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17.01.2007

06:22 Uhr

Bulle + Bär

Zum Höhenflug der Deutschen Börse

VonRolf Benders

Die Aktie der Deutschen Börse ist derzeit ein Paradebeispiel dafür, dass selbst die abgedroschensten Börsianerweisheiten einen wahren Kern haben. „The trend is your friend“, „Gewinne laufen lassen“, „Als einzelner Investor darf man sich nicht gegen den Markt stellen.“ Man kann sie kaum mehr hören, so abgeleiert sind die Sprüche. Und doch ist es das Einzige, was einem zur Deutschen Börse noch einfällt.

FRANKFURT. Die Titel des Frankfurter Börsenkonzerns, der im vergangenen Jahr vergeblich versuchte, mit dem europäischen Konkurrenten Euronext zu fusionieren, gehen durch die Decke! 252 Prozent Wertsteigerung in den vergangenen 24 Monaten auf jetzt 155 Euro sind ein Wort. Das Skurrile: Zu fast jedem Zeitpunkt in dieser Periode war die Haltung der überwiegend skeptisch eingestellten Händler, Analysten und Journalisten in Deutschland: „Alles eine durch Fusionsspekulationen aufgepumpte Blase, die Aktie ist zu teuer. Wenn das Fusionsvorhaben mit der Euronext platzt, platzt auch die Blase.“

Inzwischen ist die Fusion mit der Euronext auf der Müllhalde der Geschichte gelandet und entgegen den Erwartungen scheint die Aktie richtig durchzustarten. Wieder und wieder getrieben von angelsächsischen Analysten, die im Kern ein Argument reiten: Die europäischen Börsen sind im Vergleich zu den US-Börsen unterbewertet, diese Differenz holt die Deutsche Börse noch nach.

In der Tat notieren die Papiere der Frankfurter derzeit beim 22fachen des erwarteten Gewinns 2007, die New Yorker Börse (Nyse) beim 43,5fachen. Gemessen daran ist die Börse immer noch „billig“. Die US-Investmentbank Morgan Stanley motivierte dies zu dem aggressiven Kursziel von 166 Euro. In einem optimistischen Szenario sieht sie sogar 210 Euro als machbar an.

Gehört hat man dieses Argument auch im letzten Jahr ständig, allein es fehlte einem der Glaube. Warum sollte sich eine relativ reife Börsenbranche in Europa, die den Wachstumsschub durch die Elektronisierung des Handels bereits hinter sich hat, so verhalten wie der stark wachsende US-Sektor in den USA? Dort wird der altmodische Parketthandel gerade erst eingestellt und der Handel auf Computersysteme umgestellt. In Frankfurt passierte das vor zehn Jahren. So stichhaltig diese Skepsis ist, so wenig hat es dem Anleger genützt. Die Überzeugung der US-Investoren, dass sich die Bewertung der Börse der der Nyse annähert und nicht umgekehrt, machte den Kurs. Gleichzeitig wettet man jenseits des Atlantiks darauf, dass die Börse – getrieben von Hedge-Fonds im Aktionärskreis – früher oder später ins Fusionsgeschehen eingreift und weiter die Kosten senkt.

Das Fazit: Solange diese Haltung vorherrscht, kann man die Aktie auch jetzt noch – abgesichert durch eine Stopp-Loss-Order – kaufen. Und: Beim nächsten Mal heulen wir sofort mit den Wölfen.

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