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10.01.2010

19:29 Uhr

Bulle & Bär

Die Entdeckung der Immobilien

VonChristian Schnell

Weihnachten ist vorbei, Silvester und Dreikönige, der Klimagipfel und der Urlaub. Und ein richtiger Winter ist diesmal auch. Wenn ab heute die Handelssäle wieder in Mannschaftsstärke besetzt sind, dann geht es darum, wo in diesem Jahr am meisten zu holen sein wird.

FRANKFURT. Viele Experten prophezeien das Jahr der Immobilienaktien. Völlig unabhängig von Kurschancen und den Vorlieben der Investoren fragt man sich, warum das nicht schon immer so war. Schließlich ist der Sektor mit rund 700 000 Unternehmen von Hochtief bis zum kleinen Handwerker der größte in Deutschland. Allein 3,8 Mio. Menschen arbeiten dort, haben Analysten der DZ Bank gerade errechnet.

Die könnten in nächster Zeit noch mehr zu tun bekommen, schärfen doch der so wenig ergiebige Klimagipfel in Kopenhagen und der Wintersturm „Daisy“ vom Wochenende das Bewusstsein vieler Immobilienbesitzer und -investoren, dass diese Geldanlage einen noch höheren Wert hätte, wenn sie nur weniger Energie verbrauchen würde. Schließlich sind Gebäude der größte Energieverbraucher weltweit mit einem Anteil von mehr als einem Drittel.

Wer also das Klima zumindest ein bisschen schützen will, der muss dämmen. Und wer als Immobiliengesellschaft an der Börse notiert ist und seine Bestände vermieten oder verkaufen will, der muss Projekte anbieten, die auf dem neuesten Stand sind. Schlagworte wie Green Building, nachhaltige Immobilie oder Null-Emissions-Haus machen seit längerem die Runde. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang, dass nicht nur bei Planung und Bau diese Überlegungen mit eingehen, sondern der gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes in die Berechnungen zur Energieeffizienz einfließt. In der Summe wird nämlich nur 20 Prozent der gesamten Energie während der Bauphase verwendet, die verbleibenden 80 Prozent in den Jahrzehnten danach.

Weil dies inzwischen bei den meisten börsengelisteten Immobiliengesellschaften angekommen ist, halten Aktienstrategen diese lange vernachlässigte Anlageklasse dieses Jahr für eine gute Wahl. Zumal noch etliche andere Gründe außerhalb aller Nachhaltigkeitsüberlegungen dafür sprechen. Seit Jahren entstehen in Deutschland zu wenige Neubauten, ebenfalls besteht in vielen Regionen seit langem die Sondersituation, dass Altbauten weitaus günstiger zu kaufen und zu renovieren als Neubauten zu erstellen sind. Hinzukommen nach wie vor sehr niedrige Zinsen, die Investoren in die Branche ziehen und die privaten Haushalte intensiv darüber nachdenken lassen, ob sie noch länger zur Miete wohnen sollten. Es spricht seit langem nicht mehr soviel für Immobilienaktien wie im Moment.

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