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05.04.2011

07:58 Uhr

Bulle und Bär

Glaskugel für zukunftsorientierte Anleger

VonAnke Rezmer

Wer zukunftsorientiert plant, investiert entweder in Rohstoffe und Energie oder in die Emerging Markets - denn eines ist sicher: Ohne die Kraft der Schwellenländer geht im Depot bald nichts mehr.

Wertvoller Rohstoff: Ein Arbeiter entfernt in einer Edelstahl-Gießerei Schlacke bei einem Abstich. Quelle: dpa

Wertvoller Rohstoff: Ein Arbeiter entfernt in einer Edelstahl-Gießerei Schlacke bei einem Abstich.

FrankfurtWie die Welt in knapp vierzig Jahren aussieht? Die britische Bank HSBC hat in die Glaskugel geschaut - rein ökonomisch betrachtet: Die globale Produktion wird sich bis 2050 verdreifachen. Den größten Beitrag dazu leisten die Menschen aus den Ländern mit aufstrebender Wirtschaftsleistung, die Schwellenländer. Denn diese noch jungen Gesellschaften verfünffachen dank zunehmender Wirtschaftskraft die Leistung ihrer Volkswirtschaften.

Im Jahr 2050 wird China das gemessen am Bruttoinlandsprodukt stärkste Land der Welt sein und die USA auf Platz zwei verdrängt haben. Dahinter folgt das dann bevölkerungsreichste Land der Welt: Indien. Die Studie der Bank liest sich als Abgesang auf die westlichen Industrienationen, die allesamt zurückfallen werden, weil ihre Gesellschaften nach und nach vergreisen.

Demnach trifft es vor allem reiche europäische Länder mit kleiner, alternder Bevölkerung wie die Schweiz oder die Niederlande. Die Japaner und die Deutschen dagegen halten sich noch einigermaßen stabil auf den Rängen vier und fünf, wie HSBC-Volkswirtin Karen Ward berichtet. Diese weiche Landung verdanken wir unserer relativ produktiven Arbeitskraft, unserem Bildungsniveau und stabilen politischen Verhältnissen.

Steigender Energiebedarf

Die Kernfrage bleibt aber, wie die neuen Wohlstandsgesellschaften ihren Energiebedarf decken. Statt heute 0,7 Milliarden Autos werden 1,7 Milliarden auf dem Erdball herum fahren - die Hälfte davon in China. So gilt es, den Energiehunger der aufstrebenden Nationen zu stillen und Alternativen zum Rohstoff Öl zu entwickeln, von dem keiner weiß, wie viele Vorkommen es genau gibt und was es kostet, diese zu heben. Den Energiehunger zu stillen, sei vordergründig kein Problem, meint Ward - mit Hilfe von Atomstrom und Kohle. Spätestens nach der Reaktor-Katastrophe in Japan und im Bemühen um eine Welt, auf der auch 2050 Menschen noch atmen können, müssen aber durchdachtere, effiziente Energiekonzepte her.

Was das alles für Anleger bedeutet? Ohne die heute noch Emerging Markets genannten Länder von morgen im Depot läuft nichts. Entweder kauft sich der zukunftsorientierte Investor Wertpapiere aus Asien, Lateinamerika und Afrika oder er investiert in Unternehmen aus den Sektoren Rohstoffe und Energie. Wem das zu speziell ist, der kann auf internationale Konzerne setzen, die einen großen Teil ihrer Waren in Schwellenländern verkaufen und damit an der dort wachsenden Nachfrage verdienen.

Anleger scheinen sich mit der neuen Welt offenbar bereits anzufreunden. Institutionelle Investoren haben ihren Anteil an Schwellenländern im Depot in den vergangenen acht Jahren immerhin verzehnfacht.


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