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05.01.2010

06:57 Uhr

Bulle & Bär

CO2-Preis-Wetten sind nichts für Privatanleger

VonMichael Detering

Der Klimagipfel in Kopenhagen ist gescheitert. Die Staats- und Regierungschefs konnten sich auf kein verbindliches Abkommen zur Reduktion der Treibhausgase einigen. Wer schützt nun bloß das Klima? Vielleicht der deutsche Privatanleger. Doch die Wetten auf den Kohlendioxidpreis sind hochriskant und bringen der Umwelt nichts.

DÜSSELDORF. Der europäische Emissionshandel betraf zunächst nur die Unternehmen. Sie müssen Emissionsrechte vorweisen, um Kohlendioxid (CO2) zu emittieren. Wenn ein Unternehmen mehr Zertifikate benötigt, als ihm von den Behörden zugeteilt wurde, muss es am Markt zukaufen. Unternehmen, die CO2 einsparen, können Rechte verkaufen. Die Europäische Union hat bis zum Jahr 2020 die Gesamtmenge an Emissionszertifikaten festgelegt.

Inzwischen können auch Privatanleger beim Emissionshandel mitmischen - zumindest indirekt. Sie können mit neuen Produkten auf den CO2-Preis wetten. So bieten die Hypo-Vereinsbank, die Commerzbank und die Royal Bank of Scotland Endloszertifikate an, die an den Preis der an der Börse ECX in London gehandelten Futures für Emissionsrechte gekoppelt sind.

Doch die Preisbildung auf dem noch jungen Markt ist intransparent und unvorhersehbar. Der Wert der CO2-Rechte schwankt stark. Seit dem Handelsstart 2005 lag der Preis mal bei nur wenigen Cent, mal über 30 Euro. Aktuell liegt er bei weniger als 13 Euro, denn wegen der Rezession ist die Nachfrage nach Emissionsrechten gesunken.

Politik bestimmt den Preis

Die Banken locken die Anleger mit dem Hinweis, dass die EU die Emissionsrechte in den nächsten Jahren verknappen wird - das dürfte für höhere Preise sorgen. Doch ausgemacht ist das noch nicht. Bleibt das Wirtschaftswachstum schwach oder finden Unternehmen kostengünstige Maßnahmen zur CO2-Reduktion, wird die Nachfrage nach CO2-Zertifikaten verhalten bleiben. Zudem ist der CO2-Preis der Willkür der Politik ausgesetzt. Wie wird es nach 2020 in der EU weitergehen? Werden andere Länder beim Emissionshandel mitmachen? Wenn es auf internationaler Ebene nicht zum Durchbruch kommt, könnte der CO2-Preis weiter fallen.

Der Umwelt nützt der private Emissionshandel übrigens nicht. Die Temperatur auf der Erde hängt nicht davon ab, wie viele Investoren auf einen steigenden CO2-Preis spekulieren. Entscheidend für den Klimaschutz ist allein, dass die Gesamtmenge an Emissionszertifikaten über die Jahre reduziert wird. Diese Obergrenze wird aber nicht vom Kleinanleger festgelegt - sondern von den Regierungschefs.

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