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28.03.2006

07:05 Uhr

Bulle & Bär

Comeback der Wall Street

VonUlf Sommer

Wir kennen es: Der Dax zieht am ehesten dann an, wenn die Wall Street nicht stört. Am besten sind amerikanische Feiertage. Anders ausgedrückt: Die US-Märkte bremsen die europäischen Märkte aus und verhindern so größere Kursgewinne. Doch dieser Trend dürfte bald Vergangenheit sein.

HB DÜSSELDORF. Grund für den Optimismus sind die robusten Wirtschaftsdaten. Sie allein ändern zwar noch keinen Trend. Schließlich brummt die amerikanische Konjunktur schon lange. Doch entscheidend ist, dass die US-Kurse seit geraumer Zeit der rasanten Dynamik der Firmengewinne hinterherhinken. So legen die 500 größten börsennotierten amerikanischen Unternehmen bereits seit zehn Quartalen prozentual zweistellig gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Das gerade zu Ende gehende Quartal wird das elfte sein.

Doch der entsprechende Börsenindex S&P 500 bringt es seit Anfang 2004 lediglich auf magere zwölf Prozent. Konsequenz ist, dass amerikanische Aktien immer preiswerter werden. Bezahlten Investoren die Titel Anfang 2004 noch mit dem 23fachen Jahresgewinn der Unternehmen, so blättern sie derzeit nur noch das 18fache hin. Die Aktien wurden also gut 20 Prozent günstiger.

Keineswegs soll mit dieser Rechnung der Beweis erbracht werden, dass US-Aktien jetzt billig sind. Vielmehr waren sie vorher zu teuer. Jetzt nähert sich die Bewertung wieder dem historischen Durchschnitt.

Das führt über kurz oder lang zu einem Trendwechsel: US-Titel werden nicht mehr lange den Aktien in der übrigen Welt hinterherlaufen. Ob Lateinamerika, asiatische Tigerländer, Japan, Europa und hier vor allem Deutschland: Überall schlugen die Aktienmärkte die Wall Street in der Vergangenheit um Längen. Und das seit drei Jahren.

Diese Entwicklung war logisch und längst überfällig. Schließlich sind die Unternehmensanteile in den meisten Ländern - Ausnahme Japan - preiswerter als in den USA. Doch je mehr sich dieser Abstand auf Grund des rasanten Firmen-, aber nur moderaten Kurswachstums in den USA verkürzt, desto wahrscheinlicher wird ein Trendwechsel.

Voraussetzung ist aber, dass die Firmengewinne weiter wachsen. Die Chancen dafür sind gut, denn Frühindikatoren und Ausblicke der Unternehmen deuten darauf hin, dass sich die Konjunktur zu Jahresbeginn wieder beschleunigt und das schwache Wachstum des letzten Quartals nur ein Ausrutscher war.

Legen die Gewinne in den USA also weiter zu und schwächt sich die Dynamik in Europa wie erwartet ab, dann dürfte die Wall Street nach langer Zeit bald wieder als Lokomotive vorweg fahren. Europäer brauchten dann nicht jeden Tag aufs Neue die Wall Street als großen Bremser zu fürchten. Schon eher drohen sich die europäischen Kurse künftig selbst auszubremsen, weil hier zu Lande die Unternehmensgewinne langsamer wachsen.

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