Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.01.2009

07:03 Uhr

Bulle & Bär

Aktien: Es fehlt das Testosteron

VonIngo Narat

Alles um 50 Prozent reduziert! Alles muss raus! An den Grabbeltischen in den Kaufhäusern drängen sich die Schnäppchenjäger. Aber das klappt nur bei Wolldecken und Sweatshirts – Finanzprodukte sind nicht gefragt. Dabei locken Aktien mit Super-Billig-Preisen.

Ingo Narat, Handelsblatt-Redakteur. Foto: Handelsblatt

Ingo Narat, Handelsblatt-Redakteur. Foto: Handelsblatt

FRANKFURT. Die Rabatte auf die Höchstkurse liegen oft irgendwo zwischen 30 und 70 Prozent. Das ist jetzt tatsächlich günstig, schwärmen manche Analysten und raten zum Kauf.

Doch das breite Publikum winkt ab. Jeder hält sein Pulver trocken. Sicher ist sicher. Vorsicht muss kein schlechter Ratgeber sein. Die Firmengewinne werden wohl deutlicher sinken als erwartet. Dann würden die ausgeschilderten Schnäppchen zu teurer Designerware mutieren.

Zur Erinnerung daran, wie die Profi-Prognostiker der Wirklichkeit hinterherhinken: Innerhalb von weniger als zwölf Monaten senkten die Auguren ihre durchschnittlichen Gewinnschätzungen für 2009 beispielsweise bei US-Standardaktien auf die Hälfte. Deshalb sind trotz abgestürzter Kurse viele Aktien eher etwas teurer geworden – nimmt man das Kurs-Gewinn-Verhältnis als Messlatte.

Zudem erkennen Investoren wie Bill Gross, Anleiheexperte des großen Vermögensverwalters Pimco, bereits die Folgen eines Paradigmenwechsels. Es zeichnen sich völlig neue Rahmenbedingungen für die Wirtschaft und die hier Handelnden ab: mehr Regulierung, wie von Obamas Berater und Ex-Notenbankchef Paul Volcker jetzt vorgeschlagen, weniger Krediteinsatz, höhere Steuern zur Finanzierung der Rettungs- und Stimulierungspakete – schließlich bremsen alle diese Einengungen die unternehmerische Dynamik.

Skeptiker wittern bereits Testosteronmangel in den Blutbahnen künftiger Unternehmer. Laut Biologen bringt erst dieses Hormon die Menschen richtig in Schwung, gibt ihnen Antrieb, Ausdauer, Lebenslust. Und was wären die Mangelerscheinungen? Müde Firmenbosse.

In einer „gezähmten“ Wirtschaftswelt dürften die Unternehmensgewinne weitaus geringer ausfallen als nur bei realistischer Einrechnung der unmittelbaren Kriseneffekte. Günstige Bewertungen von heute sind deshalb kaum in die neue Welt transportierbar. An den Grabbeltischen müssen die Preise noch weiter runter.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×