Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.01.2006

06:46 Uhr

Die wenigen Börsianer, die in der vergangenen Woche nicht noch im Weihnachtsurlaub waren, kamen an den ersten Handelstagen des neuen Jahres aus dem Staunen nicht heraus. Die zu 55,55 Euro ausgegebene Aktie des Börsenwinzlings Neosino Nanotechnologies stieg am Mittwoch, ihrem ersten Handelstag, zu 91 Euro an der Börse ein, am Donnerstag legte sie bis auf 114 Euro zu und am Freitag letztlich bis auf 139 Euro. Wahnsinn, Irrsinn, verkehrte Welt?

Das erst ein Jahr alte Unternehmen aus dem hessischen Griesheim, das mit einem neuartigen Mahlverfahren Mineralien wie Silizium in winzigste Nanopartikel zerkleinert und in den ersten neun Monaten seines Bestehens gerade mal eine halbe Million Euro umgesetzt hat, ist an der Börse inzwischen 185 Millionen Euro wert. Rational ist dies nicht zu begründen. Selbst Firmenchef Edmund Krix scheint die Sache nicht ganz geheuer zu sein. Gab er doch bei Handelsstart von sich, dass er auch mit einem Börseneinstieg zwischen 60 und 65 Euro zufrieden gewesen wäre.

Was treibt nun diejenigen Anleger, die noch immer in die Aktie einsteigen? Es ist in erster Linie die Aussicht darauf, dass in Zukunft die hochtrabenden Unternehmensziele zumindest in Teilen aufgehen. Dass es die breite Masse der Freizeitsportler den Stars von Bayern München nachtut und die Nahrungsergänzungs- und Regenerationsmittel von Neosino zu sich nimmt. Dass die Pharma-Industrie Lizenzen bei Neosino einkauft, um sie auf allen erdenklichen Feldern von der Schuppenflechte bis zur Neurodermitis, von der Wundheilung bis zu Rheuma und sogar gegen Krebs einsetzen zu können. Oder dass Straßenbauer in Zukunft auf das neue Verfahren setzen, um den Boden zuerst mit Kleinstteilen aus Polymeren zu verdichten, damit anschließend weniger Teer aufgetragen werden muss.

Wem dies alles wie ein Märchen aus 1001er Nacht erscheint, der befindet sich auf der Seite der überwältigenden Mehrheit. Allerdings muss hinzugefügt werden, dass der Großteil der deutschen Anleger Aktien generell noch immer skeptisch gegenüber steht, was obige Aussage etwas relativiert.

So gesehen wird deutlich, dass es lediglich eine kleine Gruppe ist, die den Neosino-Kurs treibt. Muss auch, schließlich befinden sich nur knapp 350 000 Aktien im freien Umlauf. Diese Spekulanten setzen nicht darauf, dass alle Erwartungen des Unternehmens in Erfüllung gehen. Ihnen würde es genügen, wenn beispielsweise ein Patent an die Pharma-Industrie verkauft werden könnte oder eine große Drogerie-Kette die Sportler-Produkte in ihr Sortiment aufnehmen würde.

Allein dadurch könnte sich der Kleinstumsatz des ersten Firmenjahres ver-X-fachen, was den Hype um die Aktie am köcheln halten würde. Und wenn nicht? Dann wird Neosino den Gang gehen, den vor ihm gerade zu unseeligen Zeiten des Neuen Marktes viele gegangen sind. Allzu viele Anleger wären nicht geschädigt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×