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09.08.2011

15:52 Uhr

Bulle & Bär

Agrar-Kurssturz bietet Chancen

VonChristian Schnell

An den Rohstoffbörsen hat es in den letzten Tagen herbe Verluste für die meisten Waren gegeben. Der Absturz gerade der Agrarrohstoffe könnte eine Chance zur besseren Regulierung sein.

Maschinen bei der Weizenernte. Quelle: dpa

Maschinen bei der Weizenernte.

FrankfurtWenn Staaten hohe Schulden haben, wie wir es gerade in den USA und einigen Euro-Ländern erleben, dann betrifft das zuallererst deren Staatsanleihen. Für die müssen künftig mehr Zinsen gezahlt werden. Anschließend leidet deren Währung, die weniger wert wird. Danach erst werden Aktien- und Rohstoffmärkte in Mitleidenschaft gezogen.

Bei den Letzten in der Reihe hat sich in der so turbulenten vergangenen Börsenwoche Erstaunliches ereignet, ohne dass die Öffentlichkeit allzu viel davon mitbekommen hat. Einzig Gold, Baumwolle und Mais haben zugelegt, haben die Experten der dänischen Saxobank errechnet. Alle anderen, speziell Metalle und Energiewerte, haben dagegen gelitten. Öl war so günstig wie zuletzt vor acht Monaten, Kupfer hat so sehr verloren wie zuletzt im März. Sollte die Konjunktur tatsächlich ins Stocken geraten, würde weniger produziert und auch weniger Energie nötig, so der Gedanke dahinter.

Aber auch bei den Agrarrohstoffen sind die Preise zuletzt deutlich gesunken. Besonders Getreide und Zucker haben kräftig verloren. Hierfür eine Begründung zu finden ist nicht ganz so einfach. Gegessen wird schließlich auch in wirtschaftlich nicht ganz so rosigen Zeiten. Der aktuelle Preisverfall zeigt vielmehr, wie sehr aus den Agrarrohstoffen die Spekulation entweicht, nachdem es an fast allen anderen Rohstoffmärkten schon bergab gegangen ist.
Hinter allem steht der Wunsch nach hochwertigerer Ernährung.

Den Agrarsektor haben Investoren, manche sprechen in diesem Zusammenhang auch von Spekulanten, erst weit nach den anderen Rohstoffmärkten entdeckt. Wenn große Schwellenländer auf dem Weg zu Industrieländern sind, dann verändern sich dort die Konsumgewohnheiten. Man will mehr und Hochwertigeres essen und trinken, so die Intuition. Die Praxis sah leider anders aus: Weil sich angeheizt durch Spekulationen die Ärmsten der Armen phasenweise ihre tägliche Ration Reis nicht mehr leisten konnten, gab es zum Höhepunkt des Preisaufschwungs in manchen Ländern bereits soziale Unruhen.

Die jetzige Phase der Abkühlung ist somit auch eine Chance, um künftig gerade mit dem sensiblen Thema Agrarrohstoffe vernünftig umzugehen. Hier jeden Tag einen Preis zu finden, der Angebot und Nachfrage in den einzelnen Produkten entspricht, ist sinnvoll und angemessen. Hier Produkte mit Hebel zu kreieren, die einen anfangs durchaus nachvollziehbaren Trend verstärken und zu Verwerfungen am Markt führen, ist schlicht unethisch. Wer vonseiten der Politik hier endlich einen Riegel vorschieben will, der hat die Zeichen der Zeit erkannt.

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