Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.01.2007

06:48 Uhr

FRANKFURT. Als Richie Blackmore und seine Truppe als Deep Purple über die Bühne pflügten, avancierten sie in der Musikszene zu den Trendsettern des Heavy Metal. Das war in den siebziger Jahren, auch an der Börse eine Hochzeit für „schwere Metalle“. Aktuell schlagen gerade die Industriemetalle leisere Töne an. Dem Kupfer reichten wenig mehr als sechs Monate für einen 40-prozentigen Absturz, in den letzten Tagen beschleunigte sich die Talfahrt bis auf rund 5 600 Dollar je Tonne. Gründe sind schnell genannt: gesunkene Nachfrage wegen der vorherigen Preisexplosion, geringere Importe durch China, gestiegene Lagerbestände.

Viele Behörden und Staaten könnten bei sinkenden Metallpreisen aufatmen. Bis jetzt sind sie noch in Alarmbereitschaft. Die Londoner Polizei will am Donnerstag über eine Abwehrstrategie gegen die Lebensmüden beraten, die in den U-Bahn-Schächten Kabel klauen, um das kostbare Kupfer zu verscherbeln – ein einträgliches Geschäft. Rund um die Welt macht der Kupferklau Schlagzeilen, kilometerweise verschwinden Leitplanken an Autobahnen, Schienen, ganze Lokomotiven.

Neben den Polizisten schöpft eine andere Berufsgruppe Hoffnung: die der Analysten. Lange verzweifelten die Vertreter der Zunft an ihren Preisschätzungen, denn die Wirklichkeit wollte sich einfach nicht an ihre Absturzprognosen halten. Frank Veneroso, in den USA bekannter Marktbeobachter, redete sich auf einer Rohstoffkonferenz mit seiner Bärenprognose fast heiser, so sehr setzte ihm die Hausse zu. Schon bei einem Kupferpreis von 3 500 Dollar pro Tonne vor etwa zwei Jahren witterte der Amerikaner eine Überhitzung. Dann musste er den weiteren Anstieg bis auf 8 800 Dollar erdulden. Kein Wunder, wenn ihn der Spott der Optimisten traf.

Kaum besser standen die skeptischen Rohstoffanalysten der ABN Amro Bank in London da. Die Gruppe um Nick Moore und Kollegen sieht jetzt endlich Land. Ihre aktuelle Prognose ist starker Tobak für die Psyche von Hausse-verliebten Händlern und Anlegern. Nach Meinung des ABN-Teams werden sich die Preise der Basismetalle in den kommenden vier Jahren gemessen an ihren Tops annähernd dritteln. Die Zielmarke etwa für Kupfer setzen die Strategen bei rund 2 800 Dollar.

Doch selbst in diesem Szenario bliebe der sehr langfristige Aufwärtstrend intakt: Vor vier Jahren war die Tonne Kupfer noch für 1 500 Dollar zu haben. Anleger müssen sich jedoch auf höhere Schwankungen einrichten, gerade dann, wenn in Zukunft eine Konjunkturschwäche in den USA den Kupferverbrauch drücken sollte. Probleme haben vor allem jene Spekulanten, die mit Hebel auf Hausse setzen und ihren Ruin riskieren. Aber es locken ja beispielsweise die Minenaktien für langfristige Engagements. Heavy-Metal-Börsianern sei übrigens gesagt: Auch Deep Purple ist noch im Geschäft.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×