Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.01.2007

07:00 Uhr

Bulle & Bär

Gefährlicher Höhenflug der Kranich-Aktie

VonS. Ertinger

Kraniche gelten als ausdauernde Flieger. Wissenschaftler haben beobachtet, dass sie bis zu 2 000 Kilometern zurücklegen können, ohne größere Pausen einlegen zu müssen. Das ist wahrscheinlich einer der Gründe, warum die Lufthansa vor 81 Jahren diesen Vogel als Wappentier gewählt hat.

FRANKFURT. Der Kurs der Lufthansa-Aktie legte im Jahresverlauf 2006 um 53 Prozent zu. Das aus durchaus gutem Grund: Dank der brummenden Weltwirtschaft nahmen Geschäftsreisen und Frachtflüge zu. Beides sind sehr lukrative Sparten für die Fluggesellschaft. Allein das Geschäft mit den Premium-Plätzen brachte der Airline in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres über die Hälfte der Verkehrserlöse ein. Die vergleichsweise ruhige weltpolitische Lage ließ zudem den Tourismus wieder aufleben. Die Auslastung der weißen Maschinen mit blauer Heckflosse stieg. Das Lufthansa-Management weiß zudem, das Unternehmen auf Rendite zu trimmen. Die einst bankrotte Tochter Swiss wirft heute wieder Gewinne ab.

Zu höchsten Höhen schwang sich das Papier allerdings erst nach der Mai-Korrektur auf. Allein seit Juni stieg der Kurs bis heute um gut 64 Prozent und hat die Marke von 22 Euro durchbrochen. Auf dieser Flughöhe ist die Luft jedoch sehr dünn.

Denn einerseits ging der Anstieg des Lufthansa-Papiers Hand in Hand mit dem Verfall des Ölpreises. Ein Fass Rohöl der Sorte Brent kostete Mitte August noch 78 US-Dollar. Nunmehr sind es knapp 55 Dollar. Die Airline profitierte von den geringeren Treibstoffkosten, für die der Konzern etwa jeden siebten Euro ausgeben muss. Doch der Abwärtstrend des Ölpreises dürfte über kurz oder lang zu Ende sein. Die Ausgaben der Kranich-Linie für Flugbenzin werden daher zunehmen. Auch mit geschickten Sicherungsgeschäften kann das Lufthansa-Management dies nur teilweise auffangen.

Auf der anderen Seite ist die Aktie mittlerweile schlicht sehr teuer. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beziffert sich laut Reuters-Umfrage auf 19. Im vergangenen Jahr beförderte die Fluglinie mit 53,4 Mill. Passagieren 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Auslastung der Flugzeuge stieg dagegen nur leicht um 0,2 Punkte auf 75,2 Prozent. Nach Bekanntgabe dieser Zahlen sank der Kurs. Dies zeigt, dass die positiven Nachrichten bereits eingepreist waren.

Die in diesem Jahr wohl weniger stark wachsende Weltwirtschaft begrenzt das Potenzial für weitere Kursgewinne. Außerdem setzen Billigflieger der etablierten Airline weiter zu.

Anleger sollten zudem eine Tatsache nicht vergessen: Die Luftfahrtbranche ist äußerst schwankungsanfällig. Kaum steigt der Ölpreis oder es nimmt Gefahr von Terroranschlägen zu, rauschen die Kurse der Airlines in den Keller. Privatanleger sollten daher den Kranich ziehen lassen und sich nach günstigeren Möglichkeiten für einen Einstieg umschauen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×