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20.02.2012

09:45 Uhr

Bulle & Bär

Die Analysten liegen richtig - nur zu früh

VonChristian Schnell

Die Prognosen der Analysten haben sich nach nur fünf Wochen erfüllt. Doch was machen wir nun in den mehr als zehn Monaten, die von diesem Jahr noch übrig sind?

Experten zufolge soll es mit starken Schwankungen in diesem Jahr weitergehen. Reuters, Sascha Rheker

Experten zufolge soll es mit starken Schwankungen in diesem Jahr weitergehen.

FrankfurtAktienstrategen haben es nicht leicht. Dass die Börsen jemals das tun, was sie prophezeien, passiert ungefähr so oft wie Schnee an Ostern. Den gibt es, er ist aber relativ selten, könnte man sagen. Um wieder auf die Strategen zurückzukommen: Ob es am Ende Zufall, Glück oder tatsächlich eine große Prognoseleistung war, wenn sie mal richtigliegen, ist dann eigentlich auch schon egal.

Vom heutigen Rosenmontag mal abgesehen, haben die meisten von ihnen in diesen Tagen im Februar ein großes Problem: Ihre Prognosen, die sie noch vor Weihnachten für das Jahresende 2012 abgegeben haben, waren schon nach fünf Wochen erreicht. Seither tritt man mehr oder weniger auf der Stelle. Die entscheidende Frage ist nun: Was machen wir jetzt in den mehr als zehn Monaten, die von diesem Jahr noch übrig sind?

Jetzt gleich die Prognosen weiter nach oben zu schrauben, sähe blöd aus. Unweigerlich müsste man sich fragen lassen, warum dies nicht vor zwei Monaten zu sehen war. Und vor allem: Was hat sich seither Bahnbrechendes geändert, dass man das damals nicht sehen konnte? Die Laune, die jetzt landauf, landab als Indikator für den kräftig steigenden Dax angeführt wird, war schließlich vor Weihnachten auch gut. Sonst hätten die Leute nicht eingekauft wie selten zuvor.

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Das Geschäft, mit dem Traum per Knopfdruck reich zu werden, boomt. Dabei packt die Gier auch solche, die sonst mit Vorliebe die Zockermentalität der Banken beklagen. Wie schnell das geht, zeigt ein Experiment.

Die offizielle Lesart der Experten lautet jetzt, es werde mit starken Schwankungen in diesem Jahr weitergehen. Um die Dimensionen darzustellen, wählt man eine Bandbreite von 5000 bis 7500 Punkten im Dax. Damit liegt man in der Regel nie verkehrt. Und wenn es außerhalb dieser Marken gehen sollte, dann sind dafür ohnehin ungewöhnliche Gründe verantwortlich, die für uns alle plötzlich und unerwartet kommen würden.

Das Ganze hat aber noch eine andere Dimension. Weiterhin sind viele an der Börse durch die immense Wucht des Börsenbebens in den Jahren 2007 bis 2009 so verunsichert, dass ihnen jeglicher Überschwang suspekt erscheint. Das gilt speziell für die volkswirtschaftlichen Abteilungen, wo es noch immer genügend Experten gibt, die Wörter wie „Rezession“, „Deflation“ oder „unkontrollierte Staatspleiten“ in den Mund nehmen, wenn sie über die nächsten Monate reden. Das sagen sie seit mehr als einem halben Jahr und ihr Einfluss ist zweifellos geringer geworden. Aber er ist trotzdem weiter da, was sich gerade jetzt wieder zeigt. „Angst vor der eigenen Courage“ nennt man das im Volksmund.

