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09.01.2008

07:00 Uhr

Bulle & Bär

Continental-Aktie: Gretchenfrage Integration

VonMarc C. Schneider

Die Gretchenfrage liegt im Fall von Continental auf der Hand. Frei nach Goethes Faust muss sich der Anleger fragen: „Manfred, wie hältst Du es mit der Integration?“ Das Potenzial der Conti-Aktie hängt seit dem Kauf der Siemens-Tochter VDO für stattliche 11,4 Mrd. Euro von den Fortschritten bei der Übernahme ab. Auch wenn der Kurs in den letzten Tagen nachgab – gelingt Vorstandschef Manfred Wennemer die Operation, sind die Aussichten für Geschäft und Aktienkurs des Autozulieferers und Reifenherstellers gut.

DÜSSELDORF. Die Gretchenfrage liegt im Fall von Continental auf der Hand. Frei nach Goethes Faust muss sich der Anleger fragen: "Manfred, wie hältst Du es mit der Integration?" Das Potenzial der Conti-Aktie hängt seit dem Kauf der Siemens-Tochter VDO für stattliche 11,4 Mrd. Euro von den Fortschritten bei der Übernahme ab. Auch wenn der Kurs in den letzten Tagen nachgab - gelingt Vorstandschef Manfred Wennemer die Operation, sind die Aussichten für Geschäft und Aktienkurs des Autozulieferers und Reifenherstellers gut.

Bisher sieht alles danach aus, als würde Conti den riesigen VDO-Happen gut verdauen können. In der Vergangenheit hat Conti gezeigt, dass es andere Unternehmen erfolgreich kaufen, schnell integrieren und lukrativ entwickeln kann. Ein treffendes Beispiel dafür war die Übernahme von Phoenix im Jahr 2004.

Continental hat sich in den vergangenen Jahren besonders im Automotive-Bereich massiv vergrößert. 1998 haben die Niedersachsen Teves gekauft, 2001 folgte Temic, 2006 kam der Autobereich von Motorola dazu. Natürlich ist VDO deutlich größer, das macht die Aufgabe komplexer, aber auch lohnenswerter. Die Rendite der ungeliebten Siemens-Tochter lag unter sieben Prozent. Bei Continental betrug die Ebit-Marge dagegen in den ersten neun Monaten des Jahres 2007 im Schnitt 11,2 Prozent.

Das zeigt, wie viel Luft VDO noch hat. Zu lange stand der Automobilzulieferer auf der Siemens-Verkaufsliste, als dass der Konzern das Potenzial realisiert hätte. Auch die nötigen Kostensparprogramme wurden zwar angestoßen, aber nicht vollzogen. Den Part zieht jetzt Wennemer umso konsequenter durch. Bis zum Jahr 2010 soll auch die Rendite der übernommenen Unternehmensteile bei mindestens zehn Prozent liegen. Dem Conti-Chef ist bewusst, dass er sich kein Zögern und Zaudern erlauben darf, damit die Anleger ihm weiter Vertrauen schenken. Radikal überprüft er die Effizienz der VDO-Werke, sortiert doppelte und wenig zukunftsträchtige Bereiche aus. Das wachstumsschwache Geschäft mit kleinen Elektromotoren etwa für Fensterheber hat er bereits an Brose verkauft, um die Schulden schnell abzubauen. Nach bewährtem Schema dürfte Continental Produktion nach Osteuropa und Asien verlagern.

Bis Ende Februar soll Wennemers Integrationsplan stehen. Einen Strich durch die Spar-Rechnung will ihm die Gewerkschaft machen. Die IG Metall fordert Standort- und Beschäftigungsgarantien, ein Zusammenprall scheint unausweichlich. Wennemer ist allerdings genau der Typ Manager, von dem keine faulen Kompromisse zu erwarten sind.

Ist die Integration samt Synergieeffekten von konservativ gerechnet mindestens 170 Mill. Euro ab dem Jahr 2010 über die Bühne, fährt Conti den Lohn ein. Allein die Megatrends Spritsparen, Umweltschutz und Billigautos versprechen dem zweitgrößten Automobilzulieferer Europas brummende Geschäfte.

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