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19.01.2010

06:58 Uhr

Bulle & Bär

Bei Anleiheinvestoren ist Polen beliebt

VonAndrea Cünnen

Die Diskussion über die Zahlungsfähigkeit europäischer Länder bringt Überraschendes zu Tage: Polen gehört zu den Staaten, die überdurchschnittlich gut dastehen.

FRANKFURT. Im Hinblick auf Wirtschaftswachstum, politische Stabilität und Bonitätseinstufung hebt sich Polen positiv von vielen anderen Ländern des Euro-Raums und Osteuropas ab. Das hat die Regierung in Warschau in diesem Monat genutzt, um mit drei Mrd. Euro die größte Anleihe des Landes seit gut vier Jahren zu platzieren. Zudem sicherte sich Polen damit langfristig Geld, denn das Zinspapier (ISIN XS0479333311) wird erst in 15 Jahren fällig. Dafür gibt es jährlich Zinsen von 5,25 Prozent. Da die Anleihe noch unter dem Rückzahlungswert von 100 Prozent notiert, liegt die jährliche Rendite derzeit sogar noch 0,10 Prozentpunkte über dem Zinskupon.

Die Rendite von 5,35 Prozent für die neue 15-jährige polnische Staatsanleihe impliziert einen Risikoaufschlag von 1,4 Prozentpunkten über der in etwa gleichlang laufenden Bundesanleihe. Damit zahlt Polen weniger als Euro-Länder mit hoher Staatsverschuldung wie Irland und Griechenland, deren Anleihen ähnlicher Laufzeit mit 5,5 (Irland) und 6,1 Prozent (Griechenland) rentieren. Dabei steht nach Einschätzung der Agenturen Polen von der Bonität her auch besser da als Griechenland, aber schlechter als Irland.

Die Bonität Polens stufen die Ratingagenturen Standard & Poor's (S&P) und Fitch mit "A-" und dem damit siebtbesten Rating ein. Moody's vergibt mit "A2" eine um eine Stufe bessere Bonitätsnote. Das sind deutlich bessere Ratings als die von osteuropäischen Ländern wie Rumänien, Ungarn oder Kroatien, in denen nach Einschätzung von Analysten zudem die politische Lage sehr viel instabiler ist als in Polen.

Schuldenquote relativ gering

Die Wirtschaft in Polen wächst zwar nur langsam. Das Land profitiert aber von einer starken Binnenwirtschaft, und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs 2009 von Quartal zu Quartal. Das Haushaltsdefizit macht zwar auch in Polen Sorgen. Im vergangenen Jahr stieg die Schuldenquote nach Schätzungen von S&P deutlich auf gut 51 Prozent des BIP. Allerdings: Im EU-Vergleich ist das sehr gut. Selbst in Deutschland ist die Schuldenquote mit 73 Prozent deutlich höher.

Fazit: Polen ist ein recht solider Schuldner, und im Vergleich zu Bundesanleihen ist die Rendite der neuen 15-jährigen Anleihe ordentlich. Anleger sollten sich aber bewusst sein, dass die Entwicklung der Anleihe über die lange Laufzeit nur schwer absehbar ist. Das gilt vor allem deshalb, weil Fälle wie Griechenland zeigen, dass auch die Kurse von Staatsanleihen sehr schnell unter Druck kommen können.

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