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18.01.2011

07:59 Uhr

Bulle & Bär

Auf Tunesien blicken auch die Anleger

VonChristian Schnell

Die Unruhen in Tunesien sind dieser Tage vor allem auf den Politik-Seiten der Zeitungen ein Thema. Dabei ergeben sich durchaus Aspekte für den Finanzteil. Gibt es doch in den beinahe unüberschaubaren weltweiten Kapitalflüssen auch einige, die in dieser Region große Summen investieren.

FRANKFURT. In den Kreis der Next-11 hat es Tunesien im Jahr 2005 zwar nicht geschafft, als die Investmentbank Goldman Sachs die elf nächsten Schwellenländer präsentierte, die nach den BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China mit hohem Wachstum glänzen. Zu den MENA-Ländern - die Abkürzung steht für Middle East/North Africa - gehörte man danach aber dazu.

Etliche Fonds haben seit der Entstehung dieser Investmentidee vor drei Jahren damit um die Gunst der Anleger geworben. Schließlich leben zwischen Marokko und dem Iran gut sechs Prozent der Weltbevölkerung. Tunesien selbst hat an der MENA-Idee einen nicht unerheblichen Anteil. Zum einen gilt das Land trotz politischer Probleme als wirtschaftliche Erfolgsgeschichte. Das Pro-Kopf-Einkommen hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf 9 000 Dollar verdoppelt. Das Weltwirtschaftsforum führt das Land inzwischen auf Rang 32 von insgesamt 133 Staaten.

Die Region punktet mit einem idealen Branchenmix

Der hohe Anteil junger Menschen, der Rohstoff-Reichtum sowie der ideale Branchenmix aus Infrastruktur, Banken, Industrie, Konsum und Pharma machen die Region interessant. Zumal sie hier abseits des allgegenwärtigen BRIC-Booms noch weitgehend unbehelligt investieren können.

Auf der Gegenseite zeigt sich ein weiteres Mal, wie sehr der Begriff MENA ein Kunstgebilde westlicher Finanzindustrie ist. Die beiden Regionen Mittlerer Osten und Nordafrika zeigen kulturell und wirtschaftlich große Unterschiede. Sogar die Handelstage an den Börsen differieren. Zudem hat die Anlage-idee trotz ihrer noch jungen Geschichte schon etliche Rückschläge verkraften müssen. Die Dubai-Krise vor zwei Jahren gehört ebenso dazu wie die chronischen Schreckensmeldungen, die den Irak und den Iran nicht eben für Anleger interessant machen.

Nordafrika galt in diesem Gemenge noch als halbwegs stabil, was sich jetzt nach den Vorfällen in Tunesien auch nicht mehr behaupten lässt. Schon gibt es Analysten, die ein Übergreifen auf Länder der Region wie Marokko, Libyen, Algerien oder gar nach Ägypten befürchten. Das ist nach aktuellem Stand zwar weit hergeholt. Tatsache bleibt jedoch: Die gesamte unter dem Begriff MENA kreierte Anlageregion war bisher nur für Randgruppen der weltweiten Investorengemeinde interessant. Nach den Vorfällen in Tunesien wird sich daran bis auf weiteres nichts ändern.

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