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02.09.2012

15:36 Uhr

Bulle und Bär

Die Ruhe vor dem Sturm am Anleihemarkt

VonAndrea Cünnen

Anleger sollten sich nicht von der Erholung am italienischen und spanischen Anleihemarkt täuschen lassen. Die Hoffnung auf die EZB hat nur kurze Beine, denn die Risiken bleiben hoch.

Italienische Fußballfans bangen um ihre Mannschaft. Der Markt für italienische Anleihen bleibt riskant. dapd

Italienische Fußballfans bangen um ihre Mannschaft. Der Markt für italienische Anleihen bleibt riskant.

FrankfurtMit spanischen und italienischen Anleihen haben Investoren in den vergangenen fünf Wochen ordentlich verdient. Davon sollten sich Privatanleger, die Anleihen als sichere Anlage bis zur Fälligkeit halten wollen, aber nicht täuschen lassen. Die Risiken bei spanischen und italienischen Bonds sind zu hoch.

Geschuldet ist die jüngste Rally der Anleihen der beiden Südländer der Europäischen Zentralbank (EZB). Als deren Präsident Mario Draghi vollmundig erklärte, die Notenbank werde alles tun, um den Euro zu retten, entfachte er neue Hoffnungen auf weitere Anleihekäufe der Notenbank. Weitere, ähnliche Gerüchte folgten. Hinzu kommen noch die Diskussionen, ob nicht auch der Rettungsschirm ESM Anleihen der Euro-Krisenländer kaufen könnte.

Die Anleihemärkte haben darauf prompt reagiert: Die Kurse steigen, und so fiel seither im Gegenzug die Rendite. Bei zehnjährigen spanischen Anleihen etwa sank sie um knapp einen Prozentpunkt auf 6,7 Prozent.

„Heißer Herbst“ für die Euro-Retter - Der Fahrplan in der Krise

Ende September/Anfang Oktober

Die „Troika“ der internationalen Kreditgeber Griechenlands will ihren neuesten Bericht über die Fortschritte bei den Reformen veröffentlichen. Die Analyse der Experten von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) ist Grundlage für die Auszahlung der nächsten Kredittranche an Athen.

8. Oktober

Treffen der Euro-Finanzminister.

18. und 19. Oktober

EU-Gipfel in Brüssel. Dort könnten die Euro-Retter entscheiden, ob Athen weitere Kredite und möglicherweise mehr Zeit für sein Sparprogramm erhält oder ob der Geldhahn zugedreht wird. Im letzteren Fall droht Griechenland der Staatsbankrott mit anschließendem Euro-Austritt.

Hoffnungen auf die EZB lösen eine kurzfristige Positivspirale aus

Mit spanischen Anleihen aller Laufzeiten erwirtschafteten Anleger gemessen an Indizes der Bank of America Merrill Lynch in den vergangenen fünf Wochen einen Gesamtertrag aus Kursgewinnen und Zinseinnahmen von knapp acht Prozent, mit italienischen Anleihen ließen sich sechs Prozent verdienen. Diese Entwicklung könnte auch manchen Privatanleger zum Kauf verleiten. Doch Vorsicht: Die Wirtschaftslage der Staaten ist nach wie vor schlecht, und ob beide Länder in zehn Jahren ihre Anleihen komplett zurückzahlen, ist nicht sicher.

Beide Länder gehen zwar Reformen an, um die Staatsverschuldung zu senken. Doch das würgt die wirtschaftliche Entwicklung ab; Italien und Spanien stecken in der Rezession. Dazu kommt, dass Spanien wohl mindestens 60 Milliarden Euro aus den Euro-Rettungstöpfen für die Sanierung seiner maroden Banken braucht. Und einige spanische Regionen brauchen die Hilfe des Zentralstaats.

So viel kostet Europa

Rettungsfonds EFSM

Beim Rettungsfonds EFSM stehen 60 Milliarden Euro zu Buche. Der deutsche Anteil beträgt dabei 12 Milliarden Euro.

