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07.03.2012

15:29 Uhr

Bulle & Bär

Gute Aussichten für Indexaufsteiger

VonChristian Schnell

Was des einen Leid ist an der Börse manchmal des anderen Freud: Während zwei schwächelnde Unternehmen aus MDax und TecDax verbannt werden, rücken zwei Hoffnungsträger Plätze in den Indizes: Dürr und Euromicron.

Mitarbeiter von Dürr fertigen im Werk Bietigheim-Bissingen Dürr-Ecopaint-Lackierroboter. dpa

Mitarbeiter von Dürr fertigen im Werk Bietigheim-Bissingen Dürr-Ecopaint-Lackierroboter.

Es war weniger eine Meldung mit Neuigkeitswert, eher mit Symbolcharakter. Der schwäbische Maschinenbauer Dürr steigt am 19. März in den MDax auf und ersetzt dort Heidelberger Druck. Und im Technologieindex TecDax ersetzt der Netzwerkspezialist Euromicron das angeschlagene Solar-Unternehmen Q-Cells.

Nun sind die beiden Absteiger keineswegs Opfer einer unbarmherzigen Tauschpolitik der Deutschen Börse. Beide Unternehmen haben seit längerem massive Probleme, vor allem, weil es in deren Branchen schlecht aussieht. Q-Cells hatte schon vor der jüngst verkündeten Kürzung der Solarförderung Liquiditätsengpässe. Gerade erst haben Gläubiger einer Fristverlängerung bei einer Wandelschuldverschreibung zugestimmt. Und Heidelberger Druck hat die gleichen Probleme wie alle in der Branche, die mit dem Wandel zu immer weniger Druckerzeugnissen und immer mehr Internet-Informationen kämpfen. Prominentestes Opfer war zuletzt der insolvente Konkurrent Manroland.

Dagegen muten die jüngsten Nachrichten von Dürr und Euromicron wie wahre Erfolgsgeschichten an. Mehr als 80 Prozent hat die Dürr-Aktie in den vergangenen zwölf Monaten zugelegt. Runde 500 Prozent waren es gar seit dem Tiefpunkt während der Finanzkrise Ende 2008. Das biedere Image des Maschinenbauers und Anhängsels der Autoindustrie, das das Unternehmen aus Bietigheim-Bissingen am Aktienmarkt lange hatte, hat es längst abgestreift. Bis ins Jahr 2013 sind die Auftragsbücher gefüllt.

Nun weiß man aus der Vergangenheit, dass gerade die Autoindustrie sehr starken Wellenbewegungen unterliegt. Brummt die Wirtschaft, brummt auch sie. Umgekehrt schieben viele Kunden gerade dann den Neukauf auf, wenn sie spüren, dass die Wirtschaft nicht mehr ganz rund läuft. Davon ist zwar immer wieder die Rede, in den Fabrikhallen, am Bau oder im Transportwesen ist davon aber rein gar nichts zu spüren. Das spürt Dürr, und das bekommen auch die Aktionäre zu spüren. 1,20 Euro sollen sie in diesem Jahr an Dividende erhalten. Das ist viermal so viel wie im Vorjahr.

Auch um das Image von Euromicron war es lange Zeit nicht gut bestellt. Gut, solide, aber langweilig galt hier wie bei Dürr. Zudem unterliegt die Informationstechnologie den gleichen Zyklen wie die Automobilindustrie. Nun ist die Euromicron-Aktie schon mehr als ein Jahrzehnt an der Börse gelistet. Ihr Debüt hatte sie am längst vergessenen Neuen Markt. Der Aufstieg in den vergangenen Jahren ging weitgehend lautlos über die Bühne. Kaum ein Analyst beobachtet die Aktie. Das wird sich mit dem TecDax-Aufstieg nun ändern.

Beiden Indizes tun die Veränderungen gut. Auch weil die beiden Absteiger überfällig waren.

Der Autor ist erreichbar unter: schnell@handelsblatt.com

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