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12.04.2012

07:45 Uhr

Bulle & Bär

Ein Putsch lässt Goldanleger zittern

VonWolfgang Drechsler

Dass Afrika ein enormes wirtschaftliches Potenzial birgt, ist bekannt. Allerdings zerstören politische Unruhen die frischen Blüten des Aufschwungs allzu schnell. Kein Konzern verdeutlicht das so sehr wie Randgold.

Soldat in Mali: Ein Putsch hat das Land destabilisiert. Reuters

Soldat in Mali: Ein Putsch hat das Land destabilisiert.

KapstadtWenn Mark Bristow an Westafrika denkt, gerät er leicht ins Schwärmen: Dann erzählt der Chef der südafrikanischen Minengesellschaft Randgold vom vielen Gold im westafrikanischen Boden, von den kühnen Plänen seines Unternehmens und davon, dass Afrika doch viel sicherer sei als viele meinten.

Sicherer als viele Mitteleuropäer sich nach mancher abendlicher „Tagesschau“ ausmalen – das mag sein. Aber sicher genug, um dort sein Geld anzulegen? Wer daran zweifelt, wurde Ende März darin bestätigt, dass Afrika bisweilen ein extrem unberechenbares Terrain sein kann. Diesmal traf es Bristow mit Randgold und seinen Aktionären.

Als Reaktion auf einen plötzlichen Putsch in dem westafrikanischen Wüstenstaat Mali brach die Randgold-Aktie um mehr als 20 Prozent ein. Dass viele Anleger ausstiegen, ist nachvollziehbar. Randgold ist ganz besonders abhängig vom Erfolg seiner Minen in Mali.

Denn die liefert mit 450.000 Unzen zu 31,1 Gramm fast zwei Drittel des von Randgold geförderten gelben Edelmetalls. Rund eine Milliarde Dollar haben die Südafrikaner dort investiert und nach eigenen Angaben einen ebenso hohen Betrag an die Regierung des inzwischen drittgrößten Goldexporteurs Afrikas in Form von Steuern, Tantiemen und Dividenden abgeführt.

Kurioserweise befand sich Bristow zum Zeitpunkt des Staatsstreichs gerade in Mali, weil er dort am Vortag der Revolte eine Übereinkunft mit der inzwischen gestürzten Regierung wegen Randgolds Gounkoto-Mine unterzeichnet hatte. Mit ihr und Loulo betreibt die in London notierte Firma in Mali zwei Bergwerke, an denen sie einen Anteil von 80 Prozent hält. Daneben gehört dem Konzern ein Goldbergwerk in der benachbarten Elfenbeinküste und im Kongo wird gerade ein Goldvorkommen erschlossen. Beide Länder sind nach europäischen Maßstäben gewiss nicht stabil. Vor einem Jahr lieferten sich in der Elfenbeinküste nach der Präsidentschaftswahl Anhänger des Siegers und des Verlierers Gefechte.

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Im Unterschied zu diesen Staaten wurde das vermeintlich demokratische Mali zuletzt mit Lob überhäuft. Denn anders als in den meisten anderen Staaten des Kontinents kann der Präsident hier nur zwei Amtszeiten regieren – und die Rolle der Opposition ist fest in der Verfassung verankert. Doch jetzt droht auch diese Insel der Stabilität zu kippen – und mit ihr die bislang hohe Bewertung von Randgold.

Anlegern zeigt der Staatsstreich in Mali, dass Investitionen in Afrika riskanter als anderswo sind. Das politische Risiko ist real. Wer es nicht scheut, könnte am Ende doch noch gewinnen, wenn es Randgold gelingt, in Mali ungestört weiter Gold zu fördern. Denn auch das viele Gold in Malis Boden ist real.

Kontakt zum Autor: drechsler@handelsblatt.com

Kommentare (6)

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Didi

12.04.2012, 07:59 Uhr

Reduzierte Förderung ist doch positiv! Goldanlager zittern doch nicht deshalb. Höchstens die Inhaber der entsprechenden Minenpapiere. Aber das sind Aktionäre.
Jede Verknappung von Gold steigert die Nachfrage und die Goldanleger freut das. Warum wird hier eine irreführende Überschrift gewählt?

Zahlmeister

12.04.2012, 08:13 Uhr

Der Putsch der europäischen Regierungen und speziell der deutschen gegen geltendes Recht, z.B. Grundgesetz und Vertrag von Maastricht sowie gegen die Parlamente sollte alle Geldanleger und Inhaber von Kapitallebensversicherungen zittern lassen.

lollo

12.04.2012, 08:39 Uhr

"Putsch läßt PAPIERGOLDanleger zittern" **gacker**

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