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12.04.2006

07:00 Uhr

Bulle & Bär

Die Inflation kehrt zurück

VonIngo Narat

Nie mehr verlieren, nur noch gewinnen. Das suggerieren die gängigen Performancestatistiken für die jüngere Vergangenheit. Egal, ob Aktien, Anleihen, Rohstoffe oder alternative Investments: Alles liegt im Plus! Die Vervielfachung seines Einsatzes war dabei durchaus möglich.

FRANKFURT. Doch nun scheinen die Zeiten des sorglosen Geldverdienens vorbei zu sein. In ersten Umrissen zeichnen sich neue Strukturen an den Kapitalmärkten ab. Sie dürften dafür sorgen, dass die zukünftigen Wertentwicklungen völlig anders aussehen als die der vergangenen Jahre.

Treibende Kraft ist die laxe Geldpolitik unter dem ehemaligen US-Notenbankchef Alan Greenspan. Er schüttete so viel Liquidität in die Märkte, dass die Aktien-, Anleihe- und Rohstoffbörsen nur in eine Richtung laufen konnten: nach oben. Doch es gibt auch die andere Seite der Medaille.

Die Diskussionen kreisen um eine denkbare liquiditätsgetriebene Inflationsbeschleunigung. Viele Marktteilnehmer ignorieren das. Sie registrieren zwar den Renditeanstieg. So kletterte die Effektivverzinsung der zehnjährigen US-Staatsanleihe in nur einem halben Jahr von vier auf fünf Prozent. Doch die Großanleger bleiben entspannt, weil sie eine Konjunkturberuhigung und daher keine anhaltenden Renditesteigerungen erwarten.

Aber Anleihemärkte sind sensible Barometer und können zukünftige steigende Inflationsraten vorwegnehmen. Wenn viele Investoren ein solches Szenario ausblenden, mag man das auch der Gewöhnung zuschreiben. Immer wieder in den vergangenen Jahren irrten sich die Profi-Analysten. Zu oft schon sagten sie Renditeanstiege voraus.

Heute ist die Lage anders. Inflation wird nach Ansicht einiger Querdenker wieder ein Thema. Vor allem die steigenden Rohstoffpreise haben die US-Geldentwertungsrate innerhalb weniger Jahre von einem auf fünf Prozent steigen lassen. In entsprechenden Grafiken zeigt die Kurve steil nach oben.

Sogar Greenspan-Vorgänger Paul Volcker, der in den achtziger Jahren erfolgreich eine zweistellige Inflation bekämpft hatte, machte seinen Sorgen öffentlich Luft. Als er gegen die Geldentwertung antrat, lag auch die langfristige Rendite mit 14 Prozent in Schwindel erregender Höhe. Wenn der einstige Held sich ängstigt, unterstreicht das die Gefahr.

Anleger sind nun gefordert wie selten in der Vergangenheit. Langfristig dürften steigende Anleiherenditen auch die Aktienbörsen belasten. Unter diesen Vorzeichen lautet die Botschaft für konservative Anleger: Vermögen erhalten wird wichtiger als Mehrrenditen nachzujagen – die nur noch unter Inkaufnahme hoher Risiken erzielbar sind.

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