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22.01.2009

07:14 Uhr

Bulle & Bär

Finanzmärkte: Obamas Albtraum

VonIngo Narat

Die Amerikaner träumen. Enthusiastisch feiern sie ihren neuen Präsidenten Barack Obama. Emotionen pur. Und das Engagement der Amerikaner dürfte anhalten. Sie wollen die Wende zum Besseren und auch selber anpacken. Aus deutscher Sicht kann man nur neidisch über den Teich schauen.

Ingo Narat, Handelsblatt-Redakteur. Foto: Handelsblatt

Ingo Narat, Handelsblatt-Redakteur. Foto: Handelsblatt

FRANKFURT. In den nächsten Tagen wird sich der Trubel etwas legen. Nach den Feiern zur Amtseinführung kommt die Arbeit - harte Arbeit. Die Wirtschaftskrise droht das Land und seine Bürger zu verschlingen. Ein jäher Absturz von der Jubelstimmung in die Realität ist programmiert. Der kreditfinanzierte Konsum- und Wachstumsrausch hat ein Ende. Überall müssen Löcher gestopft werden: bei Bürgern, Banken, Unternehmen.

Alle Augen richten sich auf Obama. Der neue Landesvater gilt als Heilsbringer, der mit viel Geld das drohende Chaos abwenden soll. Grenzen wird es keine geben. Obama hatte bereits Anfang Januar angekündigt, er erwarte in den kommenden Jahren Staatsdefizite in Billionen-Dollar-Höhe - jedes Jahr.

Eine gewaltige Verschuldens- spirale ist in Gang gekommen. Schon im vergangenen Jahr hatte sich das US-Staatsdefizit auf 455 Mrd. Dollar verdreifacht. Das war damals ein Rekord. Aus heutiger Sicht ist es Kleingeld. Für das laufende Jahr schätzt der amerikanische Kongress das Loch auf 1 200 Mrd. Dollar. So lautet die Basisschätzung.

Dazu kommen unter anderem noch die Geldmittel für Obamas Rettungs- und Stimulierungsmaßnahmen. Insgesamt könnte das Defizit für 2009 laut der Analysefirma Casey Research auf über 3 000 Mrd. Dollar explodieren. Das wären 21 Prozent des Bruttosozialproduktes und mehr als der gesamte Staatshaushalt für das vergangene Jahr.

Es drängt sich das Bild vom Fass ohne Boden auf. Weitere Rettungsaktionen dürften unvermeidbar sein. Die jüngsten Hiobsbotschaften aus den Banken geben einen Vorgeschmack. Längerfristig überlagern die ungedeckten staatlichen US-Zusagen für Sozial- und insbesondere Gesundheitsleistungen alle aktuellen Schreckenszahlen. Offizielle Stellen schätzten dieses Megaloch bereits vor einem Jahr auf 53 000 Mrd. Dollar.

Es ist die Frage, wer diese Summen schultern kann oder muss. Steuererhöhungen sind kurzfristig keine realistische Alternative. Skeptiker glauben, die Notenbank muss schlicht mehr Geld drucken. Das wäre längerfristig inflationär.

In dem Szenario hätten Staatsanleihen einen schweren Stand. In diese Richtung denken auch Experten der Deutschen Bank. Sie erkennen bei US-Papieren Zeichen einer Spekulationsblase. In Scharen suchten Investoren bei Vater Staat Zuflucht vor der Krise und trieben die Kurse in schwindelerregende Höhen. Bei wieder aufflammenden Inflationssorgen würden manche Anleger ihre Gelder sicher umlenken. Ein solches Misstrauensvotum wäre ein Albtraum für Obama.

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