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29.03.2011

07:11 Uhr

Bulle & Bär

Der Kampf gegen Schulden mit noch mehr Schulden ängstigt die Älteren

VonIngo Narat

Rund 65 Prozent der Deutschen machen sich wegen der EU-Lage keine Sorgen um ihre Ersparnisse. Doch mit zunehmendem Alter steigt auch die Besorgnis.

Sachwerte wie Immobilien und Aktien bieten eine gewisse Sicherheit gegen Wertschwund im Geldbeutel. Quelle: dpa

Sachwerte wie Immobilien und Aktien bieten eine gewisse Sicherheit gegen Wertschwund im Geldbeutel.

FrankfurtDie Themen vor der eigenen Haustür gehen im aktuellen Medienrummel zunehmend unter. Zunächst dominierte Guttenbergs Doktorarbeit die Berichterstattung, dann der skrupellose Versuch Gaddafis, die Freiheitsbewegung in Libyen blutig zu ersticken. Momentan sind es die Katastrophen in Japan und die Atomdebatte. Das EU-Schuldenspektakel dürfte für viele Beobachter fast zur Nebensächlichkeit geschrumpft sein.

Eine Gemeinschaft der Willigen hat den Weg endgültig festgelegt. Der Euro soll erhalten werden, und das um jeden Preis. Die Reichen stehen für die Armen ein, besser gesagt, die weniger verschuldeten Mitgliedsländer für jene, denen die Schulden schon längst über den Kopf gewachsen sind.

Nun lautet die Frage: Ist das für die Deutschen gut oder schlecht? Risiken für die Geldwertstabilität birgt die jetzige Politik durchaus. Schuldenbekämpfung mit noch mehr Schulden funktioniert langfristig nicht. Sie verschiebt eine endgültige Lösung höchstens in die Zukunft. Diese Sichtweise teilen die meisten Experten.

Die deutsche Fondsgesellschaft Union Investment urteilte gestern anders. Ihre Analysten kommentierten in einer Pressemitteilung, mit der „Fortführung des Rettungsschirms wird die Europäische Währungsunion nun einen ersten Schritt Richtung Transferunion vollziehen, um die Staatsschuldenkrise auf Dauer zu lösen“.

Wenn Geldwerte schrumpfen, triumphieren die Sachwerte

Demnach ist alles in Butter. In der gleichen Mitteilung veröffentlichte das Fondshaus der Volks- und Raiffeisenbanken die Ergebnisse einer Umfrage unter deutschen Anlegern zu genau diesem Thema. Und die Anleger sind auf den ersten Blick ebenfalls guter Dinge. Rund 65 Prozent machen sich wegen der EU-Lage keine Sorgen um ihre Ersparnisse. Doch halt, sogar Union Investment stellt fest: „Interessant ist, dass mit zunehmendem Alter die Besorgnis steigt.“

Das ist kaum verwunderlich, denn die Älteren kennen höhere Inflationsraten noch aus eigener Lebenserfahrung. Die Senioren wissen, was schrumpfende Geldwerte für den eigenen Geldbeutel und das Ersparte bedeuten. Immerhin gibt die Fondsgesellschaft den Inflationsängstlichen auch einen Rat: Sachwerte wie Aktien, Immobilien oder Rohstoffe im Depot berücksichtigen. Sachwerte bieten eine gewisse Sicherheit gegen Geldwertschwund.

So mag die Euro-Analyse der Fondsstrategen politisch zwar korrekt sein. Doch die mit der Transferunion eingehandelten Probleme werden verharmlost. Dennoch geht der Fingerzeig auf Sachwerte in die richtige Richtung. Manchmal gelangt man auch auf Umwegen zum Ziel.

Kommentare (6)

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Neubau

29.03.2011, 08:03 Uhr

Wenn man Schulden (ob in Amerika oder Europa) mit immer neuen Schulden (Geld drucken) bezahlen kann (wie derzeit),
was wurde eigentlich 1923 (Hyperinfaltion)falsch gemacht? Das Prinzip ist doch das gleiche. Oder funktioniert nur die Propaganda besser?

Fassungslos

29.03.2011, 09:05 Uhr

"So mag die Euro-Analyse der Fondsstrategen politisch zwar korrekt sein. Doch die mit der Transferunion eingehandelten Probleme werden verharmlost. "

Sollte das BVG und der Bundestag die Transfer- und Schuldenunion abnicken, war es das mit der Demokratie in Deutschland. Vielleicht wird noch ein paar Jahre Kaperletheater im Reichstag gespielt aber wenn die Schuldenbombe platzt, kommen Extremisten an die Macht. Mit recht: was nicht funktioniert muss gehen. Liebe MdBs und Verfassungsrichter: bitte seid euch eurer Verantwortung bewusst - IHR stellt die Weichen!

Petra

29.03.2011, 10:40 Uhr

65% machen sich keine Sorgen. Anderst ausgedrückt: 35% machen sich sorgen!!!
Bei den 65% sind auch Gruppen dabei, die sich grundsätzlich keine Sorgen machen, wie Hartz-4 Empfänger, Beamte und Pensionäre.
35% + X wäre eine gewaltige Größe in der nächsten Bundestagswahl. Ob Frau Merkel das diesmal berücksichtigt?

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