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24.08.2011

09:01 Uhr

Bulle & Bär

Der Zins - ein Fall für den Psychiater

VonIngo Narat

Der Zins ist nicht mehr gesund. Als Entgelt für das Überlassen von Kapital war er gedacht. Das war einmal. Heute ist alles anders. Warum uns die Welt der Zinsen verwirrt zurücklässt.

Handelsblatt-Redakteur Ingo Narat versteht die Welt der Zinsen nicht mehr. Pablo Castagnola

Handelsblatt-Redakteur Ingo Narat versteht die Welt der Zinsen nicht mehr.

FrankfurtDer Zins ist verhaltensgestört, ein Fall für den Psychiater. Wenn Anleger freiwillig eine Bundesanleihe mit einer jährlichen Rendite von mickrigen 0,7 Prozent kaufen, ist das kaum zu verstehen. Bei noch kürzeren Laufzeiten kreisen die Effektivverzinsungen knapp über der Null. Heute ist Zins eben etwas anders als früher. Er ist in Zeiten der Schuldenexzesse und drohender Staatspleiten ein Spiegel der Kreditwürdigkeit.

Deutschland gilt als kreditwürdig. Bonität ist das neue Maß aller Dinge. Deshalb erleben wir einen Run auf alle Werte, die als erstklassig in diesem Sinne angesehen werden. Leider dünnt die Palette aus. So verteilen sich die Kapitalströme auf immer weniger Zielobjekte. Bei den Staatsanleihen sind Deutschland und die USA sowie einige kleinere Länder heiß begehrt. Ein positiver Run kann beiden Ländern nur recht sein. So kollabieren sie nicht unter der Last der Zinszahlungen.

Aber es gibt Ausnahmen. Unser Nachbar Schweiz ächzt unter dem einfließenden Geld und wehrt sich dagegen mit allen Mitteln. Der Franken wertet massiv auf und macht der Exportwirtschaft dadurch Probleme.

Einige Aktien sind sicherer als so manche Staatsanleihe

Wie verwirrt die Zinswelt derzeit ist, lässt sich am Beispiel Schweiz gut studieren. Schweizerische Anleihen mit zwei Jahren Laufzeit haben mittlerweile eine Minusrendite. In Zahlen: -0,2 Prozent. Voller Überzeugung gibt der Anleger sein Geld, wohl wissend, dass er am Ende der Laufzeit weniger zurückerhält. Er bekommt also nicht nur keinen Zins, sondern verliert auch noch. Das ist nicht normal.

Ein sicherer Verlust ist der Preis der Sicherheit. Es ist genauer gesagt der Preis, den Anleger für eine vermutete Sicherheit zu zahlen bereit sind. Am Anleihemarkt sind sie bereit, viel zu zahlen beziehungsweise zu verzichten. Von Aktien dagegen wollen sie nichts wissen. Allein in den vergangenen Wochen sind deutsche Titel, gemessen am Dax, um ein Viertel billiger geworden.

Verkehrte Welt: Anleger verkaufen Aktien. Doch einige Unternehmen sind gesünder als manche Staaten. Das gilt zumindest dann, wenn man den gleichen Maßstab wie bei Staatsanleihen anlegt: Bonität und Überlebensfähigkeit. Wer beispielsweise wählen müsste zwischen einer griechischen Anleihe und einer Coca-Cola-Aktie: Wie würde er entscheiden? Eine rhetorische Frage.

Kommentare (5)

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ThomasNeuhold

24.08.2011, 10:13 Uhr

Das ist leider ein außergewöhnlich dummer und oberflächlicher Artikel. Kennen Sie Unternehmen, die Gesetze machen und ihre Umsätze per Gesetz steigern können? Fragt Sie der Staat, ob und zu welchem Preis Sie seine Leitungen erwerben wollen? Der Unterschied zwischen Eigenkapital und Fremdkapital ist außerdem in letzter Zeit etwas für Spezialisten geworden...

Einanderer

24.08.2011, 10:32 Uhr

Der Zins alleine macht's nicht, es kommt noch der Kursverlauf mit dazu. Diese Einsicht wirkt sozusagen heilend.

Friedrich

24.08.2011, 10:43 Uhr

Trotz ihres VWL Studiums Herr Narat, verstehen sie wie der Vorredner bereits richtig anmerkt, nicht nur die Welt der Zinsen nicht...Griechenland könnte unter Umständen ja auch eine höhere Rendite als Coca Cola liefern.

Machen Sie bitte etwas anderes, ich erwarte etwas mehr Substanz vom Handelsblatt. (die ständigen Artikel von Vermögensverwaltern, die auf aktive Fonds und auf Aktien in der beschissensten Lage schwören, um ihren Umsatz zu steigern, nerven auch allmählich!)

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