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10.02.2006

06:26 Uhr

Bulle & Bär

Das hässliche Gesicht der Hybrid-Anleihen

VonAndrea Cünnen

Hybrid-Anleihen – der neue Modetrend bei der Refinanzierung von Unternehmen – zeigen ihr hässliches Gesicht. Die Kurse vieler dieser nachrangigen Zinspapiere sind deutlich eingebrochen, allen voran die des Elektro-Konzerns Thomson, die in den vergangenen Wochen mehr als ein Fünftel ihres Wertes verloren haben.

HB FRANKFURT. So nach und nach scheint den Investoren doch das Risiko dieser Bonds, die als Mischung zwischen Fremd- und Eigenkapital gelten, bewusst zu werden. Die Citigroup meinte schon im Herbst in einer Studie, dass die Papiere etwas von Dr. Jekyll und Mr. Hyde haben, frei nach dem Horror-Klassiker aus dem 19. Jahrhundert. Übertragen auf die Anleihen heißt dies, dass sie als sichere Zinspapiere daher kommen, aber die Risiken größer sind als sich zunächst erkennen lässt. Das macht die Bewertung schwierig und erklärt die steigenden Risikoprämien.

Die hybride Anleihe von Thomson geriet nach schlechten Ergebniszahlen und Spekulationen über eine fremdfinanzierte Übernahme der Franzosen unter Druck. Außerdem prüft die Ratingagentur Standard &Poor’s eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit von Thomson. Die Hybrid-Anleihen könnten damit auf das Niveau von Junk-Bonds fallen. Da wird manchem Investor mulmig.

Im Soge der Thomson-Bonds verloren auch die hybriden Anleihen von Linde, Südzucker, Henkel und Bayer an Wert. Und der französische Baukonzern Vinci, der diese Woche eine Hybrid-Anleihe platziert hat, musste gezielter als sonst auf die professionellen Anleger zugehen, um das Papier gut unterzubringen.

Dabei ist der Markt erst im vergangenen Jahr richtig in Schwung gekommen. Vorher gab es die Papiere vor allem von Banken und Versicherern. Seit gut einem Jahr bewerten aber die Ratingagenturen auch bei anderen Unternehmen die hybriden Anleihen zum Teil als Eigenkapital. Das beflügelte das Angebot. Und Investoren griffen gerne zu, weil die Hybrids eine höhere Rendite als herkömmliche Unternehmensanleihen bieten. Die Renditen von Emissionen mit einem vergleichsweise sicheren Investment-Grade-Rating liegen mehr als zwei Prozentpunkte über denen von sicheren Bundesanleihen. Bei normalen Anleihen gibt es dagegen im Schnitt nur einen halben Prozentpunkt mehr Rendite als bei Zinspapieren des Bundes.

Dafür haben hybride Anleihen eine sehr lange oder sogar unendliche Laufzeit und im Falle einer Pleite des Schuldners, werden die Besitzer der Papiere erst nach den anderen Gläubigern bedient. Außerdem kann die Zinszahlung gestundet werden oder sogar ausfallen, wenn der Emittent bestimmte Finanzkennzahlen nicht erreicht. Die Unternehmen können die Spezial-Anleihen meist nach zehn Jahren zurückzahlen. Bei vielen Emissionen steigt nach dieser Zeit die Verzinsung deutlich. Ob die Bonds aber tatsächlich vorzeitig zurückgezahlt werden, ist nicht sicher.

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