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07.12.2011

17:17 Uhr

Bulle & Bär

Anleger müssen auf Sachwerte vertrauen

VonIngo Narat

Die Entscheidungen von Notenbanken und Politikern werden weiter für hohe Ausschläge an den internationalen Finanzmärkten sorgen. Für Anleger sind die Börsen unkalkulierbar geworden. Sicherheit geht für sie jetzt vor

Bulle und Baer vor der Boerse in Frankfurt am Main zu sehen. ap

Bulle und Baer vor der Boerse in Frankfurt am Main zu sehen.

FrankfurtEs ist ein großes Tohuwabohu an den Finanzmärkten. Politiker entscheiden heute so, morgen anders, Notenbanker schaffen den Zins ab, kaufen Staatsanleihen - Börsen werden unkalkulierbar. Da lohnt ein Blick nach vorn, in eine ausgedachte und schöne neue Welt des Jahres 2013: Die Märkte sind völlig umgekrempelt. Der Druck auf der Straße war einfach zu groß geworden. Die Protestler aus der Occupy-Bewegung hatten zeitweise auch die Dachterrassen der Banken-Hochhäuser in Frankfurt erobert. Das war nur Episode. Inzwischen stellt eine Koalition aus den früheren Zelt-Übernachtern vor der EZB und der Piratenpartei eine Bundes-Koalition. Man stellte fest, dass man doch viel gemeinsam hatte.

Die smarten Banker Marke Gordon Gekko aus dem Oliver-Stone-Blockbuster "Wall Street" sind längst out. Zockerei ist verpönt. Die Derivate-Märkte wurden größtenteils geschlossen. Der Hochfrequenz-Handel ist abgeschafft. Es machte einfach keinen Sinn, dass jemand Gewinn macht, nur weil sein Rechner eine Straße näher an der Börse steht als der Computer eines Konkurrenten.

Statt Tageshektik probt man heute Entschleunigung. "Ich bin richtig erleichtert", sagt ein Privatanleger. Früher schwankte der Deutsche Aktienindex mehrere Hundert Punkte am Tag. "Da konnte ich einen Würfel werfen, ob ich am Abend im Plus oder Minus lag." Jetzt wird wieder auf dem Parkett gehandelt.

Die gute alte Zeit ist als Kapitel in der Börsengeschichte abgehakt

Die Abkehr vom elektronischen Handel halten manche Akteure für übertrieben. "Steinzeit ist keine Lösung", meint einer von ihnen. Aber selbst er muss einräumen, dass die Schwankungen stark gesunken sind. Anleger haben wieder Zeit nachzudenken, ob ihre Käufe und Verkäufe sinnvoll sind. Eine weitere Änderung hat wohltuend gewirkt: Gehandelt wird nur noch montags von 10 bis 12 Uhr, danach ist Mittagspause. Auch die Firmen haben umgedacht. Manche machen sich extra schön für ihre Aktionäre. Die Chefs lassen wieder Aktien auf Papier drucken. "Effektive Stücke" feiern ein Comeback.

Die ausgedachte Welt des Jahres 2013 wird es wohl nie geben. Ende 2011 arbeiten Notenbanken und Politiker weiter an Pseudo-Lösungen für die Staatsschuldenkrise. Es ist kaum zu sagen, was am Ende dabei herauskommt. Auf absehbare Zeit müssen Anleger und Sparer mit unkalkulierbaren Entscheidungen und deshalb hohen Ausschlägen an den internationalen Finanzmärkten rechnen.

Wer kurzfristig handelt, der hat sich schnell verhoben. Sicherheit geht vor. Sicherheit verspricht vor allem ein Mix aus Sachwerten, Cash und eventuell verlässlichen kurzfristigen Zinsanlagen.

Kommentare (1)

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Kronecker

07.12.2011, 19:30 Uhr

Da wir noch nicht einmal genau wissen, worauf wir sitzen, möglicherweise sitzen wir auf NICHTS, verlieren auch Sachwerte ihren Sinn. Cash, Anlagen: alles NICHTS. Da ist es schon ein großer Fortschritt, dass es vielleicht wenigstens INFORMATIONEN sind, worauf wir sitzen. Bei Finanzmärkten durchaus vorstellbar, sogar beruhigend.

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