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15.02.2012

13:42 Uhr

Bulle & Bär

Firmenbonds sind nur relativ attraktiv

VonAndrea Cünnen

Bei Unternehmensanleihen winken derzeit höhere Renditen als bei Staatsanleihen. Doch allzu viel sollten sich Anleger nicht erhoffen. Denn die absoluten Renditen sind nahe ihrem historischen Tiefstand.

Unternehmensanleihen bieten etwas höhere Renditen als Staatsanleihen. dpa

Unternehmensanleihen bieten etwas höhere Renditen als Staatsanleihen.

FrankfurtWenn es um die Anleihen von Unternehmen geht, geraten Fondsmanager und Analysten geradezu aus dem Häuschen. Es gibt kaum jemanden, der sie nicht zum Kauf empfiehlt. Die Argumente sind dabei stets ähnlich: Die meisten Unternehmen hätten ihre Hausaufgaben gemacht, Schulden abgebaut, und ihre Finanzkennziffern sähen besser aus als noch vor ein paar Jahren. Für einen wirtschaftlichen Abschwung seien die Firmen deshalb so gut gerüstet, dass sie nicht in Zahlungsschwierigkeiten kommen werden. Und trotzdem seien sie so attraktiv wie lange nicht und deshalb auch für Privatanleger interessant.

Die ersten Argumente stimmen zumindest für viele Unternehmen abseits der Finanzbranche, denen auch die Ratingagenturen eine gute Bonität im Bereich Investment-Grade attestieren. Die Sache mit der Attraktivität gilt jedoch nur eingeschränkt.

Wahr ist: Für Unternehmensanleihen bekommen Anleger deutlich höhere Renditen als für deutsche Staatsanleihen. Der Risikoprämie genannte Renditeaufschlag liegt nach Indizes der Bank of America Merrill Lynch derzeit bei im Schnitt 1,7 Prozentpunkten, und das für eine durchschnittliche Laufzeit von fünf Jahren. Vor einem Jahr lag der Aufschlag bei nur gut einem Prozentpunkt, von daher sind die Zinspapiere der soliden Unternehmen tatsächlich attraktiver geworden.

Absolute Renditen sind niedrig

Allerdings: Die absolute durchschnittliche Rendite der Unternehmensanleihen liegt bei nur knapp drei Prozent und damit nahe ihrem historischen Tief. Große Blue-Chip-Unternehmen rentieren sogar noch geringer. Wer heute eine fünfjährige Anleihe von zum Beispiel BMW oder Siemens kauft, muss sich mit Renditen von 1,8 beziehungsweise 2,1 Prozent begnügen. Für eine fünfjährige Anleihe der Deutschen Telekom gibt es 2,7 Prozent.

Die Gründe für die niedrigen Renditen liegen auf der Hand. Weil schon lange viele Investoren die Vorzüge der Firmenbonds erkannt haben, ist die Nachfrage groß. Genau das lässt die Kurse steigen und die Renditen sinken. Dazu kommen die extrem niedrigen Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) von nur einem Prozent, die auch für die Verzinsung von Unternehmensanleihen eine Rolle spielen. Und drittens liegen auch die Renditen von Bundesanleihen nahe ihren historischen Tiefs, und das drückt die Renditen der Firmenbonds ebenfalls. Die gestiegenen Risikoprämien erklären sich nur damit, dass die Anleihen des Bundes noch gefragter sind als die der Unternehmen.

Anleger sollten sich also von Firmenbonds nicht zu viel versprechen. Die Risikoaufschläge bieten einen relativ attraktiven Puffer, aber mehr auch nicht.

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