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09.01.2009

07:03 Uhr

Bulle & Bär

Aktien: Hässliche Entlein zuhauf

VonC. Schnell

Anleger sollten jetzt - wenn überhaupt - Aktien aus nichtzyklischen Branchen kaufen, die über einen langen Zeitraum solide Gewinne erwirtschaftet haben, gegen Konjunktur-, Zins- und Währungsrisiken abgesichert sind und natürlich über ein extrem gutes Management verfügen. So steht es derzeit in nahezu jeder Empfehlung, die von einer Bank oder einem Vermögensverwalter kommt. Damit fallen geschätzt weit mehr als 90 Prozent aller Aktien durchs Raster, weshalb sich die Masse auf die wenigen verbliebenen Aufrechten an der Börse stürzt.

Christian Schnell, Handelsblatt-Redakteur. Foto: Handelsblatt Netzhaut

Christian Schnell, Handelsblatt-Redakteur. Foto: Handelsblatt

FRANKFURT. Was nun aber tun mit der Meute an hässlichen Entlein, den Gesellschaften, die jetzt mitten in der Krise stecken, unter einbrechenden Exporten leiden und für das laufende Jahr gar mit einem Umsatz- und Gewinneinbruch rechnen?

Den Promenadenmischlingen der Börse sozusagen. Finanzaktien, Automobilwerte, Halbleiter und Stahl, all die Papiere, die kein Anleger anfasst, so er denn noch halbwegs bei Trost ist. Ganz zu schweigen von den Hunderten von Nebenwerten, denen in den meisten Medien kaum noch eine Zeile geschenkt wird.

Dagegen zu argumentieren ist wahrhaft nicht einfach. Zu verfahren ist derzeit die Situation, wenn Banken mit Milliardenabschreibungen rechnen, wenn die Manager der Automobilindustrie einer neuen Umfrage zufolge gleich für die nächsten fünf Jahre schwarz sehen und all die Zulieferer aus der Elektronik- und Metallbranche mit in die Tiefe reißen.

Interessanter wird es, mit einer Perspektive von drei bis fünf Jahren an diese Branchen heranzugehen. Laufen überall dort doch im Moment Umstrukturierungsprozesse, die gerade wegen der Krise deutlich zügiger und effektiver als in normalen Zeiten ablaufen.

Beispiel Banken: Mit Investment-Banking und Produktvielfalt wurde gestern Geld verdient. Jetzt gilt wieder der alte Spruch, wonach das Bankgeschäft eines der einfachsten auf der Welt ist: der eine Kunde hat Geld, der andere braucht Geld, die Bank steht dazwischen. Kaum anders ließe es sich erklären, dass die Habenzinsen zuletzt deutlich gesunken sind, während die Sollzinsen gerade im Massengeschäft beim Dispo aufs Girokonto und bei Ratenkrediten übermäßig angezogen haben.

Oder die Autohersteller: Während die Mitarbeiter am Band in verlängerten Weihnachtsferien sind, forschen ganze Stäbe intensiver denn je an Elektro-, Hybrid- und sonstigen innovativen Motorenkonzepten.

Noch halten die meisten Investoren am Aktienmarkt bestenfalls Fresenius Medical Care oder die Deutsche Telekom für die wenigen verlässlichen Partner in der Krise. Ein Ruf, den sich beide solide erarbeitet haben, der aber auch übermäßig herausstrahlt, weil es mit dem Ansehen der meisten anderen Aktien nicht mehr weit her ist.

Andererseits ist noch aus jedem hässlichen Entlein ein schöner Schwan geworden, wie es gestern in der neuesten Studie von Fortis Investments hieß.

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