die Aktie von Carnival steht derzeit am Scheideweg, denn es läuft die Hochsaison, die „Wave Season“: Zwischen Januar und März fliehen viele Amerikaner vor dem Winter in die Karibik. Trotz der Bemühungen um globale Expansion erwirtschaftet Carnival immer noch knapp zwei Drittel seiner Umsätze in den USA. Das milde Wetter im Nordosten der USA hat aber eine Rabattschlacht mit Konkurrenten wie Royal Caribbean provoziert. Analysten werfen zudem die Frage auf, wie lange der Rückenwind von der US-Konjunktur anhält.

In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob die Aktie eine nachhaltige Wende nach oben schafft. Sie ist zurzeit aber alles andere als teuer. Für das laufende Geschäftsjahr rechnen die überwiegend pessimistischen Analysten – nur noch 10 von insgesamt 21 raten Kauf – im Durchschnitt mit einem Gewinn je Aktie von 3,03 Dollar. Sie erwarten aber auch, dass das Unternehmen in den kommenden Jahren seine Gewinne um durchschnittlich 15 Prozent pro Jahr steigern wird. Behalten sie Recht, wäre das aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 17 für einen Wachstumswert nicht überzogen. Hinzu kommt: Schiffe sind teuer, die Lieferfristen lang. Das dämpft den Wettbewerbsdruck.

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