1. Rettungspaket für Griechenland (IWF und EU)

Griechenland erhielt durch das erste Rettungspaket 110 Milliarden Euro, 24 Milliarden davon kamen aus Deutschland.

Einlagensicherungsfonds (von Experten geschätzt)

Nach Schätzung der Citigroup müsste der von der EU-Kommission geforderte Einlagensicherungsfonds ein Volumen von 197 Milliarden Euro haben. Der deutsche Anteil läge dann bei bis zu 55 Milliarden Euro.

EZB-Staatsanleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank hat Staatsanleihen für 209 Milliarden Euro eingekauft. Der Bund ist daran mit 57 Milliarden Euro, also mehr als einem Viertel, beteiligt.

IWF-Beitrag zu den Rettungspaketen

Der Internationale Währungsfonds zahlte 250 Milliarden Euro für die Rettungspakete. Deutschland gab dafür 15 Milliarden.

Geplanter ESM

Der dauerhafte Rettungsschirm soll ein Volumen von 700 Milliarden Euro haben. Deutschland wäre daran mit 190 Milliarden Euro beteiligt.

Bürgschaften im Rettungsfonds EFSF

Der Rettungsfonds bürgt mit 780 Milliarden, Deutschland allein mit 253 Milliarden Euro.

Target-Verbindlichkeiten

Die Target-Verbindlichkeiten liegen innerhalb des EZB-Verrechnungssystem bei 818 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 349 Milliarden Euro.

Die Spekulationen auf die EZB-Hilfen haben zwar eine kurzfristige Positivspirale ausgelöst - aber die Umsätze sind gering geblieben. Um die Kurse zu treiben, reicht es, dass relativ wenige Investoren auf den fahrenden Zug aufspringen. Sie kaufen die Anleihen, um kurzfristig weitere Kursgewinne einzustreichen. Das kann aber schnell wieder kippen.

Kommentare (5)

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W.S

02.09.2012, 21:51 Uhr

Könnt Ihr Medien auch mal etwas positives über den Euro schreiben,
als nur Untergangsstimmung herbei zu beschwören.
Ein Nichteingreifen der EZB in die Anleihemärkte hätte verherende Folgen für die Südlander und den Euro. Die FED machts vor wie
es geht und die USA hat ein Toprating. Den schneit der Spekulanten abzukaufen, das muss das Ziel sein und nicht als
EZB von ihnen am Nasenring vorführen zu lassen. Am Ende steht
immer wieder eine Papierwährung nur die Dummen sind wir,das
Fussvolk und die Länder haben sich ihrer Schulden entledigt.
MfG
Walter Schmid

Account gelöscht!

02.09.2012, 22:46 Uhr

W.S. geht es noch? Bitte ihren Beitrag als Ironie oder Sarkasmus kennzeichnen!

DeutscherMichel

03.09.2012, 01:29 Uhr

Deutschland kann und darf jederzeit aus der EU/Währungsunion, wenn von Vorteil, austreten.
Also keine Panik, im Moment geht es Deutschland prächtig und es profitiert des Malheurs der anderen.
Wenn die Zeit für den Austritt reif ist wird sich schon jemand finden der das tut, keine Sorge.
Aber im Moment leben wir Deutsche wie die Marder im Speck und auf Kosten der schwächeren EU-Länder die sich gegen unsere Exportlawine wegen der EU-Verträge (Freihandelszone) nicht wehren können. Somit können wir unsere Arbeitslosigkeit über unseren Leistungsbilanzüberschuss exportieren (15 Milliarden im Schnitt PRO MONAT und das seit 17 Jahren)
Was wollen wir noch mehr, die paar Milliarden die wir netto an Brüssel zahlen müssen sind Peanuts im Verhältnis zum Leistungsbilanzüberschuss den wir durch unsere Mitgliedschaft in der EU realisieren dürfen.
Uns Deutsche geht es prächtig, genießen wir es einfach, egal wie es den anderen EU-Ländern geht und ob in Spanien die Jugendarbeitslosigkeit über 50% liegt. Wem juckt denn das? Dem Herr Weidmann bestimmt nicht und mir auch nicht!

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