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22.01.2008

07:00 Uhr

Bulle und Bär

Der schöne Schein

VonIngo Narat

Zahlentabellen sind das Wichtigste beim Fondskauf. Doch bei den so genannten Performancestatistikendiesen kann sich der Anleger in den nächsten Wochen auf einiges gefasst machen: Dann werden die gängigsten Zahlenkolonnen mit Superrenditen locken, die mit der Aktualität und erst recht mit der Zukunft rein gar nichts mehr zu tun haben.

FRANKFURT. Performancestatistiken sind jene Listen, in denen die Produkte einer Anlageklasse nach ihrer Wertentwicklung sortiert sind. Der beste Fonds steht oben, der schlechteste unten. Wichtigste Langfristorientierung bieten die gängigen Rangfolgen über fünf und zehn Jahre. Die letzte und spektakuläre Hausse an den Aktienmärkten startete im Frühjahr 2003. Sie wird demnächst genau fünf Jahre alt werden. Mit anderen Worten: Die Tabellen werfen dann die bestmöglichen Renditen aus. Bei den Fonds für deutsche Standardwerte beispielsweise dürfte ein Durchschnittsplus von über 25 Prozent pro Jahr zu Buche stehen.

Wehe dem, der diese und ähnliche Spitzenwerte für andere Aktienfondsgruppen bedenkenlos nach vorne projiziert. Derartige Erträge sind in den kommenden Jahren für die etablierten Märkte völlig unrealistisch.

Etwas größere Prognosekraft haben die Werte aus den Zehnjahrestableaus. Der Zeitraum bindet auch noch die Baisse ab Anfang des Jahrtausends ein. Den Abschwung und anschließenden Aufschwung eingerechnet kommt der Dax auf annähernd fünf Prozent Durchschnittsrendite pro Jahr. Das dürften viele deutsche Aktienfonds geschafft haben. Doch selbst hinter der Erwartung einer zukünftigen Fünfer-Rendite stehen viele Fragezeichen: In Amerika steht ein kräftiger Konjunkturabschwung bis hin zur Rezession an, die Hypothekenkrise hat sich zu einer allgemeinen Finanzkrise ausgeweitet, die Inflation steigt.

Den Spekulationen sind Tür und Tor geöffnet. Die Liebhaber des schönen Scheins würden gerne weiter mit 25 Prozent Rendite operieren. Sie könnten dann in fünf Jahren einen Dax von über 20 000 Punkten bejubeln. Skeptiker dagegen müssen für Gruselszenarien nur eine Rückkehr auf das Niveau von Anfang 2003 ins Spiel bringen: Bei 2 200 Punkten lag der wichtigste deutsche Aktienindex seinerzeit.

Vielleicht wird sich die Debatte zwischen Bullen und Bären erübrigen. Der Jahresauftakt an den Börsen spielte jedenfalls den Skeptikern in die Hände. Gestern fand die Abwärtsdrift ihren vorläufigen Höhepunkt: Der Dax und seine europäischen Kollegen gaben die schlechteste Tagesvorstellung seit langem. So ist es durchaus möglich, dass auch die Fondsrenditen wegen erwiesener Krankheit des Aktienpatienten die 25-Prozent-Marke gar nicht mehr erleben.

Die Anlagerisiken sind genau so einzuschätzen wie das aktuelle Kursniveau: hoch. Möglichst geringe Aktien- und Aktienfondsbestände bleiben das Gebot der Stunde. Für Käufe ist es noch zu früh.

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