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17.01.2011

07:15 Uhr

Bulle & Bär

Gegen Gerüchte zu wetten, bringt den höheren Profit

VonLaura de la Motte

Sie gehören zu den Triebfedern an den Aktienmärkten: Gerüchte. Tagtäglich spekulieren Börsianer über die nächsten Manöver der gelisteten Unternehmen. Bei den sehr beliebten Fusionsspekulationen profitieren Anleger jedoch am meisten davon, wenn sie darauf wetten, dass an den Gerüchten nichts dran ist.

FRANKFURT. Sie gehören zu den Triebfedern an den Aktienmärkten: Gerüchte. Tagtäglich spekulieren Börsianer über die nächsten Manöver der gelisteten Unternehmen. Egal ob wahr oder falsch, beeinflusst das Gerede die Aktienkurse oft genauso wie handfeste Tatsachen. Denn niemand weiß, ob nicht doch ein Fünkchen Wahrheit dahintersteckt. Bei den sehr beliebten Fusionsspekulationen profitieren Anleger jedoch am meisten davon, wenn sie darauf wetten, dass an den Gerüchten nichts dran ist.

Das zeigt jetzt eine Analyse der Agentur Bloomberg. Sie hat Nachrichtendienste, Brokerhäuser und Zeitungen ausgewertet und zwischen 2005 und 2010 insgesamt 1875 Gerüchte über potenzielle Fusionen und Übernahmen gezählt. Davon haben sich am Ende 104 tatsächlich bewahrheitet.

Die Aktien der angeblichen Kaufkandidaten legten im Schnitt am Tag der aufgekommenen Spekulation um 2,9 Prozent zu. Schon am nächsten Tag fielen sie aber um 0,2 Prozent, für den Monat ergab sich sogar ein Minus von 1,2 Prozent. Davon konnte derjenige profitieren, der bei Aufkommen der Fusionsgerüchte die Aktien leer verkauft hat. Übers Jahr konnte dann eine mittlere Rendite von 14 Prozent eingefahren werden - das ist mehr als doppelt so viel wie der durchschnittliche Jahresgewinn des S&P.

Bei Leerverkäufen werden die Aktien von jemand anderem geliehen und anschließend veräußert. Fällt der Kurs bis zum Rückgabetermin, kann man die Aktien günstiger zurückkaufen und den Gewinn einstreichen. Statt eines Leerverkaufs können Anleger auch mit Derivaten auf fallende Kurse wetten.

Gerüchteküche hat System

Beispiele für falsche Fusionsgerüchte finden sich immer wieder: Beim US-Medikamentenproduzenten OSI Pharmaceuticals gab es von 2005 bis 2009 neunmal Kaufgerüchte. Kein einziges stimmte. Der Kurs fiel immer wieder zurück. Als das Unternehmen tatsächlich vom Konkurrenten Astellas übernommen wurde, hatte es vorher keinen Hinweis darauf gegeben und der Kurs stieg um 52 Prozent.

Auch beim Mineralölkonzern BP gibt es seit der Explosion der Ölplattform "Deep Water Horizon" immer wieder Gerüchte, die Konkurrenten Exxon Mobil oder Shell könnten das Unternehmen übernehmen. Die Aktie stieg - und fiel kurze Zeit später genauso schnell zurück.

Es stellt sich immer die Frage, wo die Spekulationen ihren Ursprung haben. Meistens kommen sie nämlich von jemandem, der die Aktien verkaufen und deswegen den Preis nach oben treiben will. Solche Manipulationen sind zwar verboten, aber kaum nachzuweisen.

Ein bisschen mehr Gelassenheit und Skepsis kann also nicht schaden, wenn mal wieder eine Übernahme ausgerufen wird. Und wer mutig ist, wettet dagegen.

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