Analysten-Prognose für 2012 (Jahresendstand)

Baader Bank

Dax: 6.800; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,5%; Euro/Dollar: 1,30 $

Quelle: Handelsblatt-Kapitalmarkt-Umfrage vom 29.12.2011

Bank Julius Bär

Dax: 6.700; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,25%; Euro/Dollar: 1,46 $

Bank Sarasin

Dax: 6.800; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 3,0%; Euro/Dollar: 1,35 $

Bankhaus Lampe

Dax: 7.200; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,5%; Euro/Dollar: 1,38 $

Bayerische Landesbank

Dax: 6.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,4%; Euro/Dollar: 1,45 $

Berenberg Bank

Dax: 7.000; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 3,2%; Euro/Dollar: 1,40 $

Bethmann Bank

Dax: 6.200; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,25%; Euro/Dollar: 1,35 $

BHF-Bank

Dax: 6.350; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,4%; Euro/Dollar: 1,30 $

BNP Paribas

Dax: 6.400; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,4%; Euro/Dollar: 1,40 $

Citi

Dax: 7.000; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 1,5%; Euro/Dollar: 1,26 $

Commerzbank

Dax: 6.400; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,4%; Euro/Dollar: 1,25 $

DekaBank

Dax: 6.500; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,6%; Euro/Dollar: 1,40 $

Deutsche Bank

Dax: 6.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 3,0%; Euro/Dollar: 1,35 $

DZ Bank

Dax: 6.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,0%; Euro/Dollar: 1,40 $

Ellwanger & Geiger

Dax: 6.200; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,85%; Euro/Dollar: 1,23 $

Fürst Fugger Privatbank

Dax: 6.250; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,65%; Euro/Dollar: 1,22 $

Haspa

Dax: 6.250; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 3,0%; Euro/Dollar: 1,30 $

Hauck & Aufhäuser

Dax: 6.300; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,7%; Euro/Dollar: 1,35 $

Helaba

Dax: 7.000; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,8%; Euro/Dollar: 1,45 $

HSBC Trinkaus

Dax: 5.700; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,6%; Euro/Dollar: 1,44 $

JP Morgan

Dax: 6.850; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,0%; Euro/Dollar: 1,38 $

LBBW

Dax: 7.500 (vorher: 6.500); Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,5%; Euro/Dollar: 1,30 $

M.M.WArburg & Co.

Dax: 6.000; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,5%; Euro/Dollar: 1,25 $

National Bank

Dax: 7.000; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,4%; Euro/Dollar: 1,30 $

Natixis

Dax: 6.500; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,2%; Euro/Dollar: 1,35 $

Nomura

Dax: 7.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: k.A.; Euro/Dollar: 1,25 $

NordLB

Dax: 6.100; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,7%; Euro/Dollar: 1,25 $

Postbank

Dax: 7.250; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,5%; Euro/Dollar: 1,25 $

Royal Bank of Scotland

Dax: 7.380; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 1,6%; Euro/Dollar: 1,37 $

Santander Cons. Bank

Dax: 6.500; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,8%; Euro/Dollar: 1,35 $

Société Générale

Dax: 5.500; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,1%; Euro/Dollar: 1,30 $

Syz & Co.

Dax: 6.500; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,5%; Euro/Dollar: 1,25 $

UBS

Dax: 6.300; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,4%; Euro/Dollar: 1,25 $

VP Bank

Dax: 6.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,35%; Euro/Dollar: 1,30 $

West LB

Dax: 6.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,7%; Euro/Dollar: 1,40 $

WGZ-Bank

Dax: 6.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,3%; Euro/Dollar: 1,30 $

Richtig spannend wird es erst, wenn der Dax - auch angetrieben vom Milliardensegen der EZB - die 7000er-Marke deutlich überschreitet. Dann

sind nahezu alle Prognosen Makulatur. Dann muss man endlich Klartext reden.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

20.02.2012, 09:57 Uhr

Was für eine Blödsinn. Vor ca. 2. Wochen wurde von den Analysten noch der große Rückschlag vorhergesagt.... mal gespannt. Analysten sind so unnütz wie Darmkrebs.

unfassbar

20.02.2012, 11:06 Uhr

Ich kann dieses Analysten - Gerede nicht mehr hören. Ich verfolge täglich die HP der Frankfurter Börse. Was da Analysten Anfang des Jahres abgeliefert haben... 6- . Würde der Rest der Welt so arbeiten wie diese Herrn, dann wären wir aus dem Neandertal niemals raus gekommen.

Godfather

20.02.2012, 16:40 Uhr

Prognosen sind meiner Meinung dafür da, damit sich Neulinge an der Börse sicherer fühlen. Wer vernetzt denken kann, braucht solche "Werkzeuge" nicht.

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