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29.01.2007

07:00 Uhr

Bulle & Bär

Der Dax wird müde

VonUlf Sommer

In vier Jahren 200 Prozent gewonnen. Das schafften Sie keineswegs mit einigen wenigen hochriskanten Einzelaktien, sondern mit den 30 Werten im Deutschen Aktienindex (Dax). Angesichts solch einer imposanten Rally überrascht es kaum, wenn das Börsenbarometer seit einigen Wochen Ermüdungserscheinungen zeigt. Ein Ende der Hausse bedeutet das jedoch noch nicht.

DÜSSELDORF. Nach dem schweren Einbruch, durch den der Dax in drei Jahren drei Viertel seines Wertes verloren hatte, erholten sich ab Frühjahr 2003 zunächst alle Titel. Anschließend gewannen jene Aktien hinzu, deren Unternehmen es gelang, trotz schwacher Konjunktur die Gewinne kräftig zu steigern. Der Schlüssel dafür lag in Restrukturierungen, also effizienteren Produktionsprozessen, einschließlich Stellenabbau.

Schließlich legten in einer dritten Phase die Anteilsscheine jener Firmen zu, die ihre Gewinne dank weiterer Kostensenkungen und einer anziehenden Wirtschaft auf Rekordhöhe steigerten. Dazu gehörten Industrietitel wie BASF, Thyssen-Krupp und MAN. Seit einigen Monaten aber stehen Aktien auf der Gewinnerliste, bei denen Anleger Übernahmephantasien ausmachen oder Konzernumbau-Storys wittern. Commerzbank und Deutsche Telekom sind solche Fälle. Gemeinsam ist ihnen, dass Anleger sich hier von der Realwirtschaft lösen und ungewissen Visionen zuwenden.

Das ist nicht verwunderlich, bieten doch die bisherigen Kurstreiber – Restrukturierungen und Wirtschaftsaufschwung – nicht mehr viel Zugkraft. Zwar senken die Konzerne weiter ihre Kosten, aber neu sind diese Storys nicht. Und konjunkturell stehen die Ampeln zwar weiter auf grün. Doch nach drei Rekordgewinnjahren in Folge wird es für die Firmen immer schwerer, ihre Erträge zu steigern. Einfach deshalb, weil die Messlatte immer höher liegt. Resultat ist, dass Anleger immer weniger stichhaltige Gründe finden, Aktien zu kaufen. Neue Storys müssen also her.

Entweder beweisen die Unternehmen in ihren jetzt anstehenden Quartals- und Jahresbilanzen, dass Einsparungen und Effizienz noch längst nicht ausgereizt sind. Das hieße, Gewinne und Margen ließen sich weiter kräftig steigern. Eine andere Möglichkeit: Die Konjunktur brummt weiter, und die wieder mal erwartete Nachfrageschwäche aus den USA fällt auch 2007 aus. Beide Varianten haben viel für sich.

Dritte Alternative: Neue Anleger entdecken den Aktienmarkt. Dann träfe das Aktienangebot auf eine größere Nachfrage. Die Kurse würden steigen. Angesichts sinkender Aktionärszahlen in Deutschland erscheinen die Voraussetzungen dafür zwar gering. In den letzten fünf Jahren verabschiedete sich ein Fünftel der Aktien- und Fondsbesitzer von der Börse. Selbst 2006, das vierte positive Aktienjahr in Folge, änderte daran nichts. Andererseits gilt auch hier: Jeder Trend endet einmal, und jeder Abschwung mündet in einen Aufschwung.

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