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06.06.2011

07:01 Uhr

Bulle & Bär

Die Unruhen werden die Börse belasten

Früher hieß es unter Börsianern: Politische Börsen haben kurze Beine. Doch die Proteste in Spanien oder Griechenland lassen sich nicht mehr so leicht abtun.

Demonstranten vor dem Parlament in Athen. Quelle: dapd

Demonstranten vor dem Parlament in Athen.

Die Menschen demonstrieren. Viele friedlich. In den Fernsehnachrichten flimmern die Bilder von den Demos in Griechenland und Spanien in jedes deutsche Wohnzimmer. Meist sind es junge Leute, die sich gegen die staatlichen Sparmaßnahmen wehren. Die Regierungen müssen ihre Ausgaben senken und ihre Einnahmen erhöhen. Nur dann fängt die Europäische Union die leidenden Länder in Rettungsprogrammen auf. Ein schwieriges Unterfangen.

Die Proteste sind kein gutes Zeichen. Früher hieß es zwar unter Börsianern: Politische Börsen haben kurze Beine. Gemeint war dann: Wenn die Regierungspartei wechselt, kann das die kurzfristige Börsentendenz verändern, aber nicht den längerfristigen Trend. Heute kann man die politischen Proteste und dadurch ausgelöste mögliche Verwerfungen in den Parteienlandschaften der Länder, falls es dazu kommen sollte, nicht als kurzfristige Verzerrung abtun.

Die politischen Wirren sind vom Schuldenschock ausgelöst worden. Und die immer schwieriger zu kontrollierenden Staatsdefizite erfordern Gegenmaßnahmen. Das wird Wohlstandsverluste für eine breite Mehrheit bedeuten. Größere innenpolitische Auseinandersetzungen sind programmiert. Für den 15. Juni ist in Griechenland ein Generalstreik angesetzt.

Indizes wie der Dax können kein Eigenleben führen

An der Börse Athen sind die Aktien auf Talfahrt. Daran ändern die Gewinne am Freitag wegen der Aussicht auf den nächsten Hilfskredit wenig. In anderen EU-Krisenländern sieht es ähnlich schlecht aus. Ein Ende der Abwärtsdrift ist erst zu erwarten, wenn sich nachhaltige Lösungen für die Schuldenexplosion abzeichnen. Im Anschluss an harte Anpassungsmaßnahmen würden die Problembörsen wieder Chancen bieten – möglicherweise nach einer letzten Verkaufspanik. Doch das ist bisher nicht absehbar.

Die EU-Kernbörsen können kein Eigenleben führen. Der Deutsche Aktienindex etwa liegt sieben Prozent unter seinem Jahreshoch von Anfang Mai. Zusammen mit wachsenden Unsicherheiten über die globale Wirtschaftsentwicklung erscheinen die Aktienperspektiven eher schlecht. Störkandidaten sind hier vor allem die USA und China. Es wäre keine Überraschung, wenn beide Länder schon bald konjunkturelle Schwächesignale senden würden. Bei den Amerikanern deutet sich das bereits an.

In den nächsten Monaten können Aktionäre stark schwankende Märkte mit Abwärtstendenz erwarten. Die Devise sollte sein: Pulver trocken halten! Es gibt eine gute Chance auf tiefere Einstiegskurse nach der Sommerpause.

Von

ina

Kommentare (1)

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Silvercoin82

06.06.2011, 09:09 Uhr

genauso wird es bald schon sein. Es kommt der Zeitpunkt, an dem größere Teile der Bevölkerung einfach sagen: "Macht euern Kram doch alleine. Ich habe es nicht gewollt, dass der Staat Schulden macht, wieso soll ich dann drunter leiden."

Das Finanzsystem funktioniert sowieso nur, solange es Dumme gibt, die an die langfristigen Versprechungen glauben!

Und immer mehr Leute wachen nun auf!! Euer Schneeballsystem, welches durch eine Scheindemokratie geschützt wird, bricht gerade zusammen. Europaweite Demokratiebewegungen sind erst der Anfang!

gibt es da auch Wett-Zertifikate für?? :D

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