Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.01.2008

07:02 Uhr

Bulle und Bär

Deutsche Post: Ein vernünftiger Rückzug

VonAxel Granzow

Schwere Zeiten für die Aktie der Deutschen Post. Spekulationen über einen Ausstieg aus dem defizitären Express- und Paketgeschäft in den USA und die Diskussion über die Entwicklung auf dem deutschen Briefmarkt schütteln das Papiere heftig durch.

DÜSSELDORF. Sah Post-Chef Klaus Zumwinkel zunächst wie der sichere Sieger in Deutschland aus, nachdem der Mindestlohn eingeführt wurde und mit der Pin Group einer der größten Konkurrenten vor dem Aus steht, kippt nun die Stimmung an der Börse langsam wieder

.

Zum einen scheint die Pin Group unter neuer Führung wieder Tritt zu fassen. Zum anderen formiert sich neuer Widerstand gegen Mindestlohn und Mehrwertsteuerbefreiung der Post. Post-Konkurrenten wie TNT Post zahlen weiterhin niedrigere Gehälter. Ein juristisches Nachspiel um den Mindestlohn zeichnet sich ab. Auch in der Regierungskoalition wird wieder über die Post gestritten. Dieses Mal geht es um die Mehrwertsteuer. Die Konkurrenten dürfen auf Gleichbehandlung hoffen. Der Wettbewerb im Briefmarkt muss wohl doch noch nicht abgeschrieben werden.

Dazu droht der Post von operativer Seite Ungemach. Denn die Probleme im defizitären US-Expressgeschäft sind offenbar größer als bislang vermutet - und von der Post bestätigt. Dies könnte die politische Diskussion sogar überlagern. Zwar hat Zumwinkel inzwischen Probleme in den USA eingestanden und hält nicht mehr an dem unglaubwürdig gewordenen Ziel fest, dort bis 2009 die Gewinnzone zu erreichen. Doch eine Studie von Morgan Stanley lässt Schlimmeres befürchten. Pikantes Detail am Rande: Zumwinkel sitzt bei der US-Bank im Aufsichtsrat.

Morgan Stanley hat ausgerechnet, dass die US-Expresstochter 2007 einen Verlust von 900 Mill. Dollar erzielt hat. Die Post hatte letztmals 2004 einen Verlust von 615 Mill. US-Dollar im US-Expressgeschäft ausgewiesen und dann die Berichterstattung eingestellt. Ein neues Gewinnziel hat Zumwinkel bis heute nicht verkündet. Morgan Stanley sieht bereits Parallelen zu Daimler oder BMW und erinnert an die positive Reaktion der Anleger auf den radikalen Rückzug aus Chrysler und Rover.

Die Post hat aber offenbar erkannt, dass die Probleme in den USA struktureller Natur sind und prüft derzeit "alle Optionen", wie es in Bonn heißt. Doch kommt wohl ein Verzicht auf das Geschäft jenseits des Atlantiks nach dem Vorbild der holländischen TNT kaum in Frage. Das wäre schlicht zu teuer und würde viele Kunden zu den Konkurrenten UPS und Fedex treiben.

Aber es wird mit Sicherheit Veränderungen geben. Spekuliert wird beispielsweise über einen teilweisen Rückzug und eine Kooperation mit Fedex, UPS oder der US-Post, um die Lücken zu schließen. Dann könnte DHL Netzwerk und Service zurückfahren und sich auf die Rosinen konzentrieren. Zumwinkel wäre dennoch in den USA gescheitert. Denn DHL würde zu seinen Ursprüngen vor Übernahme durch die Post zurückkehren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×