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05.04.2006

07:00 Uhr

Bulle & Bär

Das Dagobert-Syndrom der Unternehmen

VonUdo Rettberg

Zahlreiche „Unternehmen“ im bunten Spektrum der Energiemärkte haben eine solche Bezeichnung nicht wirklich verdient. Denn ihr Handeln ist eher durch unterlassen als durch unternehmen geprägt. Jeff Currie, Leiter des Commodities Research bei Goldman Sachs, wartet jetzt mit einer Zahl auf, die im Hinblick auf die angespannte globale Energieversorgung arg bedenklich stimmt.

FRANKFURT. Nach Berechnungen Curries sitzen die internationalen Ölkonzerne auf Barreserven in Höhe von weit mehr als 500 Mrd. US-Dollar. Die wirkliche Dimension dieses Dagobert-Syndroms der Ölbranche wird erst dann so recht deutlich, wenn man weiß, dass diese Summe gut 20 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts entspricht. Wenn die Ölkonzerne dieses Geld nicht für neue Investitionen nutzen, dann wirft das zahlreiche Fragen auf.

Man könnte meinen, die üppigen Kassen bei den Ölkonzernen und die exorbitant gestiegenen Energiepreise seien Anlass genug, massiv in die Suche und Exploration nach neuen Energievorkommen zu investieren. Doch das ist beileibe nicht so. Was aber tun die Ölkonzerne mit all dem Geld? Die Unternehmen nutzen ihre Liquidität für Aktienrückkäufe oder aber für die Ausschüttung von Sonderdividenden und beglücken auf diese Art ihre Anteilseigner. Nur ein vergleichsweise geringer Teil des gigantischen Liquiditätspools fließt in die Entwicklung alternativer Energien oder aber in innovative Technologien zur Verbesserung der Energie-Effizienz.

Lässt sich daraus folgern, dass die Unternehmen nicht mehr daran glauben, größere Öl- oder Gasvorkommen in bislang kaum erschlossenen Regionen der Welt zu finden? Möglicherweise ja. Denn für jedes Unternehmen gilt, dass Investitionen nur dann erfolgen, wenn sie als lohnend gelten, am Ende also ein entsprechend positives Ergebnis zu erwarten ist.

Die Zeiten der „einfachen“ Suche nach und der Exploration von fossilen Energieträgern gehören der Vergangenheit an. Dort, wo die Ölgiganten heute noch größere Ressourcen vermuten - nämlich offshore in den Tiefen der Ozeane – gelten Explorationen bei aktuellen Energiepreisen offensichtlich noch immer als zu teuer und als ökonomisch nicht sinnvoll. Hinzu kommt, dass die Kosten für die Suche und die Exploration in den vergangenen Jahren mit dem Aufschwung der Branche praktisch explodiert sind.

Ein weiterer Faktor wirkt als Hemmschwelle für Investitionen – nämlich der grundlegende Mangel an Facharbeitern. Über Jahrzehnte hinweg wurde die Ausbildung von Spezialisten nicht nur im Energiebereich, sondern auch in anderen Bereichen der Rohstoffmärkte von den Konzernen stark vernachlässigt.

Wo immer auch die Gründe für die fehlende Investitionsbereitschaft liegen: Die hohen Barreserven der Ölgiganten sind ein Indiz für die Probleme in der Energieversorgung.

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